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Adab as-Suluk - Eine Abhandlung zur spirituellen Reise
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von Sheikh Najm al-Din Kubra -
übersetzt von
Maher el Ali

Inhaltsverzeichnis:
I. Einführung
O Diener
Allahs!
Wisse, dass du ein Reisender (Salik) bist, suchend nach deinem Herrn,
und letztendlich eines Tages wirst du Ihn treffen, wie es in einer
Überlieferung heißt: "Wer darauf hofft Allah (swt) zu treffen, sollte
wissen, dass der Zeitpunkt des Treffens kommen wird." Und ihr solltet
wissen, dass Gott, der Erhabene, durch Seine Macht und Weisheit zwei
Reisen für die Kinder Adams bestimmt hat. Eine von ihnen ist die
unfreiwillige (qahri) und die andere ist die freiwillige (ikhtiyari).
Was die unfreiwillige Reise betrifft, so ist der Startpunkt die Lende
des Vaters (Sulb), die zweite Stufe (dann) ist der Mutterleib der Mutter;
die dritte Stufe ist die physische Welt; und die vierte Stufe ist die
des Grabes, welches entweder ein Garten der Gärten des Paradieses ist
oder eine Grube der Gruben der Hölle. Die fünfte Stufe ist die des Tages
der Auferstehung, welche 50.000 Jahren auf der Welt gleicht.
Nach dieser Stufe wirst du dein ewiges zu Hause und den echten
Aufenthalt erreichen - dies ist der Aufenthalt des Friedens (dar al-salam)
und das Paradies der Sicherheit und des Friedens, im Falle, dass du
unter den Erfolgreichen und den Freunden des Haqq bist; oder dein zu
Hause wird ein Aufenthalt des Feuers und der Qual sein, wenn - Gott
behüte - du unter den Elenden und den Feinden des Haqq bist, wie Allah (swt) sagt:
"Am Tag der Auferstehung wird eine Gruppe im Paradies und eine
Gruppe in der Hölle sein."
Jeder Atemzug, den du nimmst, ist ein Schritt in Richtung der Stufe des
Todes. Jeder Tag deines Lebens entspricht einem Kilometer. Jeder Monat
entspricht einer Etappe (marhalah) und jedes Jahr ist gleich einer
Station (manzil). Deine Reise ist wie die Bewegung der Sonne und des
Mondes - noch bist du vergesslich über diese Reise und diese Bewegung -
und aus deiner Unwissenheit und Vergesslichkeit heraus ist es dir
misslungen dich vorzubereiten und dich richtig auszurüsten für die
Station (manzil) des Grabes und der weitergehenden Reise zur Station des
Tages der Auferstehung und deinem ewigen und wahren zu Hause.
Jedoch gibt es bei der freiwilligen Reise zwei Arten: Die eine ist die
Reise der Seelen und der Herzen in Richtung des Allmächtigen und König
der Welten. Und die zweite ist eine physische Reise (safar jismani) auf
der Erde Gottes. Wir werden beiden Reisen ein gesondertes Kapitel widmen,
so dass man die notwendige Führung erhält, um ihre Ziele zu erreichen
und geführt wird durch die Vorbereitung der Wege, durch die Öffnung der
Tore, und durch das Lernen derer Disziplinen (adab).
O Herr, öffne die Tore Deiner Gnade und Barmherzigkeit für uns! O Herr,
Der großzügig ist!
II. Über die spirituelle Reise zu Allah und die Wichtigkeit dieser Reise
O Diener Gottes! Wisse, dass Gott, der Erhabene den Menschen nur erschuf, um
seinem Herzen oder seinem Geist es zu ermöglichen, sich auf die Reise zu
Ihm zu machen und um die Nähe zu Ihm zu erreichen und um Seine
Herrlichkeit und Schönheit wahrzunehmen, welche das endgültige Ziel
darstellt.
Die Welt und was darin enthalten ist, genauso wie die andere Welt und
was darin enthalten ist, wurden aus demselben Zweck erschaffen. Die
Propheten und Gesandten, die Offenbarung des Qur'an und der anderen
Schriften, wurden alle aus demselben Grund gesandt. Wie Allah (swt) sagt:
[Adh-Dhariyat 51.56] Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, dass sie
Mir dienen.
