Für eine bessere Zukunft (Teil 6)

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– 200 Fragen und Antworten über die Angelegenheiten der Jugend, Ehe und Kinder von Abdul Adheem al-Muhtadi al-Bahrani

 

Frage 51: Wie spreche ich einen Freund auf eine schlechte Eigenschaft an ohne seine Freundschaft zu verlieren?

Frage: Ich habe einen Freund, der in jeder Hinsicht gut ist. Er ist nett und unsere Beziehung ist sehr gut, jedoch hat er eine schlechte Eigenschaft, die mich vor ihm abstößt, was ich aber nicht möchte. Ich kann mit ihm nicht offen über ein von ihm fehlerhaftes Verhalten sprechen und bin verwirrt, wie ich das Thema angehen soll. Diese schlechte Eigenschaft wird im Koran als Verrat der Augen bezeichnet.

Mein Freund ist sich dessen ganz bewusst, dass es unrechtmäßig ist, fremde Frauen anzustarren, und wenn es wiederholt wird, verwandelt sich das in einen Pfeil, der seine Augen, sein Herz und seine Seele verunreinigt. Dennoch schaut er Frauen heimlich und aus dem Augenwinkel hinterher. Er senkt kurz seinen Blick und guckt dann wieder hinterher. Schlimmer noch, wenn er mich zu Hause besucht oder wenn wir zusammen andere Freunde besuchen, senkt er seinen Blick nicht auf den Boden wie gewissenhafte Menschen, sondern erhebt sein Haupt und schaut dorthin und dahin ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass vielleicht eine Zimmertür offen sein könnte und dass ein Kind plötzlich eine Tür öffnen und sein Blick auf eine Frau kommen könnte. Und wie oft das schon passiert ist, er schaut zu der Frau, senkt seinen Blick und schaut sie dann noch mal aus dem Augenwinkel an und er hört nicht damit auf.

Ich möchte meine Beziehung zu ihm nicht beenden, doch gleichzeitig möchte ich auch meine Freundschaft zu ihm unter diesen Umständen nicht fortsetzen. Wenn ich eine religionsgemäße und vernünftige Lösung bekäme, dann wäre das Problem behoben. Können Sie mich bitte beraten, wie ich ihm dabei helfen kann.

Antwort: Wenn du deine Verlegenheit überwinden kannst und ihn an die Werte und moralischen Eigenschaften der Gläubigen und Frommen erinnern kannst, solltest das ohne zu zögern tun. Doch wenn es dir schwerfällt, solltest du ihm einen anonymen Brief schreiben, in dem du ihm deine Gedanken vermittelst und möge Allah dir zur Lösung des Problems verhelfen.

Manchmal gewöhnen sich Menschen an eine bestimmte schlechte Eigenschaft, und dann wird es schwierig, sich diese schlechten Eigenschaften innerhalb kurzer Zeit abzugewöhnen. Aus diesem Grund solltest du nach einer Weile wieder versuchen, ihm Rat zu erteilen, wenn du merkst, dass er sich nicht geändert hat.

Sprich ihn in deinen Briefen auf die Werte an, an denen er glaubt und warne ihn vor den negativen Konsequenzen seines schlechten Verhaltens, wenn er dabei bleibt, und vor der Bestrafung für den „Verrat des Auges“ am Tag der Wiederauferstehung. Sprich sein Gewissen an und mach ihn darauf aufmerksam, dass er sein Image vor seinen Freunden verlieren würde, wenn er dieses schlechte Verhalten beibehält. Auf all diese Dinge sollst du ihn in deinen anonymen Briefen ansprechen, und ich möchte ihm und seinesgleichen in den folgenden Zeilen noch etwas sagen:

Lieber Bruder, wie würde es dir ergehen, wenn einer deiner Freunde deine Frau, deine Tochter, deine Schwester usw. anstarren würde?
Wie würde es dir ergehen, wenn jemand dir drohend und zornig vor den anderen sagt: Schämst du dich nicht, meine Frau anzustarren?!
Wie würde es dir ergehen, wenn dich deine engsten Freunde verlassen und jeder dein Verhalten durchschauen würde?

