Die Erläuterung der Rede des Propheten (ص) zum gesegneten Monat Ramadan

– Sayyed Hassan Nasrallah

Vorwort der Übersetzer

Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Sehr-Barmherzigen.
„O die ihr gläubig seid! Vorgeschrieben ist euch das Fasten, genauso wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch da waren, damit ihr fromm seid.“ [2:183]

Im Buch Al-Faqih Band 2 Seite 99 wird von Hafs überliefert, wie er Abu Abdillah (al-Sadiq) sagen hörte: „Es wurde keiner Gemeinde vor unserer im Monat Ramadan das Fasten von Allah vorgeschrieben!“ Ich (Hafs) rezitierte ihm diesen Quran Vers: O die ihr gläubig seid! Vorgeschrieben ist euch das Fasten, genauso wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch da waren.“ Er antwortete: Dies  war  nur den Propheten vor uns vorgeschrieben, nicht deren Gemeinden, Allah hat es nur Mohammad und seiner Gemeinde gütigerweise vorgeschrieben!“

Allah hat uns etwas geschenkt, was er keiner anderen Gemeinde schenkte. Er gab uns die Ehre, die er vor uns nur den Propheten gegeben hatte: Das Fasten. Somit liebe Geschwister des Islams, lasst uns dieses Geschenk in diesem heiligen Monat Ramadan nicht verweigern, denn in diesem Monat sind wir alle zu Allahs Gastfreundschaft eingeladen, und Allah ist der Gastfreundlichste, der Gütigste! Denn Allah (swt) ist es, der uns zur „besten Gemeinde“ für die Menschen machte. Wie es in Sure Al-Omran (3) Vers 110 steht:

„Ihr seid die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand. Ihr gebietet das, was Rechtens ist, und ihr verbietet das Unrecht, und ihr glaubt an Allah!“.

Lasst uns Allah dem Erhabenen in diesem gesegneten Monat dafür danken und Ihn darum bitten, uns Geduld, Stärke und Ausdauer zu schenken, um diesen heiligen Monat durchzustehen und um die „beste Gemeinde“ zu bleiben!

Möge Allah der Erhabene unsere Gebete erhören!

Die Erläuterung von Sayyed Hassan Nasrallah

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Allerbarmers.
Aller Preis gebührt Allah, dem Herrn der Welten, und der ganze Segen auf unseren  Propheten und seiner reinen Familie und seinen rechtgeleiteten Freunden und auf alle Propheten und Gesandten.

In diesen heiligen Nächten versuchen wir unsere Aufmerksamkeit, auf die Bedeutung des Glaubens, des Verhaltens und der Erziehung zu richten, die wir in diesem bedeutungsvollen und heiligen Monat selbst ausleben können und deren Wichtigkeit der Gesandte Allahs Muhammad (ص) in seiner berühmten Rede zum heiligen Monat Ramadan erwähnte. In dieser Nacht werde ich, so Allah will, einen Abschnitt seiner Rede aufgreifen und analysieren. Dieser Abschnitt beinhaltet in Wirklichkeit einen prophetischen Aufruf zum Handeln und ist nicht aus der Sicht der Ermahnung, sondern aus der Sicht der prophetischen Rechtleitung zur Handlung, die wir im heiligen Monat Ramadan erbringen und trainieren müssen, um für die restlichen Monate, Wochen, und Tage des Jahres gewappnet zu sein.

Der Gesandte Allahs (ص) sagt, wie es in dieser Rede überliefert wurde:

[…].“Spendet euren Armen und Bedürftigen, ehrt eure Älteren und erbarmt eurer Kinder, bewahrt die Verbindung zu euren Verwandten, hütet eure Zungen, schlagt eure Blicke nieder vor dem, was anzusehen euch nicht erlaubt ist, hört nicht dem zu, dem zuzuhören euch nicht erlaubt ist und seid liebevoll zu den Waisen der (anderen) Menschen, damit eure Waisen liebevoll behandelt werden. Kehrt euch reuig zu Allah für eure Sünden und erhebt eure Hände zu Ihm mit Bittgebeten während der Zeiten eurer rituellen Gebete (salat), denn diese sind die besten Stunden, während denen Allah der Erhabene und der Offenkundige Seine Diener mit Barmherzigkeit ansieht, ihnen antwortet, wenn sie zu Ihm flüstern, bei ihnen ist, wenn sie Ihn anrufen und ihre Bittgebete erfüllt, wenn sie Ihn bitten. 
Oh ihr Menschen! Wahrlich, eure Seelen sind gepfändet (belastet) mit euren Handlungen, so befreit sie durch eure Bitten um Vergebung. Eure Rücken sind beschwert durch eure Lasten, so entlastet sie durch eure lange Niederwerfung (sudschud). Wisset, dass Allah, erhaben ist seine Erwähnung (Gedenken), bei Seiner Allmacht geschworen hat, die Bittenden und sich Niederwerfenden nicht mit dem Feuer zu ängstigen an dem Tag, an dem die Menschen vor dem Herrn der Welten stehen werden.“[…]

Diesen Abschnitt aus der Rede des Propheten (ص), möchte ich in dieser Nacht analysieren, um mit eurer Anwesenheit in dieser gesegneten Monat zu profitieren, so Allah will.

  1. „Spendet  euren Armen und Bedürftigen“ (Masakin)“

Der Beginn, ein  Appell an die Menschen: “Spendet euren Armen und Bedürftigen (Masakin).“ Ein Punkt, den der Gesandte (ص), in diesem bedeutenden Monat erwähnt, ist die Almosen-Spende. Viele denken, dass die Spende eine Tat der Reichen sei, was natürlich nicht wahr ist. Wenn wir über die empfehlenswerte (al-mustahaba) Spende sprechen, so gilt dies für jeden Menschen, ob reich oder arm, die ein kleines Budget besitzen oder weit aus größeren finanziellen Möglichkeiten haben. Die Spende ist an die Armen und Bedürftigen zu leisten. Die Gelehrten des Islam sagen: „Ein Mensch wird erst dann als arm bezeichnet, wenn er mit all seinen Einkünften seine jährlichen Kosten (z.B.: Medikamentskosten, Schulkosten, Miete… usw.) nicht decken kann.“ Und über die Bedürftigen sagen sie (die Gelehrten: „Ein Mensch wird erst dann als bedürftig bezeichnet, wenn er mit seiner gesamten Tageseinkunft seine Tagesausgaben nicht decken kann. (z.B.: er hat Geld um zu frühstücken aber keins mehr um am Mittag zu essen).“