Ibn 'Abbas (Möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte, dass hier "li
ya'budun" (dass sie Mir dienen), "li ya'rifun" (dass
sie Mich erkennen) bedeutet. Das bedeutet, alles wurde (nur) erschaffen,
um Ihn (Allah (swt))
zu erkennen. In einer heiligen Überlieferung (Hadith Qudsi), sagt Allah
(swt):
"Ich war ein verborgener Schatz; dann wollte Ich erkannt werden. Dann
erschuf Ich die Schöpfung, so dass Ich erkannt werden möge."
Jedoch was diese Reise betrifft, so wisse, dass das Herz eines
Menschen mit (vielen) Schleiern bedeckt ist, mit Hindernissen und einer
Großen Distanz (zu Allah (swt)). Hier gibt es ebenso bestimmte Stufen,
Etappen und Stationen der Nähe zu Allah (swt). Wenn man nicht den
Hürdenlauf des Pfades bewältigt, so kann man keine einzige Stufe der
Nähe zu Allah (swt) erreichen. Der heilige Herr (Hadrat al-Quds) wird
nicht erkannt werden, außer und bis man die Schleier des eigenen Ich's (Hujubul-Nafs)
abreißt.
Die erste Stufe
Das bedeutet, der erste Schleier, welcher der Grund der Trennung zum
Allmächtigen Herr (Hadrat al-'Izzah) ist, ist die Unwissenheit über Ihn,
das Beigesellen von Partnern neben Ihm (shirk) und Zweifel in Seine
Eigenschaften der Herrlichkeit und Vollkommenheit. All dies zählt zum
Unglauben (kufr), welcher zu den größten und dunkelsten aller Schleier
gehört, wie Allah (swt) sagt:
[An-Nisa'
4.48] Wahrlich, Allah wird es nicht vergeben, dass Ihm Götter zur Seite
gestellt werden.
Daher ist es erforderlich für den Suchenden (nach Allah), die Dunkelheit
der Unwissenheit in seinem Herzen in (eine) Beleuchtung durch das Licht
des Wissens zu ändern; um das Licht der Gewissheit (Yaqin) durch die
Entfernung der Dunkelheit des Zweifels zu erreichen, um Tawhid zu
erreichen durch das Entfernen der Dunkelheit des Polytheismus, und um
das Licht des Glaubens zu erlangen durch die Befreiung von der
Verwirrung des Unglaubens. Andernfalls wird sein Körper und seine Seele
in einer ewigen Dunkelheit verbleiben und in den niedrigsten Stufen der
Hölle verdammt werden, welche Allah (swt) für die Ungläubigen und die
Feinde Allahs bestimmt hat.
Die zweite Stufe
Die zweite Stufe auf dem Wege die Nähe Allahs zu erlangen
ist die Gehorsam (ta'ah) und Dienerschaft ('ubudiyyah) Ihm
gegenüber, wie Allah (swt) befohlen hat: O Menschheit! Betet euren Gott
an! Darüber hinaus hat der Prophet (ص) von Allah (swt) überliefert, dass Er sagte:
"Mit nichts hat Mein Diener Meine Nähe gesucht, was mir
lieber ist, als das wozu Ich ihn verpflichtet habe, und mein Diener
beharrt auf die Verrichtung der erwünschten Zusätze, bis Ich ihn liebe…"
Demzufolge muss jener, der wirklich seinen Herrn (Mawla) kennt, Ihm
gehorchen, und wer auch immer seinen Herrn erkannt hat, der muss Ihn
anbeten; andernfalls wird er in der Dunkelheit der Sünden auf dem Level
der Gotteslästerung verbleiben, da Sünden eine Stufe der Entfernung (Bu'd)
von Allah (swt) sind und Gehorsamkeit ist ein Mittel, (dass) in Seine Nähe
(führt).
Die dritte Stufe
Die dritte Stufe der Nähe ist gutes Verhalten. Daher ist es für den
Suchenden nach dem Haqq wichtig, sein unwürdiges Verhalten in ein
lobenswertes umzuwandeln, denn jedes lobenswertes Verhalten wird als ein
Mittel aufgefasst, dass in die Nähe des Herrn führt.
