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Das Konzept von Trauergedenkveranstaltungen in Muharram ['Azaa/Azadari]
übersetzt von
Mariam C.

Einer unserer hohen und
einflussreichen Gelehrten sagte einmal:
"Die zwei
stärksten Barrieren (Hindernisse), die viele Menschen
daran hindern, in die Schule der Ahl-ul-Bayt (ع)
einzutreten, sind La'n und Latem (Azadari in Muharram)."
Der La'n (das Verfluchen) wurde schon ausführlich behandelt, daher wird
nun anhand dieses Textes inschallah, die andere Barriere
"Latem/Azadari" analysiert.
Die historische Entstehung übernahm Sayyed Ammar
Nakhshawani (h.), während die gegenwärtige Einordnung
von Scheikh Muhammad al-Hilli (h.) dargelegt wurde. Der
Umgang mit den verschiedenen Ansichten in vielen
gegenwärtigen Diskussionen, insbesondere in
Internetforen, ist ein Zusatz des Übersetzers.
Sayyed Ammar N.:
"Heute abend werdet ihr Sayyed
Ammar in einer defensiven Lage sehen, denn wenn ihr euch
seine Geschichte und seine Karriere anschaut, ist es
nicht möglich seine eigene Auffassung darzulegen. Leider
gibt es dort Personen, die sofern man gegen ihre Ansicht
ist, sie einen "erledigen".
Mehrere Meinungen und Ansichten von verschiedenen
Azadari-Schulen:
Es ist daher bei diesem Thema unerlässlich, dieses so
diplomatisch wie möglich zu präsentieren. Wir schauen
uns daher die Sicht eines jeden Vertreters genau an.
Es gibt da ein Spektrum, welches sagt: "Azadari ist das
wichtigste Prinzip im Islam." Die andere Seite sagt:
"Diese ganzen Bewegungen bringen mich nicht weiter, ich
lerne mehr von Vorträgen."
Eine Ansicht sagt: "Der Ursprung hiervon sind die
Handlungen der Ahl-ul-Bayt (ع)." Die andere Seite
wiederum wird sagen: "Dies hat lediglich einen
kulturellen Ursprung." Dass also die Handlungen während Azadari, ausschließlich kulturell bedingt sind, ohne ein
religiöses Fundament.
Es wird dann entgegengesetzt: "Ja es ist kulturell, ohne
Zweifel, aber die Kultur hat ihren Platz in der
Religion." Hier gegen wird der Einspruch gehoben:
"Solange es nicht der Scharia widerspricht." Man sieht,
wie groß dieses Spektrum der Meinungen und Ansichten in
diesem Bereich ist.
Zweifellos ist Azadari eine Art und Weise, die
Botschaft/Lehre der Imame der Ahl-ul-Bayt (ع) und somit
des Propheten (ص) zu ehren und zu würdigen. Jedes Volk
hat seine Art und Weise ihre religiösen/heiligen Figuren
zu ehren und zu würdigen. Jede Kultur/ Religion hat ihr
eigenes Azadari.
Nehmen wir z.B. den Passionsweg Jesu', der von vielen
Christen begangen wird, um das Leiden Jesu - nach ihrer
Auffassung - zu gedenken. Oft sieht man auch, dass eine
Person Jesus (ع) "nachahmt" und mit einem Kreuz auf dem
Rücken durch die Stadt geht. Azadari ist also keine rein
islamische Angelegenheit, sondern es existiert ebenfalls
in der einen oder anderen Form überall auf der Welt.
Die Frage in unserem Fall drängt sich daher auf: Was ist
die Geschichte des Azadari im Islam, insbesondere in der
Schule der Ahl-ul-Bayt (ع)? Wie hat es begonnen, bzw.
was war der Ursprung? Wir schauen uns also an, was für
Formen von Azadari es gibt und was es unter dieser
Kategorie für Einteilungen gibt.
I. Die historische Entstehung von Azadari
1. Majlis (Sitzung/Versammlung)
Ist dies kulturell entstanden oder religiöser Natur?
Wenn man die Länge des Majlis betrachtet, dann hängt es
sicherlich davon ab. Wenn man von einem kurzen Majlis
ausgeht, so ist der erste Majlis in der Zeit von Adam
(ع) gewesen. Denn in der Schule der Ahl-ul-Bayt (ع)
sind wir davon überzeugt, dass der Prophet Adam (ع) von
der Tragödie um Imam Hussein (ع) wusste. Diese
Tradition setzte sich dann bei allen Propheten und
Gesandten nach Adam (ع) fort.