Dieser Punkt, den der Gesandte Allahs (ص), in diesem heiligen Monat, einen so großen Wert zuschreibt, ist zu jeder Zeit und in jeder Lage empfehlenswert (mustahab). Jedoch wird jede Tat in diesem heiligen Monat höher belohnt als in anderen Monaten, weil in diesem Monat die Tage die wertvollsten Tage, die Stunden die wertvollsten Stunden und die Nächte die wertvollsten Nächte sind. Die Spende sollte täglich abgegeben werden, sei es nur in geringen Maßen. Diese kleine und leichte Tat hinterlässt im Diesseits und im Jenseits große Spuren. Ich werde einige Überlieferungen des Propheten (ص) und seiner reinen Familie (ع) erwähnen, die den großen Segen dieser Tat aufweisen, ohne die ganze Überlieferungskette zu nennen.

Jenseitige Belohnung

Es wird über die Ahl-ul-Bayt (ع) überliefert: „…, dass die Spende am Jüngsten Tag die Erlösung vom Höllenfeuer ist.“ Kurz gefasst, eine Sicherheit vor dem Feuer. In einer anderen Überlieferung heißt es: „Die Spende erlischt für denjenigen, der sie gibt seine Hitze im Grab.“ Denn es heißt in einem anderen Hadith: „Entweder ist das Grab ein Platz des Paradieses oder eine Schlucht des Feuers!“. Weitere Überlieferungen lauten: Die Spende erlischt den Zorn Gottes“. Falls sich dieser Zorn über jemand legt, kann er diesen göttlichen Zorn mit der Spende löschen. „Die Spende wird, für jene,  die sie vollbringen, am Jüngsten Tag zum Schützer vor Gefahren.“ Denn der Mensch wird am Jüngsten Tag vielen Gefahren ausgesetzt sein, mit der Spende kann er dieses vorbeugen. Dies waren nur einige der vielen Überlieferungen, die über die Spende und ihre jenseitige Belohnung und Segen sprechen. Kommen wir nun zur diesseitigen Belohnung der Spende.

Diesseitige Belohnung

Es wird über die Ahl-ul-Bayt (ع) überliefert: Die Spende hält das Unheil fern!“. Ein weiterer Hadith lautet: Die Spende verändert das Schicksal, auch wenn es bereits schon feststeht!“, zu Gunsten des Menschen, der die Spende gibt. Der Prophet (ص) sagte: „Die Spende hält 70 Tore des Bösen von einem fern“, bezüglich des diesseitigen Leben. Mit diesen Toren ist folgendes z.B. gemeint: Das Verbrennen, das Ertrinken, das Einstürzen des Hauses, das Irregehen, die Krankheiten, es heißt sogar: „heilt eure Kranken mit der Spende.“ „Die Spende hält die Armut fern.“ Hierzu wird in den Überlieferungen eine Geschichte über einen unserer Imame (ع) erwähnt: „Es blieb einem unserer Imame, von seinem Vermögen nur 40 Dinar übrig. Dieses gesamte Geld, was er nur noch besaß, spendete er den Armen und Bedürftigen. Nach einer Kurzen Zeit, bekam er 3000 Dinar.“ Man könnte die Spende als ein Handel mit Allah bezeichnen, so wie es im Heiligen Buch steht in der Sure 61 Vers 10-14:  „O ihr, die ihr glaubt, soll Ich euch (den Weg) zu einem Handel weisen, der euch vor qualvoller Strafe retten wird? Ihr sollt an Allah und an Seinen Gesandten glauben und euch für Allahs Sache mit eurem Gut und eurem Blut eifrig einsetzen. Das ist besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet. Er wird euch eure Sünden vergeben und euch in Gärten führen, durch die Bäche fließen, und in gute Wohnungen in den Gärten von Eden. Das ist die große Glückseligkeit. Und noch etwas anderes, das ihr liebt, (wird euch zuteil sein): Hilfe von Allah und naher Sieg. So verkünde den Gläubigen die frohe Botschaft“.*  

Weitere Überlieferungen:

Die geleistete Spende, kommt  erst in die Hand Allahs und dann in die Hand der Armen und Bedürftigen.“ „Die Spende vermehrt das Vermögen.“ Und in einer anderen Überlieferung: Die Spende ist der Schlüssel des Vermögens.“ Das hat Allah und sein heiliger Gesandter (ص) den Spendenden versprochen. Sogar der Vers im Heiligen Koran spricht das an. Sure 9 Vers 103: Nimm Almosen von ihrem Besitz, auf dass du sie dadurch reinigen und läutern (Tuzakihim) mögest. Und bete für sie; denn dein Gebet verschafft ihnen Beruhigung. Und Allah ist Allhörend, Allwissend. Zakat bedeutet im groben ausgedrückt „Bereinigung“, aber andererseits versteht man darunter „Vermehren“. Egal wie groß eure Möglichkeiten sind, spendet kontinuierlich auf dem Weg Allahs. Ihr werdet die Auswirkungen eurer Spende im Dies- und Jenseits spüren.

2. „Ehrt eure Älteren und erbarmt eure Kinder“

Ehrt eure Älteren, bedeutet: Respektiert sie, erkennt ihre Rechte an, lernt sie zu schätzen. Wenn wir im Beisammen sitzen und Ältere den Raum betreten, so stehen wir auf und erweisen ihnen die Ehre vorne zu sitzen. Wenn sie sprechen, hören wir ihnen zu. Erst wenn sie leise sind, sprechen wir. In ihrer Anwesenheit erhöhen wir unsere Stimme nicht. Wir sprechen nicht verletzend mit ihnen.