Da jede moralische Untugend ein Schritt weg von Ihm ist und etwas ist,
dass Sein Missfallen erregt, ist der wahre Suchende verpflichtet sich
selbst von der Dunkelheit des Stolzes abzuwenden, zum Lichte der
Bescheidenheit. Von der Niedrigkeit der Eifersucht, zur Tugend der
Zuneigung und des Mitgefühls. Von der Falschheit des Geizes, zur
Erhabenheit der Großherzigkeit. Vom dunklen Abgrund der Undankbarkeit,
zum leuchtenden Gipfel der Dankbarkeit. Von der Dunkelheit der
Heuchelei, zum Lichte der Aufrichtigkeit. Von der Wüste der
oberflächlichen Schönheit und des Reichtums der physischen Welt, zum
Garten der Liebe und des Vertrauens auf den Herrn der Himmel und der
Erde.
Von der Dunkelheit (der falschen Bedeutung) der Sicherheit, zum Lichte
der Furcht vor Gott. Von der Dunkelheit der Hoffnungslosigkeit und des
Misstrauens, zum Lichte der Hoffnung und des Vertrauens. Vom Schatten
des Zorns und der Wut, zum Lichte der Geduld und der Toleranz. Von der
Dunkelheit der Ungeduld und der Ängstlichkeit bei der Begegnung von
Elend und Unglück, zum Lichte der Geduld und der bedingungslosen Hingabe
an die Bitterkeit des Schicksals. Von der Dunkelheit der Nachlässigkeit,
zum Lichte des Bewusstseins und Erinnerung.
Von der Dunkelheit der Ratlosigkeit und des Eigensinns, zum Lichte der
Ergebenheit und der Demut. Von der Dunkelheit der Abhängigkeit von
weltlichen Mitteln, zum Lichte der Unterwerfung des Willen des Herrn
aller Herrn, und von der Dunkelheit der Sklaverei der Gier und der
Sinnenlust, zum Lichte der Gehorsamkeit des erhabenen Schöpfers.
Demnach ist diese Reise eine der wichtigsten Reisen, und es ist
verpflichtend für alle Suchenden nach der göttlichen Nähe, nach der
höchsten Glückseligkeit und dem ewigen Aufenthalt im Jenseits, diese
Reise zu vollziehen.
Die vierte Stufe
Die vierte Stufe der spirituellen Reise, ist die Reise durch die
wunderschönen Namen (al-'Asma'-ul Husna) und den Erhabenen Eigenschaften
(Sifat) Allahs. Denn wenn ein Suchender sein inneres Dasein (batin)
reinigt, aufgrund der Distanz (zu Gott) und sein Herz läutert und mit
der Etikette der Nähe schmückt, so wird er würdig dafür sein in Richtung
des Herrn des Königreichs fortzuschreiten und die Wirkung der Liebe
Gottes und Seiner Gnade werden sich in ihm manifestieren.
Bei dieser Stufe gibt es einen Unterschied in den Rängen der 'Awliya'
und 'Asfiya' (den Auserwählten). Abu 'Abdallah Muhammad ibn 'Ali al-Tirmidhi
sagte: "Gott, der Erhabene und Glorreiche, lehrte Seinen Dienern
Seine Namen und jeder Name gehört zu einem besonderen (spirituellen)
Bereich ('iqlim) und für jeden Bereich gibt es eine Autorität (Sultan).
Und jeder Bereich hat seine Anordnungen, Geschenke und Belohnungen,
welche den Leuten dieses Bereichs verliehen werden. Und Er hat spezielle
Stufen für die Herzen dieser Auserwählten bestimmt. Es kann sein, dass
ein Wali in der ersten Ebene verbleibt, da er unter den Namen Gottes,
nur den Namen, der diesen Bereich betrifft, kennt.
Es passiert oft, dass einer der 'Awliya' eine Stufe in der zweiten,
dritten oder vierten Ebene zur gleichen Zeit hat. Daher, wenn er sich
einer speziellen Ebene widmet, wird der Name dieser Ebene ihm verliehen,
so dass er die Stufe des Wali erreicht, der alle Namen partizipiert. Er
ist einer der von allen Namen Nutzen zieht und er ist der Führer der 'Awliya'."
Al‑Tirmidhi sagte weiter: "Den Nutzen, den die normalen Menschen von
diesen göttlichen Namen ziehen, ist gleich ihrem Glauben in diese
Namen."