Nehmen wir z.b. Prophet Zakariya (ع) (Zacharius). Seine
Geschichte im Koran beginnt mit den Buchstaben: Kaf Ha
Ya 'Ain Sad. Als ihm mitgeteilt wurde, dass 'K' für
Karbala steht und was dort geschehen würde, bat er (ع)
Allah um Folgendes:
"Schenke mir einen Sohn, der wie
Imam Hussein (ع) sterben wird und lass mich um ihn
weinen, wie die Menschen um Hussein weinen werden."
Als der Prophet Moses (ع) in seinen "Munajaat"
(Anflehungen) zu Allah versunken war, fragte er Allah,
den Erhabenen:
"O Allah,
durch was (bzw. wieso) hast du die Gemeinschaft des
Propheten Muhammad über die übrigen Gemeinschaften
erhöht/bevorzugt?
Allah, der Erhabene antwortete: "Durch 10 Aspekte:
1. Das Gebet
2. Das Fasten
3. Die Pilgerfahrt
4. Djihad
5. Zakat
6. Das Gute gebieten
7. Das Schlechte verwehren
8. Khums
9. Nahrung spenden (z.B das Opferfleisch an den
Festtagen oder in Muharram)
und 10. Aschura."
Moses (ع) fragte:
"O Herr! Was ist Aschura?"
Allah, der Erhabene antwortete:
"O Moses,
Aschura ist eine Zeit, in der ein gutes Volk über den
Sohn des Propheten weinen und trauern wird, nachdem er
(Hussein (ع) getötet wurde. Aschura, O Moses ist das
Weinen wegen Hussein und das Spenden von Nahrung für
Hussein. Wer auf der Basis der Liebe zu Imam Hussein
Speise spendet und wegen ihn weint, so werde Ich ihn das
Paradies zu seiner Heimstätte machen."
Daraufhin weinte Moses (ع).
Allah (swt) sagte:
"O Moses, bei
meiner Ehre und Würde, es gibt keinen Diener, der
Hussein erwähnt und wegen ihm weint, und sei es auch,
dass eine Träne, die so klein wie die Flügel einer
Fliege oder einer Spinne ist, aus seinen Augen tritt,
dem ich nicht den Lohn von 100 Märtyrern aufschreibe."
Der Majlis als Azadari in kurzer Form begann also mit
dem Propheten Adam (ع) und diese Tradition setzte sich
bei allen Propheten und Gesandten nach ihm fort. Der
Initiator der längeren Majalis wird entweder in Sayyidah
Zeinab (ع) und ihre Rede in Kufa gesehen oder in Imam as-Sajjad
(ع) und seine Rede in Scham.
2.
Gedichte als Azadari
Was den Inhalt (Zusammensetzung) eines Majlis betrifft,
gerade im Hinblick auf die poetischen Worte, sieht man
den Ursprung bei Umm Kulthum, als sie mit ihrer Familie
als Gefangene von Karbala nach Scham ging. Daher fügt
man bei Majalis stets Gedichte ein, die vom Geschehen in
Karbala erzählen. Außerdem wird in der Schule der Ahl-ul-Bayt
(ع) das Weinen als Bestandteil eines Majlis gesehen.
Hier sieht man den Ursprung bei den Propheten und den
Engeln insgesamt. Der Imam sagt in Ziyarat Nahiya:
"Gegrüßt sei der, um den die Engel der Himmel weinten."
3. Weinen als Azadari
Der geschichtlicher Ursprung im Weinen um Hussein (ع),
findet man bei den Engeln, den Propheten und Gesandten,
und beim Propheten Muhammad (ص) selbst. Dabei bezieht
man sich auf ein bekanntes Ereignis: Als der Prophet
einmal weinte, fragte ihn seine Frau Umm Salama nach
dem Grund und er (ص) berichtete ihr dann von den
Geschehnissen in Karbala.
4. Veränderung der Stimme beim
Vortragen der Masa'ib (Tragödien)
Hinsichtlich der Stimme werdet ihr sicherlich vernommen
haben, dass es dort bei einigen Majalis eine Veränderung
gibt. Diese Veränderung der Stimme beim Rezitieren der
Tragödien (Masa'ib) ist mehr eine arabische Art und
Weise, weniger eine Indopakistanische.
Beim Letzteren rezitiert der Vortragende ohne
Veränderung der Stimmenlage weiter, nur dass er ein
wenig
seine Stimme hebt. Das hängt damit zusammen, dass Imam
as-Sadiq (ع) einmal einen Vortragenden, der in
seinem Majlis gerade die Tragödien (Massa'ib) erwähnen
wollte, anwies:
"Trage vor, in der Art und Weise,
wie es die Menschen im Irak tun."
Denn diese Art der Tragödien lässt uns weinen, daher
vernehmt ihr diese Veränderung der Stimme (singend,
klagend), dessen Ursprung im Hadith von Imam Jaafar
as-Sadiq (ع) zu finden ist.