Der heilige Prophet (ص) lehrt uns dieses Verhalten gegenüber den Älteren und den Jüngeren. Der Prophet (ع) sagte zu Anas: Oh, Anas, erbarme die Jüngeren und ehre die Älteren, so wirst du zu meinem Freund!“ „Eine der Taten, die man beachten muss um ein Freund des Propheten (ص) zu sein, ist es sich den Jüngeren zu erbarmen und die Älteren zu ehren. Wer sich der Kleinen nicht erbarmt und die Rechte der Älteren gegenüber sich selbst nicht beachtet, gehört nicht zu uns (Ahl-ul-Bayt)!“ Dieses Verhalten ist für uns von großer Bedeutung, vor allem in unserer heutigen Zeit, in der die westliche-materielle Bildung die „wahren“ Verhaltensweisen mit ganz anderen Maßstäben betrachtet. Man spricht heutzutage über den Wert des Menschen, wobei sie die wirklichen und wichtigen Werte des Menschen nicht erwähnen, so dass die menschlichen Werte mit dem Vermögen und der Macht des Einzelnen verbunden werden. Umso mehr Vermögen und Macht man besitzt, desto mehr Wert hat ein Mensch. Genau das will der Islam vermeiden. Jeder Mensch hat die gleichen Werte. Wenn einer älter ist, arm und keine Macht besitzt, ist es unsere Pflicht ihn zu würdigen und ihn zu ehren wie jeden anderen Älteren. Unser Gesandter Allahs (ص) will uns im Monat der Barmherzigkeit“, Barmherzigkeit lehren, denn unsere Religion ist die Religion der Barmherzigkeit. Heute erweckt man den Eindruck, unsere Religion sei eine Religion des Tötens und Schlachtens. Ist das nicht das Bild, dass uns die Medien über unsere Religion präsentieren? Einer unserer großen Gelehrten sagte: „Wenn man unsere Religion mit einem Wort ausdrücken will, so würde man von der Religion der Barmherzigkeit sprechen.“ Unser Prophet (ص) sagte: Wer nicht barmherzig ist, wird keine Erbarmung erhalten.“ Wenn ihr von Allah Erbarmung erwarten wollt, müsst ihr eure Mitmenschen erbarmungsvoll behandeln und wenn ihr die Erbarmung der Menschen erwartet, müsst ihr barmherzig sein. Der Prophet (ص) sagte: Wer nicht verzeiht, dem wird nicht verziehen.“ Wir alle haben Sünden, die wir in diesem heiligen Monat von Allah verziehen bekommen möchten. Damit unser Wunsch wahr wird, müssen wir denen verzeihen, die uns Schlechtes angetan haben, sei es nun der eigene Bruder, die Verwandten, die Nachbarn oder die Freunde. Man sollte zu dieser Person sagen: „Ich habe dir alles verziehen!“ Eine weitere Überlieferung des Propheten (ص) lautet: Verwunderlich ist derjenige, der die Barmherzigkeit des über ihm stehenden erbittet, aber demjenigen, der ihm gegenübersteht keine Barmherzigkeit schenkt.“ Somit verzeiht, dann wird euch verziehen und seid barmherzig, damit Allah euch mit euch barmherzig ist.

  1. „Bewahrt die Verbindung zu euren Verwandten“

Dies gehört zu den Pflichten eines jeden Menschen und das Unterlassen dieser Pflicht, ist eine große Sünde. Zu den Verwandten gehören: Vater, Mutter, die Kinder, Brüder, Schwestern, Neffen, Nichten, Onkel, Tanten, Cousinen, Cousins, Opa, Oma usw. Einige Überlieferungen besagen, dass das Mindeste, was unter einer Verbindung zu den Verwandten zu verstehen ist, der Gruß ist. Der heilige Prophet Muhammad (ص) sagt: Bewahrt die Verbindung zu euren Verwandten, sei es nur mit dem Gruß.“ In unserer heutigen Zeit ist es viel leichter geworden diese Verbindung zu den Verwandten weltweit aufrecht zu erhalten. Über Imam as-Sadiq (ع) wird überliefert: Bewahrt eure Verbindungen zu euren Verwandten, sei es nur mit einem Schluck Wasser“. „Die beste Art einer Verbindung zu den Verwandten ist es, ihnen kein Leid zu zufügen“. Füge deinen Verwandten kein Leid zu und du hast die beste Verbindung zu ihnen gehalten. Das Minimum liegt bei einem Gruß, aber was darüber hinaus geht ist euch frei gestellt, dass ihr ihnen Almosen-Spende gibt, dass ihr sie regelmäßig besucht, bei Krankheit besucht, an ihrer Trauer teilnehmen, an ihre Freude teilnehmen, ihnen bei Seite stehen, ihnen eine Arbeit ermöglichen, ihre Schulden begleichen, alles was das Wohlergehen und die Freude in ihre Herz bringt.

Ich werde hierzu wieder einige Überlieferungen über den Gesandten Allahs (ص) und seiner reinen Familie (ع) ansprechen, die den Segen dieser Tat ans Tageslicht bringen. Es wird über sie überliefert: Die Verbindung zu euren Verwandten, erleichtert und beschleunigt euch euer Gericht am Jüngsten Tag!“. „Die Verbindung zu euren Verwandten erleichtert euch die Todesstunde (während die Seele aus dem Körper genommen wird)!“ ,das Entnehmen der Seele aus dem Körper des Menschen, durch Engel, wird dem Menschen sehr viel Angst bereiten „Die Verbindung zu euren Verwandten, ist Zakat für eure Taten!“, wie schon erwähnt, Zakat bedeutet Bereinigen und Vermehren. Eure Taten werden somit bereinigt und vermehrt. „Die Verbindung zu euren Verwandten, vermehrt euer Vermögen!“, nicht denken, dass eine Essenseinladung an meine Verwandte, mein Vermögen sinnlos beeinträchtigen wird, im Gegenteil, es vermehrt sie. Es ist empfehlenswert (mustahab), wenn es denn nötig ist, die Almosen-Spende erst den Verwandten zu geben, denn somit hat man zwei Sachen zur selben Zeit gemacht: Die Almosen-Spende und die Verbindung zu den Verwandten erbracht.