Was die betrifft, welche in der mittleren Position (ashab al-yamin)
sind, genauso wie die normalen 'Awliya', so hängt ihr Anteil an den
göttlichen Namen von der Öffnung ihrer Herzen (sharh-ul-sadr) gegenüber
dieser Namen und das Licht ab, welches in ihnen durch die Mittel der
Erkenntnis (ma'rifah) über die göttlichen Eigenschaften scheint. Jeder
genießt das, was gemäß seiner Aufnahmefähigkeit und dem Maß des
spirituellen Lichtes, welches sein Herz aufweist, entspricht. Jedoch der
Nutzen, welcher die Auserwählten unter den 'Awliya'' ziehen - welche
vollkommen befreit sind von den Trachten der weltlichen Bindung und in
einer neuen spirituellen Kleidung gekleidet sind - beinhaltet die
direkte Beachtung der göttlichen Eigenschaften und die Aufnahme von
deren Licht in deren Herzen.
Von dem was unser Sheikh erwähnt hat, tritt es auf, dass jeder Wali eine
Stufe genießt die speziell für ihn bestimmt ist, welche er nicht
übertreffen kann, und diese Stufe ist ihm durch Allah (swt) erteilt in
Übereinstimmung mit seiner Fähigkeit und Aufnahmefähigkeit und dem Grad,
der für ihn von Allah (swt) verfügt wurde. Daher, wenn sein Herz diese
bekannte Stufe erreicht, erreicht seine geheimnisvolle Reise sein Ziel
und seine Reise kulminiert.
Bei dieser Reise geht es weder darum von einem Ort zum anderen zu
wandern, noch gehört es zur Bewegung eines Wanderers, noch zum gefragten
Ziel, denn Gott der Erhabene steht näher zu einer Person, als dessen
Halsschlagader. Hier ist mit der "Reise" die Entfernung der Schleier
gemeint, welche den Blick des Herzens und das Licht der göttlichen
Eigenschaften daran hindern im Herzen des Reisenden zu scheinen. Das ist
die Reise, für die der Mensch erschaffen wurde.
III. Über die äußerlichen Disziplinen dieser Reise
Du solltest wissen, dass diese Reise des Herzens in
Richtung Gott, die Berücksichtigung bestimmter Disziplinen (Adab)
erfordert. Einige von ihnen sind äußerlich (zahir) und gewisse andere
innerlich (batin).
Der erste Grundsatz
Der erste äußerliche Grundsatz ist, dass der Reisende materielle
Besessenheit und Mittel aufgeben und sich selbst von weltlichen
Beschäftigungen loslösen sollte. Er sollte keine andere Beschäftigung
haben, außer der Dienerschaft seinem Meister gegenüber und der
Gehorsamkeit Ihm gegenüber und Ihm zu gedenken. [1]
Allah (swt) sagt:
[Al-Muzzammil
73.8]
So gedenke des Namens deines Herrn und weihe dich Ihm ausschließlich.
Der zweite Grundsatz
Der zweite Grundsatz besteht aus der Abgeschiedenheit und Distanz zu den
Menschen, speziell zu jedem, der einen daran hindert sich Allah zu
nähern. Und Allah (swt) sagte zum Propheten (ص): "Halte dich fern von
ihnen und vermeide jene die alles anrufen außer Gott."
Der dritte Grundsatz
Der dritte Grundsatz ist, dass der Reisende (Salik) die sieben Organe
seines Körpers vor dem schützen sollte, was seinen Herrn verärgert.
Diese sind folgende Dinge:
Die Augen sollten vor dem geschlossen werden, was verboten und nicht
nutzenbringend für einen ist. Die Ohren sollten keine Verleumdungen,
Schmähungen und unanständige Wörter und ähnliches hören. Die Zunge muss
vor den gleichen Dingen geschützt werden und die Lippen sollten
verschlossen werden bei Gesprächen ohne Nutzen. Und einige 'Urafa' haben
gesagt, dass das was man sagt Gedenken Gottes sein sollte und die
Schweigsamkeit eine Anstrengung zum Nachdenken, und die Blicke sollten
dazu dienen eine Lehre zu ziehen. Der Reisende sollte ebenso seinen
Bauch vor unrechtmäßigen und verdächtigen Dingen schützen, und im Falle
der rechtmäßigen Dinge, sollte er nicht gierig, lüstern und in einem
Zustand der Vergesslichkeit über Gott sein; man sollte eher während dem
Essen wach und bewusst über Gottes Präsens sein. Auf demselben Weg
sollte er seine Füße und Hände, genauso wie seine Geschlechtsorgane vor
dem was verboten und abscheulich ist schützen.