Stell dir vor, dass einer deiner Gefährten dieses Verhalten aufzeigen würde, würdest du dich nicht über sie ärgern und ihnen anraten, dies zu unterlassen? Und wenn sie nicht darauf hören würden, würdest nicht den Kontakt zu ihnen abbrechen? Doch vor allem, denke an die Aussage eines Dichters:

„Verbiete (anderen) nicht eine Angewohnheit, während du sie selbst ausübst, es ist eine große Schande, wenn du das tust.“

Imam al-Hassan al-Askari (ع) sagte: „Aus Höflichkeit genügt es, dass du nicht das tust, was dir von anderen ebenfalls missfällt.“

An dieser Stelle bitte ich diesen Freund über folgende Überlieferungen der Unfehlbaren, die Gutes für ihn wollen, nachzudenken.

Der Prophet sagte (ص): „Unrechtmäßiges Schauen ist ein Pfeil des Satans. Wer es aus Furcht vor Allah unterlässt, dem gibt Allah eine Gläubigkeit, deren Süße er in seinem Herzen verspürt.“[1]

Er (ص) sagte auch: „Wer seine Augen mit Unrechtmäßigem füllt, dem wird Allah sie mit Feuernägeln am Tag der Wiederauferstehung füllen.“

Amir ul-Mu’minien (Imam Ali) (ع) sagte: „Seid auf der Hut vor dem Verrat, denn es ist die schlechteste der Ungehorsamkeiten. Ein Verräter wird für seinen Verrat im Feuer gequält.“[2]

Er sagte auch: „Wer seine Augen frei lässt, ermüdet seinen Verstand. Und wessen Blicke eines nach dem anderen folgen, dessen Seufzer setzt sich fort.“[3]

 

Frage 52: Was sagen Sie über moderne Mädchen, die sexuell aufdringlich sind, sogar außerhalb der Ehe?

Frage: Früher haben wir davon gehört, wie Mädchen von Jungs auf der Straße und über das Telefon belästigt wurden, doch heutzutage erleben wir das Gegenteil.

Mein einziger Sohn, der einmal studieren und mit einem hohen akademischen Grad absolvieren soll, wird mit den Telefonanrufen eines Mädchens regelrecht gejagt. Sie lässt das Telefon fünf, sechs oder sieben mal pro Tag klingeln, sogar in den Ruhezeiten, und wenn ich rangehe, spricht sie nicht und sie hört auch nicht damit auf, obwohl ich sie am Telefon beschimpft habe. Ich fragte meinen Sohn, ob er eine Beziehung mit einem Mädchen hat und er verneinte. Ich weiß, dass er die Wahrheit gesagt hat. Wir vereinbarten, dass er das nächste Mal den Hörer hebt und vorgibt, als hätte er auch Interesse, um so zu erfahren, wer das Mädchen ist. Als das Telefon klingelte, nahm er den Hörer ab, ich kam näher um mitzuhören. Sie sagte mit einem sanften Ton: „Ich bewundere dich und mein Leben ist eine Hölle ohne dich. Ich will nur deine Liebe. Kannst du meine Liebe erwidern?“

Mein Sohn, dessen Gesicht rot angelaufen war und mit der Stimme zögerte, sagte ihr dann: „OK, aber wie kann ich dich sehen, wie ist dein Name und wo wohnst du?“

Als sie sich sicher fühlte, hat sie sich vorgestellt, sie war die Tochter unseres Nachbarn, mit dem wir überhaupt keine Beziehung hatten. Ich bin verwundert über Väter und Mütter, die ihre Kinder nicht im Auge behalten. Wo bleibt Schüchternheit und Zurückhaltung? Wo bleibt Religion und Fürsorge? Ist das der Wert eines muslimischen Mädchens? Bitte sagen Sie mir, gibt es denn kein Bewusstsein mehr für Reinheit und Würde?

Antwort: In dieser Frage steckt auch die ganze Antwort für Menschen, die mit Herz und Verstand zuhören. Das Problem selbst zeigt sich in der Frage, die den Bildungsmangel und die Religionsschwäche aufdeckt. Die Krise klopft an der Tür, wenn sie denn nicht schon einige Häuser betreten hat!