„Die Verbindung zu euren Verwandten hält das Unheil von euch fern!“ „Die Verbindung zu euren Verwandten verlängert das Leben!“ „Die Verbindung zu euren Verwandten verbessert euren Charakter, vertreibt die Armut und bringt einen würdevollen Tod (falls der Tod bevorstehen sollte).  Die Verbindung zu euren Verwandten verlängert das Leben und im Gegensatz dazu verkürzt es das Leben. Die Verbindung zu euren Verwandten hält das Unheil von euch fern und im Gegensatz dazu bringt es das Unheil zu euch. Die Verbindung zu euren Verwandten vermehrt euer Vermögen und im Gegensatz dazu verringert es das Vermögen usw. Und in derselben Rede des gesegneten Propheten (ص) sagt er:Allah wird demjenigen seine Gnade erweisen am Tag, an dem er Ihn trifft, der in diesem (Monat) die Verbindung zu seinen Verwandten bewahrt!“, gibt es etwas Größeres und Gewaltigeres als das? Wenn Allah der Erhabene am jüngsten Tag jemandem seine Gnade erweist, was bedeutet dies für denjenigen? Dass er ins Paradies kommt! Die Belohnung, der Verbindung zu seinen Verwandten in diesem heiligen Monat ist gewaltiger als in einem anderen Monat, denn der Lohn dafür ist das Paradies! Und im Gegenteil dazu, wenn man keine Verbindung zu seinen Verwandten aufbaut, sagt der Gesandte Allahs (ص) in seiner Rede: Von demjenigen aber, der in diesem (Monat) die Verbindung zu seinen Verwandten abbricht, wird Allah Seine Gnade zurückhalten am Tag, an dem er Ihn trifft.“ Und das ist der größte Verlust! Was bedeutet es, wenn eine gesamte Familie zusammen hält und aufeinander aufbaut? Wenn man heutzutage die ganzen Studien in den westlichen Zivilisationen überblickt, die über Vergewaltigungen, Drogensucht, Selbstmorde, Scheidungen u.s.w. gemacht wurden, so erkennt man eine steigende Anzahl in den letzten Jahren. Dies ist das Resultat der Streitigkeiten innerhalb der Familien. Würde man sich in der Familie gegenseitig respektieren, helfen, unterstützen, lieben, immer für einander da sein, vor allem in schwierigen Situationen, so würde man einen großen Wandel auf unserer Erde beobachten. Meistens ist es so bei uns gläubigen Menschen, wenn einer von uns nach den Richtlinien des Islam leben will (Multazim), so will er nichts mehr von seinen Verwandten hören und wissen, die nicht nach den Richtlinien des Islam leben, oder die einen anderen politischen Hintergrund haben als er. So verlässt er seine Familie und bleibt mit Gleichgesinnten zusammen. Das ist nicht richtig! Wenn du deine Familie liebst und ihnen gönnst, dass sie auch auf dem richtigen Weg kommen, so musst du mit ihnen in Verbindung bleiben und sie besuchen, ohne dass ihr euch über eure Denkweise, Ideologie oder politischen Aspekte streitet. Dein vorbildliches Benehmen ihnen gegenüber, lassen sie deine Denkweise und Ideologie annehmen. Deswegen haben die Ahl-ul-Bayt (ع) immer gesagt: „Führt (die Menschen) zu uns ohne eure Zunge! Seit das Vorbild von uns (Ahl-ul-Bayt) und nicht die Schande von uns!“

Dein Verhalten alleine reicht aus, um ihnen dein wahres Bild zu präsentieren, einer der nach den Richtlinien des Islam lebender gläubiger und gottesfürchtiger Mensch, dies wird deren Eindruck über dich sein. Das Nutzen der Verbindung zu unseren Verwandten ist zu groß, um es jetzt in dieser kurzen Zeit zu verdeutlichen. Mein Rat an alle Brüder und Schwestern ist: Lasst uns die Gelegenheit in diesem gesegneten Monat Ramadan nutzen, um die Missverständnisse und Feindseligkeiten zwischen uns und unseren Verwandten zu beseitigen, auch wenn uns Unrecht getan wurde. Lasst uns denen verzeihen, die uns Unrecht getan haben, damit Allah uns verzeiht und vergibt. Lasst uns die Verbindung zwischen uns und ihnen bewahren, damit Allah der Gnädige uns mit seiner Gnade verbindet, an dem Tag an dem wir zu Ihm zurückkehren.

  1.  „Hütet eure Zungen“

Im Ramadan neigt der Fastende eher zum Schweigen als zum Reden. Das Fasten unterstützt folglich die Schweigsamkeit. Wenn nun unser seelischer Zustand unsere Schweigsamkeit unterstützt, so bleiben wir ruhig. Und lasst uns nur reden, wenn  es vorteilhaft und gut ist, und uns von Übel, Sünde und Schlechtem enthalten. Trainieren wir in diesem Monat, in dem wir kein großes Begehren zum Reden haben, unsere Zunge zu hüten. Warum nun diese Signifikanz zum Hüten der Zunge?

Kommen wir diesbezüglich zu den Überlieferungen, ein Ausspruch des Propheten (ص) besagt: “Diese Zunge ist ein Schlüssel zu allem Guten und ein Schlüssel zu allem Übel“.

Manchmal kann nur ein Wort ein Leben oder eine Familie zerstören und manchmal kann nur ein Wort ein Leben/Familie aufbauen. Ein Beispiel: Du bist nun Zuhause, lebst mit deiner Frau und deinen Kindern ein schönes und erfülltes Leben. Nun kommt jemand und sagt etwas Verbotenes (Haram), welches dazu führt, dass du nun misstrauisch deiner Frau gegenüber bist. Schon wird eine Familie zerstört, es gibt Streitigkeiten. Du bist mit jemanden verfeindet. Nun kommt jemand, den du vertraust und dieser berichtet Gutes von diesem Menschen, so verfliegt deine ganze Feindschaft. Diese Zunge, welches nur ein kleines Stück Fleisch darstellt, kann die Menschen mit einem Wort zerstören. Hierzu wurde in den Ahadith überliefert, dass der Prophet (ص) sagte: „Die meisten Fehler der Kinder Adams wird durch die Zunge begangen“. Mit seiner Zunge lügt er, lästert er, und mit seiner Zunge sorgt er für Fitna und mit seiner Zunge fordert er zum Töten auf, zum Blut vergießen, und Demütigung; und zum Raub von Vermögen, zur Zerstörung des Landes und der Sicherheit, und die Okkupation anderer Länder. Mit seiner Zunge bringt er die Diener vom Wege Allahs ab, mit seiner Zunge leitet er die Menschen fehl und lässt sie in die Hölle eintreten.