5. Matam [ar. Latm] als Azadari
Bezüglich des historischen Ursprungs des Matam (Auf die
Brust schlagen): Es wird überliefert, dass der Ursprung
von Matam nach dem Tode des Propheten Muhammad (ص) zu
datieren ist. In dem Buch "Al-Bidaya wal-Nihaya"
wird überliefert, dass, als der Prophet starb, seine
Frauen sich selbst auf deren Gesichter schlugen. In
Bezug auf Imam Hussein (ع) so wird berichtet, dass es direkt
nach dem bzw. während dem Massaker von Karbala begann.
Dies entnehmen wir wiederum aus der Ziyarah von Nahiya
Muqaddasa. Lasst mich erklären, was Nahiya ist. Ziyarat
Nahiya ist die Version der Ziyarah von Imam Mahdi (ع).
Wir sehen mit dieser Ziyarah die Geschehnisse von Karbala
aus der Sicht Imam Mahdi's (ع). Nahiya bedeutet der
heilige Ort.
Eine der Überlieferungen besagt, dass es das Haus von
Imam Askariy (ع) sei. Viele der Hadith-Gelehrten
stufen diese Ziyarah als authentisch ein. In dieser
Audienz beschreibt der Imam wie die Frauen sich selbst
auf die Gesichter schlugen, als sie sahen, was mit Aba Abdillah
(ع) geschah:
"[…]In der Zeit gallopierten die Feinde in Richtung
deines Zeltes, wiehernd und weinend. Als die Frauen dein
bestürztes Pferd sahen und dein Sattel darauf verdreht,
kamen sie von ihren Zelten hinaus mit zersaustem Haar
und schlagend auf ihre nackten Wangen. Sie riefen nach
dir, klagend und heulend, sie wurden gedemütigt, nachdem
sie geehrt wurden, eilend zum Ort, wo du verwundet
gelegen hast.[…]
Der Ursprung des Latem bzw. des Schlagens eines
Körperteils entstand also in Karbala. Außerdem wird
überliefert, dass Sayyidah Zeinab (ع) sich selbst an
drei von einander getrennten Anlässen schlug. Nach zwei
verschiedenen Büchern "Al-Bidaya-wal-Nihaya" und "Al-Imama-wal-siyasa"
werden die drei Anlässe erwähnt, in denen Sayyidah Zeinab
sich selbst schlug.
Eine Überlieferung sagt, dass Sayyidah Zeinab (ع) sich
selbst schlug, als sie hörte, dass die Feinde das Zelt
Imam Husseins attackieren wollten. Sie ging zu Imam
Hussein (ع) und fragte:
"Was ist dieser Lärm vor unseren Zelten?"
Der Imam (ع) antwortete:
"Ich sah den Propheten (ص) in meinem Traum, der mir
berichtete, dass sie mich morgen erreichen werden."
Als Sayyidah Zeinab (ع) dies vernahm, begann sie sich auf ihr
Gesicht zu schlagen.
Die zweite Überlieferung besagt, dass Sayyidah Zeinab
(ع) sich auf ihr Gesicht schlug, als sie die letzen
Worte ihres Bruders Imam Husseins hörte. Die dritte
Überlieferung sagt uns, dass Sayyidah Zeinab (ع) sich
selbst auf ihr Gesicht schlug, als sie die heiligen
Körper auf dem Boden Karbalas sah. Matam begann also
mit den Gefährten Imam Husseins direkt nach Karbala.
6.Jaloos [Marsch] als Azadari
Jaloos als Azadari hat seinen Ursprung in der Reise der
Familie und der Gefährten Imam Husseins von Karbala nach
Kufa nach Scham zurück nach Karbala und schließlich nach
Madina. Dieser Marsch steht für die Demonstration gegen
Tyrannei. Jaloos als Azadari beruht also auf den Taten
der Ahl-ul-bayt (ع) und besteht bis heute noch fort.
7. Zanjeer [Mit Ketten schlagen]
Zanjeer hat nach meiner Meinung (Sayyed Ammar) kein
Fundament in den Handlungen der Imame der Ahl-ul-Bayt
(ع). Warum Zanjeer nun als kultureller Brauch als
Azadari entstand, so gibt es hierfür mehrere Ansichten
der Gelehrten.
Eine Ansicht sagt, dass Zanjeer seinen Ursprung bei Imam
Sajjad (ع) hat. Denn als dieser von Karbala nach Kufa
nach Scham in Fesseln mit der Familie Husseins ging,
wurde er von den Feinden gepeitscht. So ahmen die
Menschen diese Handlung nach, um ihn zu ehren bzw. zu
würdigen.