Ich kenne etliche, die unter diesen schlechten Dingen leiden, die uns über die ausländischen Filme erreicht haben. Und noch schlimmer sind die arabischen Filme selbst, die seit den 50er Jahren einen verderblichen Einfluss auf unsere Gesellschaften haben. Die Satelliten-Sender zeigen diese Filme weiterhin, wo doch ihre Schauspieler in der Hölle schmoren.

Leider werden in muslimischen Ländern muslimische Schauspieler und Geld aus muslimischen Kassen zum Ungehorsam gegenüber Allah eingesetzt und zum weiter Wegrücken des Islam aus dem Alltag der Muslime, und davon sind Generationen betroffen.

Allahs Fluch sei auf jenen Ersten, der die Grundlage für Unrecht, Verworfenheit und Abweichung unter den Muslimen geschaffen hat und auf den Letzten seiner Anhänger!

Jene Väter, die sich nicht um die Ehre ihrer Töchter kümmern, sind selbst Opfer von diesen irreleitenden Filmen und Medien. Was soll man bei solchen Missständen noch von den Töchtern erwarten?

Mein Vorschlag zur Lösung dieses Problems wäre, mit der Familie des Mädchens zu sprechen und ihnen anzuraten, sie früh zu verheiraten, denn wenn ein reifer Apfel nicht gepflückt wird, wird er verderben und zu Boden fallen, und dann wird er zertreten oder von Tieren gefressen. So würde es dem verliebten Mädchen ergehen, wenn Sie nicht verheiratet wird.

Dies wird von vielen Eltern dieser Zeit nicht verstanden und der Grund dafür ist, dass Sie die Religion aus ihrem Alltag verbannt haben.

Liebe Schwester, was deinen Sohn betrifft, so solltest du mit ihm ganz offen sprechen. Wenn er sein Studium ohne kontinuierliches Denken an das andere Geschlecht fortführen kann, dann wäre das besser für ihn. Wenn er jedoch unter dem Druck des sexuellen Verlangens leidet, wäre es besser, wenn er heiratet, damit er sich dann auf sein Studium konzentrieren kann, sonst würde er weder erfolgreich sein Studium absolvieren noch bei guter seelischer und körperlicher Verfassung bleiben können.

Natürlich ist es ziemlich schwierig, den Anforderungen des Studiums und der Ehe gleichzeitig zu genügen, doch wird dies mit einem starken Willen zu überwältigen sein, einem Willen, mit dem Schwierigkeiten souverän angepackt und eine zufriedene und einfache Ehe, frei von aufwendigen Verschwendungen, geführt werden kann.

Es obliegt dem vernünftigen Menschen, die Nutzen einer Ehe mit gleichzeitigem Studium und die Nachteile der erdrückenden Lust abzuwägen, und dann seiner Vernunft und den Empfehlungen der Religion zu folgen.

 

Frage 53: Wie können moderne junge Frauen moralische Charaktereigenschaften erwerben und aufrechterhalten?

Frage: Ich bin eine junge Frau aus einer religiösen Familie und bin selbst religiös in jeder Hinsicht, Allah sei Dank! Ich habe eine Schulfreundin, mit der ich öfters Zeit verbringe, die jedoch nicht religiös ist. Sie interessiert sich nur für die Nachrichten über Sänger, Sportler, Teenagerangelegenheiten, Belästigungen und dem Austausch von Briefen mit jungen Männern, obwohl sie selbst noch sehr jung und erst sechzehn Jahre alt ist. Können Sie bitte an dieser Stelle die Jugendlichen, die Väter und die Mütter mit den notwendigen Empfehlungen aus islamischer Sicht ermahnen. Vielen Dank für ihre Bemühungen, uns die Richtung in ein glückliches Leben im Diesseits und im Jenseits zu weisen.

Antwort: Vielen Dank für deine Worte, liebe gläubige und diskrete Schwester. Deine Sorge um deine Freundin und die Pflege deiner Religion zeugt von einer guten Erziehung. Ich hoffe du machst weiter auf diesen Weg, bis du deine ewige Glückseligkeit erreichst.