Was hatte denn Iblis (Teufel) außer seiner Zunge? Wenn er die Menschen betrügt und ihnen einflüstert und sie fehlleitet, womit? Mit seiner Zunge!!! Gemäß dem Propheten (ص): „Am Tage der Auferstehung wird Allah der Zunge derartige Schmerzen zufügen, wobei kein anderes Körperglied derartig geschmerzt wird wie die Zunge“. Also die Hände, die Füße, der Magen, die Ohren, die Augen, alle Körperglieder werden schmerzen zu ertragen haben, aber die Zunge hat ein schlimmeres Leid zu ertragen. Hier spricht nun die Zunge und fragt: „O mein Gott, Du hast mir Schmerzen zugefügt, die du keinem anderen (Körperglied) zugefügt hast. Was habe ich denn getan? Die anderen (Körperglieder) haben sich ebenfalls gegen Dich aufgelehnt. Wieso muss ich Schmerzen ertragen, die andere so nicht ertragen müssen?“. Dann wird zu ihr gesagt: ,,Von dir ist ein Wort ausgegangen, welches durch den Osten und Westen der Erde umhergezogen ist. Durch dieses Wort wurde verbotenes Blut vergossen, durch ihr (Wort) wurde verbotenes Vermögen geraubt, und durch ihr wurden die Frauen entwürdigt“.

Ein Wort von dir und du musst nun die Verantwortung dafür tragen. Folglich sollte jeder in seiner eigenen Familie, in seiner Gemeinde und vor seiner Zuhörerschaft, sich jedes Wort bewusst sein, was er sagt. Denn diese Zunge kann dich in die Hölle führen, aber auch eine gesamte Gemeinschaft mit dir. Amir al-Mu’minin hat gesagt: „Wenn jemand hinfällt und sich so seinen Fuß verletzt, dann wird dieser bald verheilen. Doch fällt man mit der Zunge hin, so fliegt sein Kopf“. Mit einem Wort! Folglich ist der Aspekt des Hütens der Zunge von bedeutender Signifikanz. Wir sollten aufpassen und darauf achten, was wir sagen. Wir sollten uns bewusst sein, dass jedes Wort, welches wir im Diesseits aussprechen, von den edlen Schreibern (den Engeln) aufgezeichnet wird, und dies wird in unserem Buch der Taten (Kitab ul 3amal) zu finden sein und wird uns am Tage der Auferstehung vorgeführt. Wir werden dafür zur Verantwortung gezogen, ohne jeden Zweifel. Infolgedessen ist es Pflicht diesen Aspekt festzuhalten und besonders im Ramadan, in welchem wir das Hüten der Zunge trainieren können. Wie es in den Ahadith überliefert ist: Wer seine Zunge hütet, dem werden seine Unvollkommenheiten (3uyub) bewahrt (vor den Menschen), weil er nicht die Fehler anderer erwähnt, so wird niemand seine Unvollkommenheiten und Fehler erwähnen“. Durch das Hüten der Zunge ehrt man sich selbst. Es gibt viele, die aufgrund ihrer lockeren und üblen Zunge, von den Leuten beschimpft und gedemütigt werden. Man wird zum Gegenstand des Lästerns. Das Wohl des Menschen liegt in dem Hüten seiner Zunge. Die Ruhe des Menschen liegt in dem Hüten der Zunge. Die Rettung des Menschen im Diesseits und Jenseits liegt in dem Hüten der Zunge…na dann wozu reden? Also von alldem was unnützlich ist, was schlecht ist und was Unheil bringt sollten wir uns fernhalten. Der Monat Ramadan, bietet ein gute Gelegenheit, die Zunge zu trainieren.

  1. „Schlagt eure Blicke nieder vor dem, was anzusehen euch nicht erlaubt ist, hört nicht dem zu, dem zuzuhören euch nicht erlaubt ist“

Also, dem Verbotenen sollen wir nicht zuhören und das Verbotene sollen wir nicht ansehen. Wenn wir nun im Ramadan, 30 Tage unsere Blicke niederschlagen, so wird dieser Aspekt nach einem Monat sehr einfach auszuführen sein, und auch wenn wir im Monat Ramadan dem Verbotenen nicht zuhören, so wird es uns auch nach Ramadan leicht fallen dies zu tun; dies ist alles ein Training für uns, in diesem Monat. Wie in den Ahadith überliefert worden ist, sind diese Augen die unsere, so wie alle anderen Körperglieder mit denen Allah gedient wird und gegen Ihn gesündigt wird. Mit unseren Augen lesen wir den Koran, mit unseren Augen lesen wir Bittgebete (Dua), mit unseren Augen vermehrt sich unser Erkennen, mit unseren Augen sehen wir die Natur und sehen die Größe der Weisheit Allahs und Barmherzigkeit Allahs und die Mächtigkeit Allahs, mit unseren Augen können wir Menschen helfen, folglich haben unsere Augen einen großen Segen, und wir können durch ihnen vielen Dingen gehorsam werden, doch auch mit diesen Augen ist es möglich, dass wir viele Sünden und Fehler begehen. In den Ahadith ist überliefert: Die Augen sind die Angeln des Teufels.“ Wie fängt uns der Teufel? Mit unseren Augen! Es kommt etwas und der Teufel flüstert uns ein, dass es was schönes und tolles sei und wir sehen uns dies an. Dieser verbotene Blick, wie in den Ahadith überliefert, kurbelt in unseren Seelen die Gelüste an. Und wenn nun die Lüste in unseren Seelen erweckt werden und wir nicht unsere Gelüste auf erlaubtem Wege stillen können, so wird diese uns zu dem verbotenem Weg führen. So wird das Auge eine Angel des Teufels sein, um uns in Haram und Sünde zu stürzen, deswegen ist in den Ahadith überliefert: Wenn das Auge einer Lust blickt, also das was du begehrst, wird das Herz blind von der Konsequenz“, also der Verstand und das Herz wird nicht mehr daran denken, dass es ein Jenseits, eine Auferstehung und eine Abrechnung geben wird. So wird diese Person betrügt von ihren Gelüsten und ihrer Seele, welche zum Unheil verdammt ist. Wer nun nicht in dieses Schlechte und Unheil verfallen will, schlägt seine Blicke nieder. In den Ahadith wurde diesbezüglich folgendes erwähnt; was sind die Taten und Dinge, die uns helfen gegen Allah nicht zu sündigen? Der Prophet (ص) sagte: „Von den Dingen und Aspekten, welche vom Unheil fernhalten, ist das Niederschlagen der Blicke.“ Also blicke nicht zu etwas, was deine Gelüste erwecken könnte, und deine Seele, welche zum Unheil verdammt ist, ankurbeln könnte, und dich in den Händen von Iblis und den Teufeln führt. Das Niederschlagen der Blicke, von dem was Haram und Verboten ist, und das Fernhalten der Ohren von dem was Haram und Verboten ist, lässt deine Seele ruhig, unabhängig, gewiss und frei sein. Es gibt dann folglich nichts, was es ankurbeln könnte und zum Sündigen führen könnte. Deswegen ist das Niederschlagen der Blicke und der Ohren von dem was Haram ist, von den wichtigsten Dingen und Taten, welche vom Unheil und vom Sündigen abhalten. Es wurde außerdem erwähnt, dass Jesus Sohn Mariams (ع), welcher zu seinen Gefährten sagte: ,,Hütet euch vor dem Blick  (also dem verbotenen Blick), denn dieser pflanzt die Gelüste in die Herzen und wird für seine Besitzer eine Versuchung“. Nun, wenn es in einem innen drin kocht, wird seine Lust eine große und schwierige Prüfung für ihn sein. Er dringt in einen Kampf mit sich selbst. Wird er diese Sünde begehen oder nicht? Also was will man mit diesem ganzen Unheil, sein Feuer ist aus und lass es aus. Wozu lassen wir uns selbst in den Seilen des Teufels ein, durch unsere Augen oder unseren Ohren? Es gibt Menschen, die aufgrund ihrer Zustände und Probleme und den Druck ihrer Gelüste, zu Drogen, Alkohol und sogar zum Selbstmord flüchten. Also warum das Ganze? In den Ahadith wird folgendes überliefert: „Wenn ihr eure Blicke niederschlägt, so werdet ihr das sehen, was ich auch sehe“,… also das was der Prophet  (ص) gesehen hat vom Reiche der Himmel und der Erde, und ihm wird vieles von den Wahrheiten dieser Präsenz sichtbar. Der Prophet (ص) sagte uns: „Wenn ihr eure Blicke von dem niederschlägt was Allah der Erhabene euch verboten hat, so werdet ihr das sehen, was ich auch sehe, ihr werdet das Unglaubliche sehen…“