Die zweite Ansicht besagt, dass Zanjeer als Azadari
seinen Ursprung in der Tawaboon (Bereuenden) Bewegung
hat. Diese Menschen waren aus verschiedenen Gründen
nicht in Karbala, so dass die Tragödie Karbalas sie
veranlasste tiefe Reue zu empfinden und sie sich schworen, Rache zu nehmen.
Einer von ihnen war Mukhtar al-Thakafi (r), der zu der Zeit
im Gefängnis festsaß. Andere waren versunken im
Diesseits und wiederum andere konnten es sich nicht
vorstellen, dass man den Enkelsohn des Propheten (ص)
töten würde. Diese tiefe Reue nach Karbala ließ sie
große Schuld empfinden. Daher geißelten sie sich selbst.
Da es einige Zeit (Jahre) nach Karbala geschah, wurde
es schließlich als eine traditionelle Zeremonie nachgeahmt.
Ihren Höhepunkt der Prominenz erreichte es in der Zeit
der Safawadin im Iran und in der Türkei. Und heute
besteht dies fort, auch in der arabischen Welt und im
indopakistanischen Kontinent.
8. Qama Zani/Tatbeer [Mit dem Schwert auf dem Kopf
schlagen]
Die Leute die Qama Zani/Tatbeer (arab.) praktizieren,
sich also mit einem scharfen Gegenstand auf den Kopf
schlagen, argumentieren mit einer Überlieferung über
Sayyidah Zeinab (ع) auf ihrem Weg von Karbala nach
Scham. Sie sagen, sie sei die erste Person, die Tatbeer/Qama
Zani praktiziert hat.
Die Überlieferung besagt, dass als Sayyidah Zainab den
Kopf Imam Husseins (ع) in Kufa vorgeführt sah, schlug
sie ihren Kopf gegen eine stählerne Säule des "Käfigs",
in dem sie saß. Dies verursachte bei ihr eine enorme
Wunde und einen starken Blutverlust. Daher sagen jene,
die Qama Zani praktizieren, "wenn Sayyidah Zeinab
(ع)
ihren Kopf verwundete, als sie den Kopf ihres Bruders
sah, so ist es für uns ebenfalls erlaubt mit einem
ähnlich scharfen Gegenstand gegen unseren Kopf zu
schlagen".
Bei all diesen Formen findet ihr ein breites Spektrum
von Argumenten, um das Fundament dieser Praktiken auf
das Handeln der Ahl-ul-Bayt (ع) zu stützen.
Dort wo sie kein entsprechendes Fundament finden, führen
sie einige Indizien aus dem Koran an.
Sie sagen, Allah verbietet im Koran nicht, dass man
seine Gefühle zeigt. So zum Beispiel die Frau Ibrahims
(ع), Sarah:
[51:29]
„Da kam seine Frau heran, scheu, und sie schlug ihr
Angesicht und sprach: «Ein unfruchtbares altes Weib!?"
Sarah, die Frau des Propheten Ibrahim (ع), konnte keine
Kinder gebären, so dass sie ihren Mann empfahl Hagar zu
Frau zu nehmen. Hagar gab Ibrahim, Ismail. Später in
einem sehr hohen Alter gewährte ihr Allah schließlich
den Segen der Mutterschaft. Der Koran beschreibt ihre
Reaktion, nachdem sie davon erfahren hat, wie im obigen
Vers ersichtlich ist.
Diejenigen, die auf diesem hohen Level ihre Gefühle
zeigen, sagen sich also, wenn Allah die Frau und Mutter
eines Propheten nicht tadelt, als sie auf diese Weise
auf die Nachricht über die Mutterschaft reagiert, wieso
sollte uns dann Allah tadeln, wenn wir auf diese Weise
den Enkelsohn des Gesandten Allahs (ص) ehren. Das ist
ein Vers, den sie verwenden.
Der andere Vers ist der über Prophet Yaqub (ع). Der
Grund, warum sie diesen Vers verwenden ist, dass Imam Sajjad
(ع) diesen Vers selbst als Argument für das
Zeigen der Gefühle anführte.
Ihr wisst sicherlich, dass Abu Hamza al-Thumali (r.) zu
unserem 4. Imam kam und ihn fragte:
"O Sayyedi, wieso weint ihr noch so viele Jahre nach
Karbala?" Der
Imam antwortete:
"Prophet Yaqub weinte um Yusuf, bis er erblindete. Und
du erwartest von mir nicht zu weinen, wo ich doch eine
solche große Anzahl meiner Familienmitglieder an diesem
Tag verloren habe?!"
