Die Gleichstellung der Männer und Frauen in der Erreichung der Gottesnähe

– von Sheikh Nabil Amhaz

Allah (swt) sagt in seinem heiligen Buch:

Oh ihr Menschen, wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander erkennen möget. Wahrlich vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich Allah ist Allwissend, Allkundig. (49.13)

Dieser ehrenhafte Vers zeigt die Stellung des Menschen und den Wert des Menschen und durch was die Menschen bei Allah (swt) bevorzugt werden. Der Vers zeigt uns, dass die Menschen aus Männern und Frauen bestehen und wenn sich der Mann und die Frau vermehren, so werden sie zu Völkern und Stämmen. Und in dieser Einteilung gebührt demjenigen, der zu den Leuten der Gottesfurcht gehört, die größte Ehre. Das heißt die Bevorzugung zwischen den Männern und Frauen steckt genau hier: Derjenige wird bevorzugt, der gottesfürchtiger ist! In dieser göttlichen Waage, wissen wir, dass die hohen Stufen nicht dem Mann als Mann oder der Frau als Frau gebühren, denn Allah (swt) ist es doch, der die Männer als Männer und die Frauen als Frauen erschaffen hat! Nein! Der Vorzug gebührt dem, der Allah (swt) näher ist, sei es Mann oder Frau! Und die Nähe Gottes wird erreicht durch das Wissen und die Erkenntnis. Um so mehr Wissen und Erkenntnis der Mensch erlangt über Allah (swt) und die Wege die zu Seiner Nähe und Zufriedenheit führen, desto höher steigt seine Stufe bei Allah (swt). Sei es der Mann, der durch sein Wissen und seine Erkenntnis nach der Zufriedenheit Gottes strebt oder die Frau, die durch ihr Wissen und ihre Erkenntnis nach der Zufriedenheit Gottes strebt!

Die Familie des Gesandten Gottes (ص) ist das beste Beispiel für diese Gleichung. Wir beginnen bei Sayyidah Fatima (ع). Bei den Arabern, bei den Stämmen, bei den Leuten der Unwissenheit, haben sie den Vorzug untereinander von der Anzahl der Söhne abhängig gemacht und derjenige, der am meisten Söhne hatte, der war angesehen und edel. Daher sehen wir auch, dass als die Unwissenden den heiligen Propheten (ص) niedermachen wollten, sie ihn mit den Worten „abtar“ betitelten, d.h. „derjenige, der keine Nachkommenschaft“ besitzt, doch daraufhin beehrte Allah (swt) Seinen Propheten und sagte: „inna ‚ataynaka al-Kawthar!“, „wir haben dir die Fülle gegeben!“, womit Sayyidah Zahraa (ع) gemeint ist. Und so hat Allah (swt) sie zum besten aller Geschöpfe gemacht und hat den Propheten (ص) dadurch geehrt. Hier haben sich dann die Dinge geändert! Der Islam ist gekommen, um die Wahrheit zu sagen, die Wahrheit, dass die Bevorzugung nicht im Mann als Mann oder der Frau als Frau steckt. Derjenige wird bevorzugt, den Allah (swt) bevorzugt hat!

Die Familie von Imam Ali (ع) und die Familie von Fatima (ع) ist es, über die es in Überlieferungen heißt, dass sie die Familie des Propheten (ص) seien. Daher hat der heilige Gesandte Gottes auch immer wieder gesagt: „Hassan und Hussein sind meine Söhne (ibnay)!“, in genau dieser Wortwahl! Und von daher war es so, dass für jedes neu geborene Kind im Hause von Imam Ali (ع) und Fatima (ع) der Gesandten Gottes (ص) den Namen auswählte. Bei Imam Hassan (ع) war es so, dass sie mit dem Kind zum Propheten (ص) gingen und Imam Ali (ع) dann sagte: „Gib ihm einen Namen, oh Gesandter Gottes!“, daraufhin sagte er (ص): „Ich gebe ihm keinen Namen, bevor mein Gott ihm nicht einen Namen gegeben hat!“, genauso bei Imam Hussein (ع), bis in dieser ehrenhaften Familie eine Frau geboren wurde, die eine Besonderheit vorweist und welch Besonderheit! Sie ist jene Tochter, über die Sayyidah Fatima (ع), als sie geboren wurde zu Imam Ali (ع) sagte: „O Ali, gib ihr einen Namen!“, daraufhin sagte der Imam: „Ich gebe ihr keinen Namen, bevor nicht der Gesandte Gottes ihr einen Namen gegeben hat.“ Als dann die Nachricht der Geburt den Gesandten Gottes (ص) erreichte, so ging er zum Haus des Imams und als er reingegangen ist, kam ihm der Imam mit dem Mädchen in der Hand entgegen und sagte ihm: „Gib ihr einen Namen, oh Gesandter Gottes.“ So nahm der Gesandte Gottes (ص) sie in seine Arme, drückte sie an seine Brust und sagte: „Ich gebe ihr keinen Namen, bevor mein Gott ihr nicht einen Namen gegeben hat!“ In dem Moment stieg Jibrail (ع) herunter zum Propheten und sagte ihm: „As-Salam (einer der Namen Gottes) lässt dich grüßen und richtet dir aus: Gib ihr den Namen Zeinab!“ So gab er ihr den Namen Zeinab.