Der vierte Grundsatz
Der vierte Grundsatz ist, dass sich der Salik seinem weltlichen Ich (Nafs)
widersetzt, dass bedeutet der Kampf gegen den Drang anzukämpfen,
leckeres Essen, leckeres Trinken, schöne Kleidung, sinnliche Handlungen
usw. zu begehren. Das ist die größere Anstrengung (Jihad ul-Akbar), über
die der Prophet (ص), der Führer der Menschheit (sinngemäß) sagte:
"Ihr seid von dem kleineren (asghar) Jihad zurückgekehrt um nun den
größeren (akbar) Jihad zu bewältigen."
Und dieser Jihad ist wichtiger und seine Früchte umfassender, als das
Kämpfen gegen Ungläubige (Kuffar) im Krieg, um Reichtümer zu erlangen,
denn diese unterliegen dem Drang des diesseitigen Ichs (Nafs), welcher
zu dauerhaftem Verderben und ewiger Not führt. Gemäß den Gnostikern ('Urafa')
ist Untergegebenheit gegenüber dem Nafs, gleich dem in Flammen legen von
Brennholz und der Talib und der Salik sollten, um sich von ihrem Nafs zu
befreien, dieses Feuer in sich löschen.
Der fünfte Grundsatz
Der fünfte Grundsatz ist, dass der Salik einen wissenden, makellosen und
weisen Sheikh aufsuchen sollte, der ihn auf dem Wege führt um Perfektion
zu erlangen, so dass er Allah (swt) erreichen kann; für den Suchenden ist
das wie ein Patient, der umgeben ist von verschiedenen Krankheiten und
Übeln, der von einer Anzahl von Leiden und Beschwerden heimgesucht wird.
Der Salik ist unwissend über sie und selbst wenn er wissend darüber
wäre, so wüsste er nicht wie er sein Nafs heilen kann. So hat er keine
Wahl, als einen mitfühlenden und freundlichen Mediziner aufzusuchen, der
seine Krankheit diagnostizieren und ihm helfen kann, seine Krankheit zu
überstehen, um wieder auf beiden Beinen stehen zu können. In anderen
Worten: Der Salik ist wie ein Reisender in einer gefährlichen und
schrecklichen Wüste, welcher keine andere Wahl hat, als einen Führer zu
finden, um sein Ziel zu erreichen.
Der sechste Grundsatz
Der sechste Grundsatz ist, dass der Salik sich nicht selbst mit
unzähligen Bittgebeten, Dhikr, empfohlenen Gebeten und verschiedener
Arten von Handlungen beschäftigt, sondern sich einer einzigen Form des
Dhikr widmet und all die verpflichtenden Gebete und bestimmten Formen
des Gottesdienstes verrichtet. Erst dann sollte er sich immer mehr in
das Gedenken Gottes vertiefen. Es wird gesagt, dass Dhikr der Schlüssel
zur Unsichtbaren Welt ('Alam-ul-Ghayb) und die Lampe der innerlichen
Welt ist. Ohne einen Schlüssel kann man das Haus nicht betreten und ohne
eine Lampe kann man ein Haus nicht beleuchten. Daher sollte der Salik
Gott auf eine Weise Gedenken, in der er seinen Geliebten gedenkt, und
das Gedenken sollte ihn nie verlassen. Dann muss er sich so sehr in das
Dhikr vertiefen, dass das Dhikr sich an ihn festhängt und sein Herz
nicht leer lässt, nicht mal für einen Moment. Wenn er mit seinem Dhikr
fortfährt, dann wandelt es sich vom menschlichen in himmlischen und
heiligen Dhikr. Das "menschliche Dhikr" ist das, was mit Hilfe von
Stimmen, Buchstaben und Zahlen geschieht, wohingegen "himmlischer Dhikr"
das ist, was frei von Nummern, Buchstaben und Stimmen ist. Nach dieser
Stufe verliert der Dhakir (derjenige der Dhikr vollzieht) seine
Identität und verschmilzt mit dem Dhikr. Er wird unwissend über sein
Dhikr, genauso wie über sein eigenes Ich. Es gibt viele Stufen des Dhikr,
höhere sind schwerer zu erreichen; aber allmähliche Bedrängnis und
Anstrengung verschwinden und Dhikr wird die Natur und Gewohnheit des
Salik.