Ein Prophet Gottes ist der Gipfel der Kontrolle über
Emotionen. Sie sind unsere Vorbilder. Wenn ein Prophet
Gottes, so stark weinen kann, bis er sogar erblindete,
nicht dass seine Augen nur geschwächt waren oder er sich
eine Augenkrankheit zugezogen hatte, denn erst als man
ihm das Hemd Yusufs gab, kehrte seine Sehkraft zurück,
wie es im Koran beschrieben wird. Wenn er also auf diese
Weise blind wurde, aufgrund seiner Liebe zu seinem Sohn,
wieso soll man dann diejenigen tadeln, die aufgrund der
Liebe zur Ahl-ul-Bayt(ع) zu Imam Hussein (ع) in
ähnlicher Weise ihre Liebe kundtun?
Eine weitere Ansicht sagt, dass der Prophet selbst niemanden getadelt hat, der sich selbst Schaden aufgrund
von Trauer zufügte.
Sie führen dann das folgende Geschehnis mit einem
Gefährten des Propheten (ص) an: Es gab mal einen
Gefährten namens Uways al-Qarani (r.), sein Grab ist in
Scham. Dieser Gefährte hat den Propheten nie gesehen.
Er lebte nämlich im Jemen und immer wenn er den
Propheten besuchen wollte, war es ergebnislos.
Seine Mutter war stets dagegen, bis er einen Brief an
den Propheten schrieb, in dem er ihm (ص) seinen Umstand
schilderte. Der Prophet (ص) ließ ihn mitteilen:
"Mich zu
besuchen ist Sunna. Der Gehorsam gegenüber der Mutter
ist Pflicht (wajib)."
Irgendwann erlaubte die Mutter es ihm und ging nach
Madina. Als er dort war, sagte man ihm, der Prophet sei
in Uhud. Er fragte:
"Wie sieht es gerade mit dem
Propheten aus?"
Sie sagten:
"Seine Zähne wurden gerade
gebrochen in Uhud."
Als er dies hörte, holte er einen Stein und schlug sich
gegen seine Zähne. Als der Prophet (ص) zurückkehrte
sagte er:
"Ich rieche den Duft des
Paradieses. War Uways al-Qarani hier?"
Er sagte dann:
"Uways Al-Qarani wird so vielen Menschen Schafaa
(Fürsprache) gewähren, wie die Angehörigen der zwei
größten Stämme, Rabia und Mudhar, in Arabien."
So wird gesagt, wenn der Prophet (ص) selbst derartiges
Verhalten nicht verboten hat, wieso verurteilt man dann
unseren Azadari?
[22.32] "Das (ist so). Und wer die Zeichen Allahs
(Scha'aer Allah) ehrt - das rührt wahrlich von der
Rechtschaffenheit der Herzen her."
Er stand in einem unfruchtbaren Land, einer Gegend ohne
Vegetation. Er war mehr als hundert Jahre alt. Er
wartete sehnsüchtig auf seinen Sohn. Der Befehl Allahs
wurde empfangen:
[2:125] „Und als wir das Haus zu einem
Ort des Wiederkommens für die Menschen gemacht haben,
und einem Ort der Sicherheit, - und nehmt euch die
Stätte Ibrahims als Gebetsplatz - und wir haben mit
Ibrahim und Ismail die Abmachung getroffen, dass sie
Mein Haus reinhalten für die Umschreitenden und die sich
Aufhaltenden und die sich Beugenden, Niederwerfenden."
Er erfüllte diesen Befehl. Am nächsten Tag verkündete
er die großartige, besondere Mission. Sie sollten die
Wallfahrt verrichten.
[22:27] "Und verkündige den
Menschen die Pilgerfahrt: Sie werden zu dir kommen zu
Fuß und auf jedem hageren Kamel, auf allen fernen
Wegen,[…]"
Ibrahim sollte diesen Befehl also verkünden, dass die
Menschen die Pilgerfahrt zum Hause ihres Herrn
vollziehen sollten.
Er sprach zu Allah, um ihn herum waren nur wenige
Menschen. Wie soll diese Verkündung die Menschheit
erreichen? Allah antwortete:
"Dir wurde (nur) auferlegt zu verkünden (Minnka
an-Nida), Wir (aber) übernehmen die Verbreitung (Wa
Minna at-Tabligh)."
Am Tage Aschuras, als Aba Abdullah (ع), nachdem er die
größte Tragödie in der Menschheitsgeschichte mit eigenen
Augen sah, auf dem Sande Karbalas stand, was tat
er? Er rief:
"Gibt es denn keinen der uns hilft?"
Für wen war der Ruf? War diese Verkündung für die
feindselige Armee? Oder für seine quantitativ
unterlegene Familie? Der Ruf an diesem Tag war für alle
kommenden Generationen bis zum Tag der Auferstehung.