Das Problem, das du angesprochen hast, ist Teil der bitteren Realität, die Väter und Mütter versuchen zu verdrängen und denken, sie könnten somit das Verhalten ihrer heranwachsenden Töchter decken. Ich denke, dass Gleichgültigkeit gegenüber solchen Mädchen sie nur noch mehr zu Verdorbenheit ermutigt, und diese Sache zu decken ist nur dumm, weil solche Mädchen nur noch als Beute für andere dienen und die Skandale um sie werden von Mund zu Mund weitergeleitet.

Zunächst muss ich erwähnen, dass das Problem in erster Linie bei den Eltern liegt, denn indem diese ihre Kinder fern der Religion und der Liebe erziehen, befördern sie sie auf den Weg der Verdorbenheit, und wenn dann eine Tragödie passiert, halten sie eiligst Ausschau nach Lösungen, doch werden sie keine finden, auch wenn sie vor Kummer und Reue weinen.

Wenn nur diese Eltern, die der Religion den Rücken gekehrt und sich ihrer Verantwortung entzogen und es versäumt haben, ihre Kinder mit Liebe und Zuneigung zu erziehen, auch wenigstens auf westliche Gelehrte hören würden.

Dr. Raymond Pages sagt: „Das erste Bild, das sich ein Kind von Gott macht, entsteht über die Beziehung mit seinen Eltern. Auch das erste Verständnis von Gehorsamkeit, Vergebung und Aufrichtigkeit steht in engem Zusammenhang zu der Lebensführung seiner Familie. Mag sein, dass Eltern nicht die passende Gelegenheit finden, ihr Kind zu lehren und sein Denken zu fördern, also müssen sie mit voller Entschlossenheit, Willen und Wachsamkeit Gott den Kindern auf die beste Weise vorstellen, dabei können sie sich auf zwei Quellen beziehen: Religion und Natur.“[4]

Liebe Tochter, was deine Situation mit der vom Weg abgekommenen Freundin betrifft:

Erstens, gehe mit ihr sachte und fürsorglich um, sowie du mit einem kranken Mensch umgehen würdest, der viel Fürsorge braucht. Du kannst ihr religiösen Rat erteilen und mit Natürlichkeit und Gewissen mit ihr sprechen, weil du den Glauben, die Moral und die Geduld dazu hast. Du solltest ihr klarmachen, dass der Zweck ihres Daseins darin liegt, die Genüsse des Paradieses zu erlangen. Der Islam verbietet nicht die Genüsse dieses Lebens, vorausgesetzt man erlangt sie auf rechtmäßige Weise.

Zweitens, wenn sie heiraten kann, kannst du mit anderen religiösen Frauen, die sich mit diesen Angelegenheiten auskennen, das Prozedere in Gang bringen.

Drittens, bringe, während du sie berätst und warnst, die abschreckenden Aspekte der islamischen Lehre mit ein – ich meine, was den Tod betrifft: der Druck des Grabes und seine Einsamkeit und Dunkelheit für jene, die Allah nicht gehorchen. Es wird in Überlieferungen erwähnt, dass „derjenige, der das Feuer fürchtet, unrechtmäßige Dinge unterlässt.“ Sage ihr, dass der Allmächtige Allah den Menschen in den Schwierigkeiten und Schrecken des Tages der Wiederauferstehung stellen wird, um ihn für seine Taten zur Verantwortung zu ziehen. Allah sagt im Heiligen Koran: „Wahrlich, das Gehör, der Blick und das Herz, alle diese sind hierfür verantwortlich.“[5]

Es gibt viele Geschichten, die beim Anleiten einer Person einflussreich und hilfreich sein können, und Allah wird dich dafür belohnen.

Geschichten über Unfälle zeigen in unserer heutigen Zeit, dass die meisten Todesopfer ahnungslose Jugendliche sind. Der Tod kann ganz unvermittelt und schlagartig eintreten, ist es nicht so?