  1. „…und seid liebevoll zu den Waisen der (anderen) Menschen, damit eure Waisen liebevoll behandelt werden.“

Das Versorgen eines Waisen und das Übernehmen der Pflegschaft eines Waisen ist jederzeit eine empfehlenswerte und gute Tat, aber im Monat Ramadan, gibt es zusätzlichen Segen, wie bei den schon erwähnten Taten. Der Prophet (ص) sagte: Wer einen Waisen versorgt, so dass er ihn nicht mehr benötigt, dem wird Allah das Paradies geben, so wie Er demjenigen, der das Vermögen eines Waisen raubt, das Feuer gibt“. Es gibt immer einen Gegensatz. Wir fragen uns immer wieder, wie wir unsere Probleme also unsere psychischen, sozialen und gesellschaftlichen Probleme lösen sollen, wen wir fragen sollen, während wir unseren großen Propheten (ص) haben und wir fragen ihn nicht. Wir haben die Stadt des göttlichen Wissens (Prophet Muhammad ibn Abdillah) und wir haben das Tor der Stadt des göttlichen Wissens (Imam Ali ibn Abi Talib) und wir fragen sie nicht. Jedenfalls klagte einmal ein Mann bei dem Propheten (ص): ,,Ich habe ein hartes Herz“…, dies kann jeden von uns treffen. Sein Auge tränt nicht, sein Herz fürchtet nicht, weder beim Dua, noch während des Nachtgebets, noch beim Koran, noch beim Dhikr (Gedenken). Er sieht die Menschen am Weinen, doch er kann nicht weinen. Was ist nun die Lösung? Der Prophet (ص) sagte zu diesem Mann: ,,Möchtest du, dass dein Herz weich und barmherzig wird? Und dass deine Bedürfnisse erfüllt werden? Dann sei barmherzig gegenüber den Waisen!“…irgendein Waise, lächele ihm zu, schenke ihm etwas, kümmere dich um ihn und streichle seinen Kopf.

„Und versorge ihn von deinem Essen“ nicht dass du ihm einfach nur Essen schickst, sondern lade ihn zu dir ein und gib ihm von dem Essen, was du auch zu dir nimmst, so wird dein Herz barmherzig und weich und mehr noch: Auch deine Bedürfnisse werden erfüllt. Der Prophet (ص) weist auf zwei Dinge hin, die wir in einem Zug ausführen können: 1. Die Lösung, wie wir ein weiches Herz bekommen und 2. wie unsere Bedürfnisse  erfüllt werden, ebenfalls durch das Barmherzigen eines Waisen; und Bitte Allah, dann folgendes: Mit dem Recht dieses Waisen erfülle mir meine Bedürfnisse, O Herr! Und Allah der Erhabene wird deine Bedürfnisse erfüllen. Und von dem Fürsten der Gläubigen (ع): Jeder Gläubige (Mann und Frau), der mit  Barmherzigkeit und Zuneigung, mit seiner Hand den Kopf eines Waisen streichelt, dem wird Allah für jedes Haar, dass seine Hand berührt etwas Gutes aufzeichnen (Hassana). Jetzt könnte jemand daher kommen und sagen, das ist ziemlich viel. Doch teilt ihr etwa die Barmherzigkeit Allahs auf oder ist es Allah, Der seine Gnade und Barmherzigkeit aufteilt? Allah, der Erhabene sieht in eurer Barmherzigkeit und Zuneigung gegenüber einem Waisen, dass ihr mehr verdient als das, und dann wird Er euch auch mehr geben. Und deswegen wird gerade auf die Signifikanz dieses Aspektes im Monat Ramadan darauf hingewiesen. Der Prophet (ص) sagte: “Wer einen Waisen ehrt, den wird Allah am Tage der Auferstehung ehren“. Was bedeutet die Ehre von Allah? Wird er dich in die Hölle schicken oder in das Paradies? Deswegen ist diese Tat eine große und reichbelohnte Tat im diesseitigen Haus und der Prophet (ص) erwähnte in seiner Predigt eine Konsequenz für dieses Leben, nämlich: „Seid liebevoll zu den Waisen der (anderen) Menschen, damit eure Waisen liebevoll behandelt werden“.