Jede Person mit einer Mission plant präzise ebenso die
Folgen dieser Mission und ihre Wirkung. Man wird nicht
durch mangelndes Wissen bzw. durch Unachtsamkeit, was
die Konsequenzen danach betrifft, nachlässig. Imam
Hussein (ع) plante achtsam und sorgsam die Revolution
und den Widerstand. Er erhob sich gegen die
Ungerechtigkeit, die Tyrannei.
Heute vibrieren seine Worte auf der ganzen Welt. Sie
sind eine Quelle der Inspiration für viele Gläubige, für
mich und für dich. Und für diejenigen, die Tyrannei und
Ungerechtigkeit praktizieren, erzeugen sie (die Worte)
eine Furcht im Herzen. Imam Hussein (ع) opferte, was er
besaß, nicht nur für seine Familie und nicht nur
Wohlstand etc. und auch nicht nur alles, was er
begehrte. Sondern er plante (auch) für das "Danach"
seiner Revolution. Und diese Verkündung (Gibt es denn
dort keinen Beschützer?) erreicht uns heute noch und
wird bis zum Tage der Auferstehung Generation für
Generation erreichen, durch die Prozessionen des Azadari!
Dies ist die Signifikanz des Gedenken an Imam Husseins
(ع). Heute weinen wir und lamentieren und es gibt
keine Region in dieser Welt, die nicht gedenkt und
aufsteht und
"Ya Hussein!!!"
ruft.
Ein guter Freund von mir ist einmal in Muharram wegen
Vorträgen nach Finnland gefahren und erzählte mir
folgendes:
Nachdem sie die Majalis beendet hatten, wollte er gerne
ein wenig das Land sehen, die Berge und die Städte. Er
wurde begleitet von einigen Personen und einmal als sie
durch das Land fuhren und er in der Schönheit der
Landschaft und der Berge versank, entdeckte er drei,
vier
Häuser in mitten dieser Berge ganz oben. Er blickte
genauer hin und sagte: Bei Allah, - und ich glaube ihm -
eines dieser Häuser hatte eine Flagge auf der Spitze des
Hauses wehen, worauf stand
"Ya Abal-Fadl al-Abbas".
Dies ist, wie Hussein ibn Ali (ع) die Herzen und die
Gedanken von unzähligen Menschen Generation nach
Generation bis zum Tag der Auferstehung, besetzt hat.
Wie? Wie hat er dies getan? Durch die Prozession von Azadari, was eingeführt wurde von seiner Schwester
Sayyidah Zaynab (ع), dem Berg der Standhaftigkeit und
seinem Sohn, Imam Ali Zayn-ul-Abideen (ع).
Die Unterstützung und die Ermutigung der Ahl-ul-Bayt
(ع) für die Ausführung von Azadari kann nicht
ignoriert werden. Wieso? Schauen wir uns doch mal heute
um, und einige Personen kommen mit Missverständnissen
und negativen Urteilen. Sie sagen, wieso müssen wir
weinen und Matam machen? Können wir nicht einfach diese
Geschichte in einem Buch lesen und davon lernen? Ist das
nicht ausreichend? Wie antworten wir darauf?
Die Gelehrten der Philosophie sagen:
Es gibt zwei essentielle Kräfte, die intellektuelle
rationale Kraft und die Kraft unseres Herzens. Manchmal
ist es so, dass unser Verstand ein bestimmtes Konzept
akzeptiert, aber unser Herz sich dem nicht unterwirft.
Der Koran in Sure 22, Vers 19, spricht über die Muschrikeen [Polytheisten], die zwar den Tawhid
(Monotheismus) theoretisch verstanden haben, aber ihre
Herzen sich dem niemals unterworfen haben bzw. niemals
akzeptiert haben.
Wenn wir nun zum Konzept von Imam Hussein kommen, wenn
wir unsere tiefste Loyalität unserem Imam kundtun und
über Azadari sprechen, dann meinen wir die
Synchronisierung von Intellekt und Gefühl, um das zu
verinnerlichen, wofür Imam Hussein steht.
Wenn ich heute nicht mit Herz und Seele im aktiven
Erinnern und Gedenken an Karbala bin, dann wird mich das
nicht so sehr berühren, wie wenn ich lediglich ein Buch
hierzu lese. Das ist die Idee, die dahinter steckt. So
sagen einige Gelehrte, dass wenn man in einem
verschlossenen, dunklen Raum mit einer Leiche
eingesperrt ist, es nicht lange aushalten würde. Denn
wie viele von uns würden das durchstehen? Unser
Verstand sagt uns zwar, dass diese Leiche uns nichts
anhaben kann, aber unser Gefühl, unser Herz ist voller
Furcht. Es ist unabdingbar für ein Individuum, einen
vollständigen und tiefen Glauben zu haben, für ein
bestimmtes Konzept, für eine bestimmte Handlung, dass
der Verstand (Aql) und das Herz (qalb) Hand in Hand im
Sinne dieser Idee gehen.