Und wenn sie letztendlich nicht auf dich hört und du stellst fest, dass sie auf dich abfärben könnte oder deinen Ruf schaden könnte, solltest du ohne zu zögern den Kontakt zu ihr abbrechen, denn wie der Prophet (ص) sagte „ein starker Gläubiger ist besser als ein schwacher Gläubiger“.

 

Frage 54: Was ist die Lösung zur Vermeidung von Streitigkeiten und Respektlosigkeit unter Geschwistern?

Frage: Ich bin ein zwanzig-jähriges Mädchen. Ich lebe am Rande eines Nervenzusammenbruchs, dass ich nicht einmal mehr Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten habe, ein glückliches Leben führen zu können. Unser Haus ist wie ein Kampfring, in dem nur das Gejammer und der Geschrei meiner Geschwister herrschen. Wir streiten uns über fast alles und sind uns nie einig über eine Sache. In jeder Situation stehen wir gegen einander und runzeln die Stirn. Keiner von uns respektiert den anderen, obwohl jeder weiß, dass dies ein schlechtes Verhalten ist, aber wir wissen nicht, wie und warum wir so geworden sind. Wie können wir diese Situation ändern? Haben Sie bitte eine Lösung für unser kompliziertes Problem?

Antwort: Uneinigkeit zwischen Menschen ist bis zu einem gewissen Grad etwas ganz natürliches, weil jeder Mensch seine eigene Vorstellung und Denkweise hat. Jedoch kann diese Unabhängigkeit, wenn sie nicht moralischen Grenzen unterliegt, in das ausarten, was du in deinem Haus siehst, was eher einem Dschungel oder einem Zoo gleicht. Und es ist nur zu natürlich, dass dies deine Nerven strapaziert und dir und den anderen Misserfolge bringt.

Die Gründe sind unter anderem folgende:

  1. Das Fehlen der religiösen Atmosphäre im Haus, die z.B. durch das Rezitieren des Korans, Bittgebete, religiöse Treffen und das Lesen islamischer Geschichtsbücher hergestellt werden kann.
  2. Das Versäumnis der Eltern, Liebe und kooperierenden Teamgeist in ihren Kindern zu wecken.
  3. Das Gefühl der Kinder, dass es beim Umgang mit ihnen seitens der Eltern an Gerechtigkeit und Fairness mangelt.
  4. Permanentes Intervenieren in ihre Angelegenheiten führt zu Faulheit und Unselbständigkeit, stattdessen sollte ihr Selbstvertrauen gefördert werden, um ihre Probleme zu lösen und ihre Ziele zu erreichen.
  5. Wünsche und Erwartungen, die unmöglich zu realisieren sind, außer durch harte Arbeit.
  6. Zu kleines Haus und das Fehlen von Dingen für den täglichen Bedarf in einem Familienhaus.

Der Ausweg aus dieser Lage besteht in den folgenden Schritten:

  1. Eine angespannte Person sollte sich entspannen.
  2. Wenn sich Uneinigkeits- oder Streitsituationen anbahnen, sollte sie sich diesen fernhalten.
  3. Sie sollte den Umgang mit guten Nachbarn pflegen, Freundschaften mit guten Menschen schließen und sie ab und zu besuchen.
  4. Sie sollte sich auf rechtmäßige Weise vergnügen und einige Zeit in der freien Natur verbringen und die schönen Szenen der Natur beobachten.
  5. Sie sollte Allah gedenken, Koran und Bittgebete rezitieren und gute Bücher lesen.
  6. Sie sollte Comicbücher lesen, wenn sie sich müde oder erschöpft fühlt, denn manchmal reicht nur ein kleiner Scherz oder ein Lachen aus und schon ist jeder Streit beigelegt.