Jeder von uns hat Kinder. Kann man sich gewiss sein, dass man in den nächsten Tagen auf jeden Fall noch lebt oder in den nächsten Stunden, Minuten oder Sekunden? ….keine einzige Sekunde, nicht mal einen Augenblick. Nun ich bin ein Vater und habe Kinder und es ist möglich, dass ich jeden Augenblick sterbe, und meine Kinder zu Waisen werden. Und ihr Zustand ist wie die übrigen Waisenkinder, die Versorgung und Zuneigung benötigen. Wenn nun ich im Hause dieses Lebens, in dem ich liebevoll zu den Waisen der Menschen war, so wird Allah jemanden bestimmen, der sich um meine Kinder kümmern wird, wenn sie verwaist sind und sie versorgen. Also es gibt welche, die sich in diesem Leben dafür einsetzen und bemühen Vermögen anzulegen, damit ihre Kinder versorgt sind, oder dass sie studieren können oder dass sie einen gewissen Betrag in der Bank zur Verfügung haben, damit sie sich damit versorgen können, falls dem Vater etwas passiert. Doch das Vermögen, welches du ansammelst kann zugrunde gehen durch Raub, Feuer, Krieg Unfall etc., dafür gibt es keine Versicherung. Doch hier existiert eine prophetische Versicherung, ja eine göttliche Versicherung, welche dir sagt:…“und seid liebevoll zu den Waisen der (anderen) Menschen, damit eure Waisen liebevoll behandelt werden“.

Und der letzte Abschnitt, zu welchem wir nun angelangt sind, ist zwar lang jedoch werde ich die Aussage und die Gedanken präzisieren und zusammenfassen:

  1. „Kehrt euch reuig zu Allah für eure Sünden und erhebt eure Hände zu Ihm mit Bittgebeten während der Zeiten eurer rituellen Gebete (salat), denn diese sind die besten Stunden, während denen Allah der Erhabene und der Offenkundige Seine Diener mit Barmherzigkeit ansieht, ihnen antwortet, wenn sie zu Ihm flüstern, bei ihnen ist, wenn sie Ihn anrufen und ihre Bittgebete erfüllt, wenn sie Ihn bitten“

Nun, in diesen bestimmten Zeiten im Ramadan, ist es das Wichtigste, Allah um Vergebung zu bitten. Warum? Der Prophet (ص) sagte: Eure Seelen sind beheftet mit euren Taten.“ Am Tage der Auferstehung interessiert es nicht, ob man der Sohn von dem und dem ist, oder Haschimi, Sharif oder irgendwie anders mit dem Propheten „verwandt“ ist. Das alles bringt nichts; oder ob man von dem und jenem Stamm ist, oder Araber, Nubier, Türke ist… das alles bringt ebenfalls nichts; ob ich arm, reich, wissend, unwissend u.s.w. bin; das was nützt sind deine Taten. Wir sind alle am Tage der Auferstehung mit unseren Taten beheftet. Allah sagt im Koran: …Jede Seele ist mit dem gepfändet, was sie erreicht hat“… – also was hast du erreicht? – …und es ist nur dem Menschen, wonach er strebte… – dies ist unsere Religion. In unserer Religion, liebe Geschwister, in der Religion Muhammads, dem Siegel der Propheten (ص), reicht nicht der Glaube. Es gibt eine Volksweisheit, die besagt: Der Glaube ist im Herzen, die Taten sind kein Problem… oh nein! Der Glaube allein sichert dir nicht den Eintritt ins Paradies, der Glaube reicht nicht. Im gesamten Buch Allahs sagt Er fortwährend: …die glauben und rechtschaffenes tun… – wir brauchen also immer Glaube und gute Taten- … Allah der Erhabene sagt: …wer bereut, glaubt und rechtschaffenes tut… – also wir brauchen den Glauben, die Reue und die guten Taten undwer Ihm gläubig begegnet (am Tage der Auferstehung) und von dem Guten tat, ihnen werden die höchsten Stufen zugewiesen… und … Die Gläubigen, seien es Männer oder Frauen, die im Sinn des Glaubens gute Werke verrichten...(also auch die Tat alleine reicht nicht, wir brauchen Glauben und Taten. Der Glaube alleine reicht nicht und die Tat allein reicht nicht … lassen wir auf Erden gut leben und gewähren ihnen im Jenseits den ihnen gebührenden Lohn, der ihre guten Werke mehrfach vergilt… also der Mensch ist gepfändet mit seinen Taten. Der Fürst der Gläubigen (ع) sagte dieses Dua im Sahar der Nacht (dieses Dua ist auch in Mafatih ul Djenan- Aamal Masjed al Kufa vorhanden)… Allahumma ich bitte dich um Sicherheit an einem Tag, da weder Vermögen noch Kinder nützen, außer wer Allah mit reinem Herzen begegnet. Es ist in den Ahadith überliefert, dass der Diener am nächsten seinem Herrn ist, wenn er sich niederwirft, also im Sudjud; und  in den Ahadith sagte der Prophet (ص): Verlängert die Niederwerfung, denn es gibt keine Tat die schlimmer ist für Iblis…, (Diese Tat ärgert Iblis am meisten. Die sadaqa (Almosen-Spende)  stört ihn zwar, aber die Niederwerfung ist schlimmer für ihn)als dass er den Sohn Adams niederwerfend sieht, weil ihm befohlen war sich nieder zuwerfen, doch er lehnte sich dagegen auf– …die ganze Geschichte von Iblis handelte um folgendes: Ihm wurde befohlen sich nieder zuwerfen und er lehnte sich dagegen auf, und dir wurde befohlen, dich niederzuwerfen, und du gehorchtest. Deswegen ärgert ihn dein sudschud am meisten; welcher (sudschud) Iblis von dir fernhält, und dich näher zu Allah macht. Also seht, der Prophet (ص) weist uns zu Recht, welche seelische und physische Lage es ist, die uns am nächsten zu Allah sein lässt und am weitesten von Iblis. Der Prophet (ص) sagt, die Niederwerfung  ist es! Werfen wir uns nieder und verlängern unsere Niederwerfungen, dann hält sich Iblis von uns fern und wir kommen Allah dem Erhabenen näher. Hier ist der sudschud gemeint, durch den Allah die Sünde vergibt, und die Lasten und Sünden von unseren Rücken nimmt. Also, dass du dich niederwirfst auf deine Sieben, deiner Stirn, deinen Hände, deine Knie und die Spitzen deiner Füße, das ist die körperliche Lage, doch für den sudschud mit dem man die Vergebung erreicht, und die Nähe Allahs, gibt es auch eine bestimmte seelische Lage; dass du während des sudschuds aufpasst und dir bewusst bist, dass du dich zwischen den „Händen“ Allahs niederwirfst, und du dir deiner Sünden und Demütigung, vor seiner Allmächtigkeit gewiss wirst, und deiner Schwäche vor Seiner Mächtigkeit, und deiner Armut vor Seinem Reichtum, und deiner Unwissenheit vor Seinem Wissen, und deinem Übel vor Seiner Barmherzigkeit; wenn du dir gewahr wirst, dass du ein Diener von Seinen Dienern bist; und dir bewusst bist, dass du dich auf die Erde, von welcher dich Allah geschaffen hat, und zu welche du wieder wirst, niederwirfst. Wenn du nun diese seelische Lage erreicht hast und du näherst dich, und näherst dich, und näherst dich Allah dem Erhabenen und Gepriesenen; und wenn dich Allah zu Ihn nähert, vergibt Er dir deine Sünden und Fehler, und nimmt dir die Last deines Rücken, und gibt dir Ehre von Seiner Ehre, und Wissen von Seinem Wissen, und Licht von Seinem Licht, und Gnade von Seiner Gnade, und Barmherzigkeit von Seiner Barmherzigkeit – weil du dich Ihm näherst. Folglich in dieser seelischen und physischen Lage nähern wir uns Allah und entfernen wir uns von Iblis. Die größte und schönste Tat, die uns Allah näher bringt ist das Niederwerfen, und deswegen verweilte Allahs Gesandter lange im Sudschud und besonders mitten in der Nacht, natürlich nicht im Gemeinschaftsgebet. Im Gemeinschaftsgebet ist es empfohlen, dass sich der Vorbeter an den Schwächsten orientiert. Als er (der Prophet) jedoch alleine war mit sich selbst und seinem Gott, verlängerte er die Niederwerfung zwischen den „Händen“ Allahs.