Der siebte Grundsatz
Der siebte Grundsatz ist, durchgehend tüchtig zu bleiben,
denn diese Handlung zeigt einen Widerspruch und Unterdrückung des
diesseitigen Ichs, welches der Grund aller Schleier und der Entfernung
von Allah (swt) ist. Wenn ein Salik sein Essen schrittweise reduziert, ist
es möglich. Das ist der Weg der von manchen Suffi Sheikhs beschritten
wurde. Es gehört ebenfalls dazu, das man einen Mittelweg beschreitet,
das heißt Maß hält.
Der Prophet Muhammad (ص) sagte: "Haltet eure Seele in einem gesunden
Zustand, denn es ist das, was ihr herumtragt; ihr solltet gütig zu ihr
sein und auf sie achten."
Der Prophet (ص) sagte auch: "Wer auch immer seinen Glauben extrem
schwer für sich macht, dessen Nafs überwältigt ihn und lässt sich ihm
unterwerfen."
Wenn es passiert, dass der Salik sein empfohlenes Fasten brechen muss,
um seine Gäste zu erfreuen oder als Zeichen seiner spirituellen Führung,
so sollte er seiner Seele das nicht bis zum Ende genießen lassen,
sondern so wenig wie möglich essen und weniger essen, als er
normalerweise essen würde. Wenn er am Tag gefastet hat, so dass er
seinem Nafs zwei Genüsse enthält: Das eine ist das Brechen des Fastens
und das andere ist die Freude des Essens zur Befriedigung des Herzens.
Desweiteren sollte man nicht immer Brot mit Eintopf zu sich nehmen,
sondern auch nur mit Brot zufrieden sein.
Der achte Grundsatz
Der achte Grundsatz ist das Acht geben auf körperliche Reinheit, denn
die Reinheit ist die Waffe eines Gläubigen und es ruft innere
Erleuchtung hervor. Der Prophet (ص) sagte: "Wudhu verrichtet über
Wudhu ist gleich Licht über Licht am Tag des Jüngsten Gerichts ."
Der neunte Grundsatz
Der neunte Grundsatz ist, in der Nacht wach zu bleiben.
Diese Handlung wird als eine der wichtigsten Handlungen des Saliks
betrachtet. Beim Preisen der Rechtschaffenen sagt Allah (swt):
[51.17] Sie schliefen nur einen kleinen Teil der Nacht;
Das bedeutet, dass sie nur einen kleinen Teil der Nacht schliefen, denn
die Nacht ist die Zeit des Dua für die 'Awliya und die Reinen.
Der zehnte Grundsatz
Der zehnte Grundsatz für den Salik ist, dass er sich so gut wie möglich
anstrengen sollte, um den Unterhalt mit halal Mittel finanzieren zu
können. Allah (swt) sagt:
[2.172] O die ihr glaubt, esset von den guten Dingen, die Wir euch gegeben
haben,
Und der Prophet (ص) sagte: "Nach den verpflichtenden Aufgaben, ist
es verpflichtend gesetzmäßigen Unterhalt zu verdienen."
Nach der Pflicht des Glaubens ist das die größte Pflicht aller
Pflichten. Das rechtmäßige Verdienen lässt das innerliche Sein
aufleuchten und unrechtmäßiges Verdienen erzeugt Dunkelheit im Herzen.
Die Gnostiker sagen: Wer auch immer sich für 40 Tage mit rechtmäßig
verdienten Dingen ernährt, dem wird Gott sein Herz erleuchten.
Der Grund des Weges der Verdorbenheit der Menschen dieser Welt, ist ihre
Achtlosigkeit in dieser Angelegenheit, sowie der Mangel an
Enthaltsamkeit von unrechtmäßigem und zweifelhaftem Essen. Der Gesandte
Allahs (ص) sagte: "Das Kriterium der Religion sind Frömmigkeit und
Gottesfurcht, und der Glaube wird aufgrund von Gier verdorben."
Hier enden die äußerlichen Disziplinen für den Salik. Es gibt jedoch
ebenfalls viele innerliche Disziplinen, welche durch Menschen des
spirituellen Weges befolgt werden.