Zum Schluss erwähne ich noch eine Situation, die sich vor mir bei einem meiner Verwandten abgespielt hat. Wir saßen im Wohnzimmer und ich hatte die Fernbedienung in der Hand. Und jedes Mal wenn Gesang oder Musik kam, wechselte ich entweder den Sender oder schaltete auf stumm. Währenddessen fragte mich einer der Jungs nach der Sicht des Islam über Musik und ich antwortete ihm, dass es unrechtmäßig sei. Er diskutierte mit mir und ich erklärte ihm die vielen Nachteile vom Musikhören, und er diskutierte mit mir wieder. Sein Vater wurde sauer auf ihn, und dann bevor sein Vater noch zorniger werden und ihn noch mehr beschimpfen würde, richtete ich die Fernbedienung auf den Mund des Vaters, als wollte ich seinen Ton damit leiser stellen! Ich brachte ihn zum Lachen und dann lachten alle mit ihm. Der Moment war geprägt von Freude und Spaß anstatt von Streit und Unstimmigkeit. Und danach bin ich detailliert auf das Thema Musik und ihre schädliche Auswirkungen eingegangen.

Frage 55: Wie kann ich mich vor Sorge, Zerstreutheit, Geistesabwesenheit und Vergesslichkeit bewahren?

Frage: Können Sie mir bitte sagen, wie ich mich vor Sorge, Zerstreutheit, Geistesabwesenheit und Vergesslichkeit bewahren kann? Ich wäre Ihnen sehr verbunden.

Antwort: Hier sind zwanzig Punkte, wenn du diesen folgen würdest, wäre ich dir sehr verbunden:

  1. Stehe früh genug auf, damit du genügend zeit hast, deine Termine oder Aufgaben in Ruhe durchzugehen.
  2. Frühstücke gut und haste nicht beim Essen.
  3. Verschiebe nicht die Arbeit von heute auf morgen, denn an jedem Tag fällt neue Arbeit an.
  4. Schließe Freundschaften mit Menschen, die eine gute psychologische Verfassung haben.
  5. Nimm dir jeden Tag etwas Zeit, um in der Stille tiefgründig über ethische Angelegenheiten und Gottesdienst und die Antworten darüber nachzudenken: Woher komme ich? Was bin ich jetzt? Wohin werde ich nach dem Tod gehen?
  6. Mache jeden Tag einige Leibesübungen, sei es auch nur für eine halbe Stunde.
  7. Danke Allah für den Segen, den du hast, und bausche deine Probleme nicht auf.
  8. Schreibe auf, was du jeden Tag machen willst.
  9. Denke gut über die Konsequenzen des Gesagten nach, bevor du sprichst.
  10. Gönne deinem Körper Entspannung und Auszeit und betreibe Schwimmen.
  11. Atme so tief durch wie es nur geht.
  12. Mache dir keine Sorgen über das, was du nicht erlangen kannst.
  13. Lebe dein Leben aufrichtig, und denke über deinen Zustand und über dein Umfeld nach.
  14. Lache wenig, und wenn du weinst, dann weine viel! Mache dein Lachen und dein Weinen zur Freude deines Herzens und zur Behaglichkeit deiner Nerven.
  15. Esse nicht mehr als du brauchst!
  16. Verspreche niemandem, was du nicht erfüllen kannst, und wenn du Versprechen machst, dann sage „Inshallah“!
  17. Schäme dich nicht zu sagen „Entschuldigung, Ich kann nicht, … Ich weiß nicht“, wenn du wirklich nicht kannst oder nicht weißt!
  18. Sei meist ein guter Zuhörer, und wenn du sprichst, sprich soviel wie dafür notwendig ist, um deine Gedanken zu vermitteln und zu erklären! Versuche dir eine gewandte und schöne Redeweise anzueignen.
  19. Lese soviel du kannst politische, wissenschaftliche und kulturelle Nachrichten und halte dich auf den Laufenden.
  20. Denke über das Paradies und das Glück, das du dort erlangen wirst und stelle dir vor, dass du für immer darin verweilen wirst, aber halte dir immer vor Augen, dass du in der Gegenwart die Mühe dafür aufbringen musst.

Frage 56: Mein Vater geht zuhause immer zornig mit uns um, doch zu Fremden ist er immer ganz freundlich? Wie erklären Sie diesen Dualismus?

Frage: Zuhause ist mein Vater immer zornig mit uns, aber woanders ist er stets freundlich zu den anderen, wie erklären Sie diesen Dualismus?

