Ayatullah Sayyid Mohammad Baqir al-Sadr (1934-1980)

Berühmt war er für sein außerordentliches Wissen, besonders in der Rechtssprechung und Philosophie. Er rief die Menschen im Irak und weltweit immer wieder zur Rückkehr und Umkehr zum Islam auf. Eine seiner ersten Publikationen war u.a. Falsafatuna (Unsere Philosophie; 1959), 13 a Kritikpunkte am Kommunismus. Sein zweites Werk war „Iqtisaduma“ (Unsere Wirtschaft 1961). Eine Kritik an der kommunistischen Art von Wirtschaft sowie am Materialismus, sowie Darstellung und Begründung für eine islamische Art von Wirtschaft. Auch war er der wohl bis heute Einzige, der es wagte und auch schaffte nach sieben Jahrhunderten die Rechtssprechung nach Muhaqqiq Hilli zu verbessern. Sein Werk hieß „Al Fatawial Wazihah”. Die Partei Hizb Al Dawah wurde von ihm und Mahdi Hakeem im Jahre 1950 gegründet, um gegen die damaligen Parteien im Irak anzutreten. Die Jahre 1964-1968 waren wohl mit die einzigen Jahre, in denen sich Sayyid Baqir und seine Partei voll und ganz auf ihre Ausbreitung sowie auf soziale Aktivitäten wie z.B. den Wiederaufbau des Usul al-Din College in Bagdad im Jahre 1964 konzentrieren konnten.

Danach kam 1968 die Baath Partei an die Macht und somit verschlechterte sich die Situation aller Schiiten im Land dramatisch. Das Regime später unter Saddam Hussein verbot u.a. das Freitaggebet für Schiiten und ließ zahlreiche Gelehrte und Publizisten, die gegen das Regime agierten, verhaften und töten.

Al-Sadr ging zu seinem Cousin Musa al-Sadr nach Libanon, um von dort aus gegen das Regime mobil zu machen. Es wurden Telegramme in die ganze islamische Welt an deren Präsidenten und islamischen Verbände geschickt. Die Resonanz  jedoch war mehr als ernüchternd. Nur Nasser aus Ägypten, Faisal aus Saudi Arabien, Iriyani aus Nord-Yemen, und Jama’at-i Islami von Abu al-A’la Mawdudi in Pakistan gaben eine moralische Unterstützung. Aber niemand handelte.

Al-Sadr kehrte nach Irak zurück. Nachdem auch noch Sayyid Muhsin al-Hakeem verstarb, verschärfte das Bath Regime nochmals seine Haltung gegenüber den Schiiten und versuchte den Einfluss der Hawzas aus Najaf zu unterdrücken. Nicht- Irakische Studenten aus der Hawza wurden ausgewiesen und die restlichen Studenten wurden unter Beobachtung gestellt. (Die meisten Studenten waren Ausländer.) Diese Aktion versetzte die ganze Hawza in ein Chaos. Um Ausländer in der Hawza zu halten, wand er sich an Sayyid al-Khui, damit dieser ein Befehl (hukum) an alle Studenten gab, dass sie dort bleiben sollten.

1977 erließ das Bath Regime eine weitere Erniedrigung gegen die Schiiten, in dem sie die Aschura Prozedur verbot. Das Regime glaubte die Schiiten und Gelehrten besonders nun in Najaf im Griff zu haben. Sie wurden jedoch durch die iranische Revolution, welche aus dem Irak unterstützt wurde, eines Besseren belehrt. Al-Sadr unterstützte mit Briefen das iranische Volk bei dem Sturz des Schahs im Iran, solange Imam Khomeini im Exil in Paris war. Nach seiner Rückkehr sandte er Mahmood al-Hashimi als seine Vertretung in den Iran. Dies verstand die Regierung als eindeutige Provokation. Ebenso rief er alle Araber zur Unterstützung  des Irans auf. Danach verfasste er das Werk al-Islam Yaqwwd al-Hayat (Islam regiert das Leben) Es beinhaltet u.a. Punkte zur Gründung eines islamischen Staates.

Sein nächster Schritt war die Erlassung einer Fatwa, in der er jedem Muslim verbot die Baath Partei zu unterstützen oder ihr beizutreten. Dies war sein Ende. Er wurde unter Arrest gestellt.  Er wusste, dass seine Tage gezählt waren und lies an den damaligen Präsidenten folgende Nachricht übermitteln:

Das Einzige wonach ich mein ganzes Leben lang suchte, war  es eine islamische Regierung auf dieser Erde möglich zu machen. Nachdem es im Iran unter der Herrschaft von Imam Khomeini umgesetzt wurde, macht es für mich keinen Unterscheid mehr, ob ich am Leben oder tot bin, da der Traum, den ich wollte und auf den ich hoffte, sich erfüllte und ich ihn erleben durfte. Gott sei dafür gedankt.

Ebenso ließ er folgende Nachricht an alle Gruppen im Irak übermitteln:

Jeder Muslim im Irak und jeder Iraker im Ausland ist verpflichtet, alles in seiner Macht Stehende zu tun, sich anzustrengen und dafür zu kämpfen, dass dieser Alptraum aus dem geliebten Irak verschwindet, selbst wenn es ihn das Leben kostet, um sich von dieser unmenschlichen Bande zu befreien und um eine rechtschaffene, einheitliche und ehrenwerte Regierung zu gründen, die auf dem Islam basiert.“

Dies war sein  Ende und man verhaftete Sayyid Al-Sadr und seine Schwester Bint al Huda (Amina) und ließ sie nach grausamen Folterungen am 9. April 1980 hinrichten. Dies hat im Westen keine Kritik hervorgerufen, da er öffentlich das islamische Regime im Iran unterstützt hat.

Sein geistiges Erbe ist jedoch nicht verflogen. Es gibt wohl keinen im Irak und der Welt, der sich nicht an ihn erinnern kann. Sein Bruder Sayyid Sadr Sadr wurde ebenfalls mit einigen seiner Söhne hingerichtet. Nach dem Sturz des Regimes, kam nun endlich diese besagte Partei nach den Wahlen an die Macht. Mögen seine Erben ihm gerecht werden.

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von Um Abdel Kareen

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