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[1] Was nicht bedeutet, man solle den ganzen Tag nichts tun außer beten,
sondern man muss sich auch um seinen Unterhalt kümmern und Zeit mit der
Gemeinschaft verbringen.
IV. Über die innerlichen Disziplinen dieser Reise
Die erste Disziplin
Zuerst muss man seine Seele überwachen. Das bedeutet, der Salik sollte
immer über sein Herz wachsam sein. Er sollte es nicht mal für einen
kleinen Moment vernachlässigen, denn sonst unterliegt er seinen
diesseitigen Begierden und satanischen Verlockungen. Er sollte sich
selbst als von Allah beobachtet betrachten, wie es im Quran heißt:
[4.1] Wahrlich, Allah wacht über euch.
Der Prophet (ص) sagte: "Gott betrachtet eure Herzen und eure
Handlungen, nicht euer offenkundiges Verhalten und eure weltlichen
Zugehörigkeiten."
Die zweite
Disziplin
Die zweite Disziplin ist der Ausdruck von Bescheidenheit, Armut und
Selbsterniedrigung vor dem Herrn der Welten. Dass man weiß, dass man
bedürftig und abhängig ist von seinem Herrn. Dass man abhängig ist von
Seinem rechtleitenden Licht, Seiner allumfassenden Gnade und dem
Gewähren des Unterhalts durch Ihn, sowie abhängig zum Zeitpunkt des
Todes, so dass das Licht des Islams und dessen Weisheit in unseren
Herzen verbleiben. Selbst im Grab benötigen wir Ihn, so dass wir fähig
sind auf die Fragen durch Munkar und Nakir zu antworten. Wir sind von
Allah abhängig und zwar jede Sekunde und daran müssen wir denken, wir
müssen uns unserem Herrn ergeben und hingeben und Ihm dienen.
Die dritte
Disziplin
Die dritte Disziplin ist die Tawbah (Reue) und Buße, aufgrund jeglicher
Sünden und Fehler die wir begangen haben. Bzgl. Prophet Sulayman (ع),
sagte Allah (swt): "Er war ein guter Diener, da er reumütig war."
Allah (swt) sagte das gleiche auch über den Propheten Ayyub (ع). Daher
ist es wichtig, dass wir unsere Seele durch die Reue reinigen. Erst wenn
unsere Seelen gereinigt sind, werden wir uns in Richtung Zufriedenheit
und Liebe Allahs bewegen können.
Die vierte Disziplin
Die vierte Disziplin ist die Hingabe (taslim) zur Anweisung Gottes, dem
Erhabenen. Taslim bedeutet sich Allah hingeben und zwar mit beiden, mit
dem Herzen und dem Körper, welche unter Seiner Führerschaft sind. Ein
Besitz seinem Besitzer hingeben ist eine der Grundbedingungen der
Unterwerfung. Der Besitzer hat das Recht sein Besitz zu kontrollieren
und es ist Ihm überlassen, ob Er seinen Diener am Leben lässt oder ihn
tötet, ob Er ihn krank macht oder seine Gesundheit wahrt, ob Er ihn
reich macht oder arm. Außerdem sollte sich der Salik nie gegen den
Willen Allahs erheben.
Die fünfte Disziplin
Die fünfte Disziplin ist Rida (Zufriedenheit), d.h. die Akzeptanz
des göttlichen Willen ohne Zweifel zu bekommen. Der Gläubige verbleibt
geduldig wenn ihn ein Unglück befällt. Der Unterschied zwischen Sabr
(Geduld) und Rida (Zufriedenheit) ist, dass der geduldige
Mensch (sabir) durch seinen Glauben, den Umständen und Schwierigkeiten
mit Geduld begegnet; sein Glaube verbleibt unerschüttert und er beginnt
nicht an Gott oder seiner Gnade zu zweifeln. Er wird nicht von dem Wege
Seiner Dienerschaft abkommen, egal wie groß dieses Unglück ist, sein
Herz verbleibt standhaft. Jedoch der zufriedene Mensch (radi) ist
jener, dessen Herz ständig in einem Zustand der Zufriedenheit und
Glückseligkeit ist. Elend und Reichtum haben keinen Einfluss auf ihn,
was auch immer er von Gott erhält, er sieht es als ein Geschenk und eine
Gnade an. Er genießt das Unheil das ihm auferlegt wurde auf dieselbe
Weise, wie andere Gefälligkeiten genießen würden.