Nun, wenn ich heute Azadari praktiziere: Was bedeutet es
für dich und für mich? Was bedeutet es, wenn ich
haltlos weine oder irgendetwas als Darlegung meiner
Gefühle tue, wenn ich mit der Hand auf meine Brust haue?
Für mich (Scheikh Muhammad al-Hilli) bedeutet es drei
Dinge:
1. Allah sagt im Koran, dass das Empfinden von Trauer
etwas vollkommen Normales ist. Wenn du nicht weinst,
dann ist etwas nicht ganz ok mit dir?! Wenn du für
deine Familienmitglieder, die bei einem Unfall
davongehen, weinst, wie ist es dann erst für
diejenigen, die Allah uns anwies zu lieben
[Ayat-ul-Mawaddah], zu helfen und zu gehorchen?
2. Was bedeutet es, wenn ich mit der Hand auf meine
Brust schlage? Es bedeutet für mich, dass jedes Mal,
wenn ich auf meine Brust schlage, eine Verkündigung
abgebe, eine Vereinbarung mit Imam Hussein (ع) mache,
was besagt: "O Imam Hussein, Ich als jemand, der den
Lehren der Ahl-ul-Bayt folgt, werde nicht nur weinen und
um die Tragödie in Karbala trauern, sondern ich werde
dafür sorgen, dass diese universellen und göttlichen
Prinzipien und Lehren, die Imam Hussein der Menschheit
verkündetet in meinem leben verinnerlicht werden.
Ich will wer werden? Ein
Botschafter Imam Husseins."
Wenn ich heute auf die Straße gehe, trage ich mit mir
die Botschaft, dass ich ein Husseini bin. Wie Zuheir ibn
al-Qain (r.). Zuheir ibn al-Qain folgte dem Uthmaniy
Mazhab und wollte so wenig wie möglich Imam Hussein
begegnen. Einmal sendete Imam Hussein einen Botschafter
zu ihm. Zuheir ibn al-Qain kam als Uthmaniy und kehrte
zurück als Husseini. Daher, wenn wir weinen und
lamentieren und auf die Brust schlagen, so bestätigen
wir damit, dass wir Botschafter Imam Husseins sind.
3. So wie ich Azadari heute verstehe: Wir weinen,
lamentieren, machen Majalis und Jaloos usw. usf., so
protestieren wir - hiermit - gegen jede Form von Tyrannei,
gegen Ungerechtigkeit in dieser Welt und in der
Geschichte. Wir als Muslime, als Anhänger der
Ahl-ul-Bayt (ع), als Menschen wurden erzogen, diese
universellen Prinzipien und Lehren der Gerechtigkeit
gegen die Tyrannei zu erheben (beleben).
Und für mich, wenn ich auf meine Brust schlage, dann
protestiere ich gegen die Tyrannei am Tage Aschuras und
von diesem Tag bis heute und zum Tag der Auferstehung.
Jede Tyrannei die heute existiert, in Palästina oder
anderswo, ich als Anhänger von Imam Hussein ibn Ali
(ع) bin dagegen! Azadari ist dieser hochgeschätzte
Akt.
Imam Jaafar as-Sadig (ع) sagte:
"Sitzt ihr etwa und sprecht miteinander? Belebt unsere
Angelegenheiten, Allah erbarme sich denen, die unsere
Angelegenheiten beleben."
Ein Gefährte fragte:
"Wie können wir dies tun?"
Der Imam sagte:
"Studiert unsere Lehren und
verkündet sie den Menschen. Denn bei Allah, wenn die
Menschen die Schönheiten unserer Lehren erkennen, dann
würden sie uns folgen."
Unser Imam gibt uns hier eine Garantie, ein sündloser
Imam, der nicht sinnloses spricht. Wir würden also wie
ein Magnet sein, welches zahlreiche Menschen überall auf
der Welt anziehen würde. Das ist der Rang von Azadari!
Azadari an sich und bezüglich dessen, wie wir in Zukunft
damit fortfahren, so erwähnen die Gelehrten folgendes:
Es gibt zwei Arten von Azadari. Und Allah erwähnt diese
Idee, der Scha'aer im Koran, im oben genannten Vers
[22:32]. Scha'aer bedeutet Ausdrücken, ein äußerst
wichtiges Thema/Titel darstellen, der Adhan z.B. ist
eine Scha'eera. Azadari ist eine Form von Scha'eera.
Eine Form des Gedenken an die Tragödie Imam Husseins in Karbala.
Wie fahren wir heute damit fort?