Nutzen

Unser Nutzen in dieser Nacht geehrte Geschwister ist folgende:

Allahs Gesandter lehrt uns in diesem Auszug seiner Rede, mehrere Wege um Vergebung zu erreichen:

  1. Die Bitte um Vergebung, Die Reue Mittels Bittgebet und Anflehungen (Munajaat), Tawassul, Dhikr.
  2. Die Verlängerung des sudschud; Zuneigung gegenüber den Waisen, welches die Bedürfnisse erfüllt, eines dieser Bedürfnisse im Ramadan ist, dass Allah uns unsere Sünden vergibt; den Bedürftigen und Armen spenden; Verwandschaftsbande (silat rahem) und andere… Dies sind einige Taten, welche allesamt einfach zu vollführen sind. Es gibt garnichts, was zu schwierig für uns ist. Wenn jemand zu seinem Verwandten sagt: Salamu alaikum – kostet ihm das was? Wenn jemand 1, 2 Euro oder weniger einem Armen spendet – kann das jemand nicht? Dann kauft man eben keine Zigarettenschachtel, oder die Jugendlichen kaufen sich dann eben nichts Süßes. Man hat die Möglichkeit und das was der Prophet gemeint hat in dieser Rede, ist für uns möglich: das Spenden und sei es durch eine sehr kleine Summe; Zuneigung gegenüber einen Waisen und sei es durch das Streicheln der Haare; die Verwandschaftsbande und sei es durch einen Gruß; die Bitte um Vergebung mittels Dua; die Verlängerung des sudschud  mitten in der Nacht zwischen den „Händen“ Allahs. Dies sind alles Dinge, die möglich sind. Das Hüten der Zunge, gibt es jemanden, der nicht seine Zunge hüten kann? Man kann es. Man braucht nur ein bisschen Wille, Ehrgeiz und man wird es können. Inscha Allah (wenn Allah will),  werden wir durch diese erleuchteten Worte des Propheten (ص), in unseren Taten erfolgreich sein. Nun wissen wir, dieses Wissen ist nun ein Beweis gegen uns. Wir werden nach diesem Wissen am Tage der Auferstehung befragt. Dieses Wissen muss durch uns in die Tat umgesetzt werden; Und wenn wir es ausgeführt haben, dann werden wir dadurch glücklich und die Taten werden Inscha Allah unsere Rettung in dieser Welt und im Jenseits sein. Möge Allah mir und euch vergeben. Der Frieden und der Segen Allahs sei auf den Propheten und seiner reinen Familie…

Nachwort der Übersetzer

Liebe Geschwister im Islam,
nun besucht uns der gesegnete Monat Ramadan nur einmal im Jahr, einen Monat von zwölf Monaten, sind die Tore des Himmels weit geöffnet und uns ward die Chance und Möglichkeit gegeben, durch einfache Taten, die durch starken Willen und tiefem Glauben ausgeführt werden können, die Gnade Allahs zu erlangen; 30 Tage und Nächte von 365 sind uns gegeben um Vergebung, Barmherzigkeit und viel Lohn durch einfache Taten erreichen zu können und uns letztendlich vom  brodelnden Feuer zu retten. Es ist nicht zu viel verlangt, wenn man sich in diesem Monat und diesen segensreichen Tagen und Nächten, auf die Rechtweisungen und Ratschläge des Propheten (ص) konzentriert und von rechtschaffenen Taten und der Bitte um Vergebung nicht ablässt, denn Ramadan ist unter anderem der Monat der Ruhelosigkeit und folglich der Reinigung…

Nutzen wir diesen Monat dazu, um unsere Seele durch gute Taten, Gebet, Dua und Dhikr, zu läutern und zu retten. Damit Allah unsere Namen mit den Glückseligen schreibt und unsere Seelen mit den Märtyrern verewigt. Nutzen wir jede Stunde und Minute in diesem Monat um Erlaubtes, Empfohlenes und Rechtschaffenes zu tun und halten wir uns fern von jedem Frevel, Verbotenem und Schlechtem.

Möge Allah uns Vergebung, Stärke und Gnade schenken, um durch diesen Monat zu den Erfolgreichen und Glückseligen im Diesseits und im Jenseits zu gehören. Und bitten wir Allah um Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit in unseren Taten, damit wir die Lehren, die wir im Ramadan gezogen haben und die Taten die wir ausgeführt haben, unser Alltag auch nach diesem Monat bestimmen.

Wir wünschen all unseren Geschwistern einen segensreichen und erleuchteten Ramadan!

 
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übersetzt von Ahmad Khalil und Anonym
Anmerkung: Der Text weicht leicht vom Original ab. Die Rede wurde 2004 Live auf dem libanesischen Sender ‚Al-Manar’ gesendet.

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