Die sechste Disziplin
Die sechste Disziplin ist ständige Bekümmertheit (Huzn). Der Prophet
(s.9 sagte: "Gott liebt jedes bekümmerte Herz." Gemäß den
Überlieferungen heißt es, dass der Prophet (ص) ständig in einem Zustand
der Einkehr und Bekümmertheit war. Gemäß den 'Urafa' ist jedes Herz, das
frei ist von Bekümmertheit, nichts als Lehm. Wie kann ein Gläubiger
fröhlich sein, während er nicht weiß was in seinem Buch der Taten steht?
Während er nicht weiß ob ihn Glückseligkeit oder Elend nach seinem Tod
erwartet? Er weiß nicht ob sein Gottesdienst und seine Taten angenommen
wurden oder nicht. Er weiß nicht ob seine Sünden vergeben wurden oder
nicht.
Die siebte Disziplin
Die siebte Disziplin lautet gut über Allah (swt) zu denken (Husn al-Zann).
Und Er sagt in einem Hadith Qudsi:
"Ich behandle Meinen Diener gemäß seiner Meinung über Mich, so lasse ihn
welche Meinung auch immer haben."
Daher ist es notwendig für einen Diener Gottes, eine gute Meinung über
Allah (swt) zu haben. Dieser Zustand wird dadurch erreicht, dass man
sich Gedanken über die Eigenschaften und Namen Allahs macht, wie der
Barmherzigkeit und dem Edelmut usw. Wer auch immer die Hoffnung aufgibt
und eine schlechte Meinung über seinen Herrn hat und die Hoffnung in
seine Barmherzigkeit aufgibt, der begeht eine sehr große Sünde.
Die achte Disziplin
Die achte Disziplin lautet, dass man sich nicht vor dem Plan Allahs
sicher fühlen sollte. Allah (swt) sagt.
[7.99]
Sind sie denn sicher vor dem Plan Allahs? Aber niemand kann sich
vor dem Plan Allahs sicher fühlen, außer dem Volk der Verlierenden.
Weiter sagt er:
[35.28] Nur die Wissenden unter Seinen
Dienern fürchten Allah.
Diese Angst und Ehrfurcht entsteht bei dem, der Allahs Eigenschaften der
Herrlichkeit und des Zorns betrachtet. Genau so, wie Allah (swt)
Eigenschaften der Herrlichkeit und Barmherzigkeit aufweist, werden Ihm
auch Eigenschaften des Zorns und der Macht zugeschrieben. Allah (swt)
sagt im Quran:
[11:119]
Wahrlich, Ich will die Hölle füllen mit
Dschinn und Menschen insgesamt
Es heißt in einer Überlieferung, dass Allah der Erhabene zu Adam sagen
wird: "Steh auf und wirf jene in das Höllenfeuer!" Adam wird
fragen: "Wie viele?" Die Antwort wird sein: "999 von jeden
Tausend."
Die neunte Disziplin
Die neunte Disziplin ist Liebe (mahabbah). Dies bzgl. sagt Allah (swt):
[5.54] ...das Er liebt und das Ihn liebt...
Liebe ist die Basis aller Stufen und Tugenden, die
der Diener Gottes zwischen sich und dem Herrn der Himmel und der Erde
schafft, um höhere Stufen bei der Reise (suluk) zu erlangen. Liebe ist
die Frucht des Wissens über die schönen Namen Allahs. Niemand besitzt in
der Welt Schönheit außer Gott. Was auch immer an Schönheit und
Perfektion in den Geschöpfen zu sehen ist, ist in Wirklichkeit ein Teil
der Sonne Seiner Schönheit, ein Tropfen von den Ozeanen Seiner
Perfektion. Wenn man die Schönheit und Perfektion begrenzt, auf die
materiellen Formen und weltlichen Dingen sieht, so muss man wissen, dass
man eingesperrt ist in der diesseitigen Welt und einem die Wirklichkeit
vorenthalten ist. So verdient niemand außer Gott geliebt zu werden, denn
jede Art der Schönheit ist von Ihm abhängig.
Zusammenfassung
Die oben genannten Disziplin sind einige der wichtigsten um die innere
Perfektion zu erreichen, mit denen der Salik seine eigene Seele unter
Kontrolle bekommen kann und somit die Nähe Allahs erreicht.
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