Antwort: Dieses Verhalten rührt von seiner Unzufriedenheit mit sich selbst und mit seinem Eheleben her. Es bedeutet, dass er in seinem Leben auf etwas gehofft hat, doch erlitt er eine Enttäuschung, die entweder mit seiner Person selbst oder mit seiner Familie in Zusammenhang steht. Und diese Sache verursacht großen Druck auf seinem Herzen, seine geistige Verfassung und seine Nerven. Wann immer er sich seiner unerreichten Ziele bewusst wird, leiden seine Nerven darunter und er wird aufgebracht und aufgrund dessen ärgert er sich über die trivialsten Dinge. Aus diesem Grund schüttet er sein Ärger auf die ihm nächststehenden, weil er weiß, dass diese ihn nicht verlassen werden, wobei andere ihm einfach den Rücken kehren und ihn verlassen würden. Er lässt seinen Ärger zuhause raus, damit er seine Freunde außerhalb des Hauses nicht verliert.

Menschen, die dieses Verhalten aufweisen, mögen eigentlich gutes Benehmen und versuchen damit gegenüber anderen ihre Fehler zu verstecken, und das macht ihm zu schaffen. Was der Grund auch sein mag, ich empfehle dir, geduldig mit ihm zu sein und sein Verhalten zu ertragen und gehe mit ihm respektvoll um, denn er ist in schlechter seelischer Verfassung und braucht viel Fürsorge. Wenn es möglich ist, solltest du ihm helfen, seine Ziele, wenn sie denn legitim sind, zu erreichen, dadurch wird sein Gemüt ruhiger und bei euch kehrt wieder Ruhe ein.

Frage 57: Wie sollen wir jemanden ansprechen, der ständig scharfe Kritik an anderen übt?

Frage: Seit einiger Zeit kritisiert meine Mutter jeden, der nur den kleinsten Fehler begeht und so wurde sie zum Mittelpunkt von Klatschereien und zur Hauptursache von Meinungsverschiedenheiten in der Familie. Meine Freunde besuchen mich nicht mehr wegen ihr. Wir trauen uns nicht mehr, uns vor ihr auszusprechen, insbesondere seit dem sie wütend auf meine Schwester ist, die das einmal versucht hat. Wir wissen nicht, wie wir mit ihr umgehen sollen. Sie hat zwar Recht in ihrer Kritik über die anderen, aber wir wollen nicht mit anderen in Schwierigkeiten geraten, weil viele Leute heutzutage keine Kritik vertragen können, geschweige denn von meiner Mutter, die gnadenlos, scharf und stechend in ihrer Kritik ist. Wir hoffen von Ihrem Rat bezüglich dieser Angelegenheit einen Nutzen zu ziehen.

Antwort: Ältere Menschen leiden oft an schwachen Nerven, und deshalb ertragen sie Dinge nicht, die sie stören. Wenn sie religiös sind, machen sie Verstöße und Ungehorsam wütend; wenn sie es nicht sind, machen sie Dinge, die nicht ihren Vorstellungen und Wünschen entsprechen wütend; wenn sie krank sind, machen sie laute Geräusche und Lärm wütend…usw.

Eine dieser Gründe macht aus deiner Mutter eine harte Kritikerin, was auch Ärger mit sich bringen kann. Um dieses Problem zu beheben, schlage ich vor:

  1. Ihr solltet sie vor allem fernhalten, was ihre Nerven strapaziert, d.h. Dinge, die sie zur Kritik bringen, dürfen nicht mehr in ihrer Anwesenheit passieren.
  2. Bittet die Personen, die sich mit ihr treffen, nichts zu machen, was ihre Kritik auslöst und an ihre Nerven zerrt.
  3. Ihr solltet ihr gegenüber Nachsicht üben und euch ihres kranken psychologischen Zustands bewusst werden und dass sie eure Fürsorge, Toleranz und Geduld braucht.
  4. Ihre Nahrung sollte zum größten Teil aus kalten Speisen bestehen wie z.B. Joghurt, Obst und Gemüse und dergleichen.
  5. Findet eine Person, die durch ihre Freundschaft und Weisheit Einfluss auf sie haben kann, denn egal wie fanatisch ein Mensch auch ist, durch Freundschaft kann er moderater werden.
  6. Du kannst mit ihr zusammen zu Vorträgen gehen und mit dem Vortragenden vereinbaren, Themen aufzugreifen, die zur Änderung ihrer Einstellung beitragen können. Von Vorteil wäre, wenn der Vortragende auf drei Hauptpunkte eingeht:

Erstens: Fehler zu machen ist etwas natürlich Menschliches. Der Mensch ist weder ein Engel noch ein Tier, er ist eine Mischung aus beiden. Die Propheten, die zu den Menschen gesandt wurden, wurden dazu angewiesen, freundlich zu ihnen zu sein.