Es gibt zwei Formen, einmal die fixe Scha'eera und die
dynamische Scha'eera. Es gibt einige Scha'aer, die fest
bestimmt sind in der Geschichte, wie das Weinen, der
Matam, Majalis und Jaloos. Es gibt heute jedoch viele
Möglichkeiten entsprechend den jeweiligen Gebieten
insbesondere hier im Westen, um die Botschaft Imam
Husseins an die Menschen vor Ort zu adressieren. Azadari ist nicht nur auf diese Handlungen begrenzt
(Weinen, Matam, Jaloos etc.).
Was wir also heute erstens brauchen sind: Institutionen,
Zentren etc., die die Revolution Imam Husseins
studieren und hinauskommen mit Empfehlungen, Konzepten
und universell akzeptierten Grundwerten, für alle
Menschen, nicht nur für Muslime oder für die Anhänger
Imam Husseins.
Zweitens sollten wir diese zehn Tage in Muharram, bzw. in
Muharram und in Safar insgesamt bzw. im ganzen Jahr als
eine Möglichkeit ansehen, denn Allah der Erhabene hat
uns einen Schatz gegeben, dieser Schatz sind die
Ahl-ul-Bayt (ع).
Wenn wir uns besinnen, dann sehen wir, dass man für
einen Schatz eine Karte braucht. Der höchste Schatz ist
das Paradies und das Erreichen Allahs' Barmherzigkeit
und Vergebung. So brauchst du eine Karte, diese Karte
besteht aus zwei Teilen, Quran und Ahl-ul-Bayt (ع).
Die Mehrzahl der Muslime hat diese Karte entzweit. Sie
halten nur einen Teil in der Hand. Daher können sie auch
nicht den Schatz finden. Gemäß Hadith Thaqalain können
sie nur den Schatz im Zusammenspiel mit Koran und
Ahl-ul-Bayt (ع) finden, wie es uns Allah anwies.
Folglich sollten diese Tage des Gedenkens und der
Erinnerung dazu verwendet werden, um die spirituelle
Entwicklung unserer Gemeinde, unserer Jugendlichen und
unser Selbst zu fördern. Wir sollten diese Möglichkeiten
heute nutzen um diese Werte zu verkünden und zu
verinnerlichen, diesen Schatz sollten wir heute
ausnutzen und uns überlegen, wie wir mit heutigen
Mitteln, diese Husseini Verkündigung an die Menschen
bringen und nicht nur in unseren kleinen Boxen denken
und uns zurückziehen.
Das Thema der Gerechtigkeit ist nun universeller und
aktueller denn je geworden. Selbst die, die unschuldige
Menschen töten, sagen von sich, dass sie für
Gerechtigkeit seien und für die Menschenrechte. Niemand
auf dieser Welt würde daher kommen und sagen, dass
Ungerechtigkeit etwas tolles sei. Wir sollten
darstellen, wie Imam Hussein die Gerechtigkeit in
seiner Revolution manifestiert hat. Es den Menschen
erklären und an sie zu adressieren, die vielleicht noch
nie etwas von Imam Hussein gehört haben.
[Einige
Beispiele: Blutspende Kampagnen organisieren;
Wasserspende (Erhaltungs-)Aktionen; Soziale Dienste
anbieten z.B. muslm. Jugendliche/Kinder in der Schule
unterstützen durch Hausaufgabenbetreuung,
Nachhilfeunterricht; Obdachlosenspeisungen; Essens- und
Kleiderverteilungsaktionen in Flüchtlingsheimen z.B.;
jeder kann ein Husseini Botschafter werden, dazu braucht
man kein Verein oder ähnliches. Schaut einfach wie eure
Gemeinde/Stadt zusammengesetzt ist, wo ihr helfen
könnt und was ihr an Eigenschaften mitbringen könnt. In
Moscheen, karitativen Institutionen, lokale Gruppen,
Vereine, Versammlungen etc. könnt ihr dann eure Hilfe
anbieten. Das sind lediglich Beispiele, wie man direkt
vor Ort in schönster Art und Weise und mit einfachen
Mitteln im Sinne der Revolution Imam Husseins (ع) ein
Husseini sein kann. Dies selbstverständlich neben der
Vermittlung islamischen Wissens durch Aufbau von
Moscheen, Husseiniyas etc. Global denken, lokal handeln.
Iman und Wissen als Fundament. Einladung und Verkündung
durch vorzügliches Verhalten]
Die
Übersetzung dieser Vortäge weicht leicht vom Original
ab und enthält einige Zusätze des Übersetzers [in
Klammern]-
Für
Fehler und Unvollständigkeiten bitte ich Allah um
Vergebung und euch um Korrektur. Alles Gute und
Nützliche, was du nun hiervon mitgenommen hast, ist von
Allah (swt) und alles Schlechte/Fehlerhafte vom
Übersetzer/Verfasser. Gepriesen sei der Herr der Welten.
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