Sayyidah Zeinab (ع) lebte in dem Haus, in dem Imam Ali (ع) das Oberhaupt war und Sayyidah Zahraa, Imam Hassan und Imam Hussein anwesend und vom Propheten (ص) umgeben waren. Sie lebte in dem Haus der Reinheit und der Ehrenhaftigkeit. Und hier möchte ich zurückkehren zu dem, was ich vorhin angesprochen habe und zwar, dass der Wert des Menschen nicht durch sein Mann- oder Frausein geboten wird, nein! Der Wert des Menschen liegt in seinem Wissen, seiner Erkenntnis und seinen Taten, die er verrichtet, um Gottes Zufriedenheit zu erlangen. In den Überlieferungen heißt es, dass Sayyidah Zeinab (ع) von dem Wissen des Gesandten Gottes und dem Wissen von Imam Ali, Sayyidah Fatima, Imam Hassan und Imam Hussein trank. So dass wenn dem mit dem Namen „Tinte der Ummah“ betitelte Gefährte, ibn Abbas eine Angelegenheit schwierig erschien und er sie nicht lösen konnte, er zu Sayyidah Zeinab (ع) ging, damit sie ihm das Problem löst. Und es heißt in unseren Überlieferungen ebenfalls, dass wenn Imam Hussein (ع) die Stadt verließ, es Sayyidah Zeinab (ع) war, welche die Aufgabe der Verdeutlichung der Angelegenheiten und Beantwortung der Fragen übernahm und sie gab Sitzungen, in denen sie den Tafsir des heiligen Quran gelehrt hat.

Normalerweise ist es so, dass wenn man einen Mann oder eine Frau loben möchte, man ihnen gewisse Eigenschaften zuschreibt und jeder von ihnen hat gewisse Eigenschaften, die speziell nur diesem Geschlecht zugeordnet werden. Allerdings Sayyidah Zeinab (ع), diese großartige Frau, hat sich alle Vollkommenheiten und edlen Eigenschaften angeeignet. In der ganzen Menschheit gab es und wird es nie eine Frau nach Sayyidah Fatima (ع) geben, die wie Sayyidah Zeinab (ع) war. Niemals! Natürlich stellen wir uns jetzt die Frage, wie sie solche hohen Stufen erreicht hat und hier bei dieser Angelegenheit wollen wir einen Moment lang stehen bleiben.

Normalerweise ist es so, dass der heilige Quran in vielen seiner Verse über die Rechtleitung spricht. Wir lesen täglich die Sure al-Fatiha im Gebet und dabei sagen wir: „Führe uns auf den geraden Weg!“ Doch was bedeutet das? Was bedeutet auf dem geraden Weg zu sein? Rechtgeleitet zu sein bedeutet, dass wir eine richtige, vollkommene Reise zu Gott vollziehen und mit dem Recht sind, nicht mit der Falschheit. Das ist doch die Rechtleitung?! Wenn wir die Rechtleitung erbitten, so erbitten wir die Zufriedenheit Gottes, doch wie kann der Mensch so etwas in seinem Leben erlangen? Wie können wir auf dem rechten Weg reisen? Indem wir nach dem handeln, was wir durch Gott über den Propheten (ص) und seine Ahlulbayt (ع) erhalten haben. Wenn wir das tun, dann gehören wir zu denen, die Wissen besitzen und Erkenntnis besitzen und hohe Stufen bei Allah (swt) erreicht haben.

Nun, was das Wissen betrifft, wenn wir es uns aneignen wollen, so tun wir das entweder durch das Lesen oder durch das Zuhören, so ist jeder von uns. Wir können nur Wissen aneignen, wenn wir Lesen oder Zuhören, und Allah (swt) sagt im Quran:

Und Allah hat euch aus dem Schoße eurer Mütter hervorgebracht, ohne das ihr etwas wusstet und Er gab euch Ohren und Augen und Herzen, auf dass ihr danken möget. (16:77)

Zuerst waren wir nichts, dann hat Allah uns erschaffen und uns Ohren und Augen gegeben, damit wir uns Wissen aneignen können.

Es gibt jedoch in Wirklichkeit zwei Arten des Wissens: 1. „Al-Ilm ul-Kassbi“, das Wissen, das wir uns aneignen. Wir lernen die Rechtsregeln und wissen ‚das ist haram‘ und ‚das ist halal‘, das ist empfohlen (mustahab) und das ist verpönt (makruh) usw. So kann ich moralische Krankheiten beseitigen und dadurch nähern wir uns Gott.

Wenn wir nun nach dem handeln, was wir wissen, dann nimmt diese Überlieferung ihre Rolle ein: „Wer nach dem handelt, was er weiß, den lehrt Allah (swt) Wissen, über das, was er nicht weiß.“ Das ist die nächste Stufe, sie wird 2. Al-Ilm ul-Nakd genannt, weil das Wissen sofort direkt in das Herz geprägt wird. Manchmal merkt man, dass man zu Dingen geleitet wird, ohne dass jemand einem davor was sagte und sich dann herausstellt, dass es tatsächlich richtig war. Wie lernt man sowas? Durch das genannte. Es gibt also, wie erwähnt, zwei Arten des Wissens: Das Wissen, dass man sich aneignet und das, welches in die Herzen geprägt wird und das ist auch das Wissen, das vererbt wird. Allah (swt) sagt im Quran:

Dann gaben Wir das Buch jenen unter Unseren Dienern, die Wir erwählten, zum Erbe.
(35:32)

Was heißt hier ‚wir gaben ihnen das Buch?‘ Wurde ihnen ein materielles Buch so in die Hand gedrückt? Nein, natürlich nicht. Damit ist gemeint: Das Wissen des Buches! Und wem? Denen, die von Allah (swt) auserwählt sind und Imam Sadiq (ع) sagt hier: „Wir sind jene, die von Allah auserwählt sind!“

Das ist nun ein sehr wichtiger Punkt, denn wir können jetzt daraus schließen, dass die Ahlulbayt (ع) jene sind, welche das Wissen des Buches besitzen und hierist die Rolle des vererbten Wissens wichtig, wenn Imam Ali (ع) sagt: „Der Prophet (ص) lehrte mich tausend Tore des Wissens und er öffnete mir von jeder dieser Tore tausend weitere Türen.“

Das heißt, er vererbte ihm die Schlüssel zu den Türen jeglichen Wissens, das keiner besitzt außer Allah (swt). Bei Sayyidah Zeinab (ع) sehen wir nun etwas ähnliches, wenn wir ihre hohe Stellung betrachten und so sagt Imam Zein ul-Abideen über sie: „Oh Tante! Du bist durch Gottes Segen wissend, ohne belehrt worden zu sein und verstehst (alles), ohne dass es dir erklärt wird.“

Was bedeutet das? Das bedeutet, dass Sayyidah Zeinab (ع) Wissen besitzt, das sonst niemand besitzt und Stufen erreicht hat, die sonst niemand erreicht hat außer ihr, denn ihr Wissen und ihre Verstandeskraft wurde ihr vererbt. Und es ist hier ebenfalls wichtig zu wissen, dass mit all ihrem Wissen und ihrer hohen Stellung sie bekannt war unter dem Namen: „Aqilat Bani Hashim“, mit „Aqilah“ ist eine Frau gemeint, die bekannt ist für ihren großartigen Verstand und die für Beratungen hinzugezogen wird und auf deren Wort wert gelegt wird.

Es heißt in zahlreichen bekannten Überlieferungen, dass Imam Hussein (ع) sich mit Sayyidah Zeinab (ع) stets beraten, auf sie gehört und von ihren Ratschlägen Gebrauch gemacht hat. Warum? Weil sie eine spezielle Stufe hatte und weil sie die vollkommenen Eigenschaften verinnerlicht hatte. Normalerweise sind jene, welche mit „Mut“ und „Verstand“ beschrieben werden, die Männer. Wie gesagt, es gibt manchmal Eigenschaften, mit denen speziell die Männer beschrieben werden und Eigenschaften, mit denen speziell die Frauen beschrieben werden. Die Frauen werden z.B. mit der Keuschheit beschrieben, mit der Scham. Männer wiederrum werden mit dem Mut, dem Wissen, der Verstandesbegabung usw. beschrieben. Sayyidah Zeinab (ع) allerdings war wie ihre Mutter, sie hat die Vollkommenheiten verinnerlicht, sie war die Wissende, die Weise, die Mutige, die Geduldige, sie hat all diese Eigenschaften verinnerlicht und in ihr vereint. Und hieraus können wir schließen, dass eine Frau, durch ihr Wissen und durch ihre Weisheit emporsteigen und die hohen Stufen erreichen kann, wie Sayyidah Zeinab (ع) es z.B. gezeigt hat.

Und daher müssen wir uns endlich klar machen, dass niemals ein Mann nur weil er ein Mann ist, bevorzugt wird. Überhaupt nicht! Der Vorzug gilt jenem, der die Gottesfurcht aufweist und die Gottesfurcht gebührt jenem, der das Wissen und die Erkenntnis aufweist und den Gottesdienst aufrichtig verrichtet und seine Aufmerksamkeit der Reise zu Allah (swt) widmet.

Nun, wir können bei dieser Gelegenheit nicht vergessen eine bestimmte Haltung von Sayyidah Zeinab (ع) anzusprechen. Sayyidah Zeinab (ع) hatte mehrere Kinder. Sie hatte Aun und Aliyun al-Zeinabiy, er war bekannt unter diesem Namen. Und Abbas und Muhammad und Umm Kulthum. Fünf Kinder hatte sie, vier von ihren Kindern nach bekannten Überlieferungen und nach anderen Überlieferungen drei ihrer Kinder, wurden Märtyrer in Karbala. Schaut euch diesen Mug, diese Tapferkeit, diese Geduld und diese Verbindung zu Allah (swt) an. Als Imam Hussein (ع) in Karbala umkam, ging Sayyidah Zeinab (ع) zu ihm, setzte sich auf den Boden, legte seinen Körper auf ihren Schoß, hob ihre Hände und ihren Kopf zum Himmel empor, während die ganze Armee von ibn Saad zusah, denn in den Überlieferungen heißt es, dass als Sayyidah Zeinab (ع) zu Imam Hussein (ع) lief, die Armee näher kam um ihr Weinen und Schreien und ihr Wehklagen zu hören, um sie zu erniedrigen und sich über sie lustig zu machen und zu sehen was sie machen will. So ging Sayyidah Zeinab (ع) zu Imam Hussein (ع), setzte sich auf den Boden, nahm seinen Körper auf ihren Schoß, blickte empor, hob ihre Hände zum Himmel und rief mit Mut, Standhaftigkeit, Tapferkeit und vollkommenem Vertrauen auf Allah (swt): „Allahumma taqabbal minna hathal Qurban!“ – „O Allah, nimm diese Opfergabe von uns an!“

Sayyidah Zeinab (ع) hat zugesehen wie vier ihrer Kinder und wie die Kinder ihrer Geschwister und die Kinder ihrer Verwandten niedergemetzelt auf den Boden fielen und starben. Trotz all dem hat sie jenen Standpunkt vertreten, Allahu Akbar! Welcher Mann, welches Herz, welcher Mutige, welcher Tapfere, welcher Mensch würde diesen Standpunkt vertreten und so handeln? Wer? Sayyidah Zeinab (ع) handelte so! Warum? Weil sie ihre eigene Deutung und ihr eigenes Verständnis des Glaubens und der Verbindung zu Allah (swt) besaß und sie weiß, dass diese Ungerechtigkeit nicht lange verbleiben und nicht einfach so vergehen wird. Von daher sagte sie auch in einer ihrer Reden einen weiteren wichtigen Satz: „Gepriesen sei Jener, der uns geehrt hat durch seinen Propheten und uns von der Unreinheit reinigte. Der Frevler ist es, der entlarvt wird und der Heuchler (sinngm.) ist es, der erniedrigt wird.“

Meine Lieben, das Leben im Diesseits ist kurz und knapp. Die Ungerechtigkeit verbleibt nicht lange und die Irreleitung verbleibt nicht lange. Das, was um uns herum passiert, das, was wir um uns herum sehen, das, was die ungerechten Oberhäupter anstellen, das erinnert uns alles an die Vergangenheit. Was stellt Qadhafi da an? Wen tötet er? Was hat Husni Mubarak angestellt? Wie viele wurden getötet? Wegen einer Abmachung bzgl. dem Gas, lieferte er Milliarden von Dollar an Israel und viele andere weitere Dinge. Genau so in Bahrain. Was macht der König in Bahrain? Wen tötet er? Wieso? Weshalb? Was stellt die Macht an, was stellt das Geld an? Kann ein unterdrückerischer Machthaber lange verbleiben? Niemals! Diese Leute respektieren ihren eigenen machthaberischen Stuhl mehr als die Häuser Allahs und die Moscheen. In Bahrain ist es soweit gekommen, dass ganze Moscheen zerstört und abgerissen wurden. Warum? Was ist der Grund?

Wir flehen Allah (swt) beim Recht der reinen und heiligen Ahlulbayt, speziell bei der reinen Sayyidah Zeinab (ع) und den Ehrenwerten und Heiligen und von Gott geliebten Persönlichkeiten, dass er jeden Unterdrücker erniedrigt und jeden Gläubigen erhöht.

___________________
übersetzt von Maher el Ali

Weitere interessante Artikel...