An dieser Stelle möchte ich die Geschichte eines der Propheten erwähnen, von dessen Blick die Schleier für einige Zeit entfernt wurden (d.h. Gott gewahr ihm, Dinge zu sehen, die das normale Sehvermögen des Menschen nicht sehen kann). Jedes Mal wenn er unrechtmäßige Handlungen in den Häusern der Menschen sah, verfluchte er sie und bat zu Allah, er möge sie mit einer Plage bestrafen. Allah offenbarte ihm: „Ich weiß mehr über sie als du und es gebührt mir eher, sie zu verdammen und zu bestrafen, doch meine Barmherzigkeit geht meinem Zorn voraus. Ich habe dich zu ihnen gesandt, damit du sie zu meiner Barmherzigkeit einlädst und nicht um meinen Zorn über sie anzurufen.“

Über die göttliche Barmherzigkeit zu sprechen, kann dabei helfen, Extremismus und den Hang zur Kritik, sowie bei deiner Mutter, zu reduzieren, sowie das Sprechen über die göttliche Bestrafung Ausschweifungen zügeln kann.

Zweitens, „das Rechte gebieten und das Schlechte verwehren“ sollte auf eine höfliche und angemessene Art und Weise erfolgen, wenn dies nicht gegeben ist, ist es unakzeptabel und fehlerhaft.

Gute Redner erklären den Menschen, dass sie Kritik auf eine höfliche, freundliche, kluge und akzeptable Art und Weise ausüben sollen, ansonsten besteht die Gefahr, dass der Zweck verloren geht und das Problem komplizierter wird, und das an sich ist ein größerer Fehler als der Ausgangsfehler.

Drittens sollte ihr der Umgang des Propheten (ص) und der unfehlbaren Imame (ع) mit Übeltätern dargestellt werden. Allah sagte „Rufe auf zum Weg deines Herren mit Weisheit und guter Ermahnung, und diskutiere mit ihnen auf eine bessere Art und Weise.“[6]

In dieser Hinsicht möchte hier erwähnen, dass es wohl von uns gefordert ist, Rat zu geben, das Rechte zu gebieten und das Schlechte zu verwehren, weil sie religiöse Pflichten, ethische Notwendigkeiten, soziale Bedürfnisse und zivilisiertes Benehmen sind. Dennoch sind Weisheit, gute Manieren und schlagkräftige Argumentation unabdingbare Voraussetzungen. Jene, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, sollten sich lieber still verhalten, da sie eine Situation eher verschlimmern und den Zweck der Kritik verfehlen würden. Der Islam möchte keinen Bogenschützen ohne Bogen oder einen Gelehrten ohne Wissen.

 

Frage 58: Wie können wir mit dem Phänomen unserer Zeit „Depression“ umgehen?

Frage: Wie Sie sicherlich wissen, ist Melancholie die typische Krankheit unserer Zeit. Psychologische Kliniken sind überfüllt mit kranken Menschen, deren Leben durch Melancholie aus den Fugen geraten ist. Ich habe einen melancholisch introvertierten Vater. Obwohl er erst vierzig Jahre alt ist, sieht er aus wie siebzig. Dieser Zustand macht unser Familienleben schwer. Ich bin 15 Jahre alt, aber ich weiß nicht was meinen Vater soweit gebracht hat. Hat der Islam Lösungen, auf die man zurückgreifen kann, um solchen kranken Menschen zu helfen? Würden Sie bitte ausführlich auf dieses Thema eingehen, denn es gibt viele Menschen wie mich, die diesbezüglich dringend Rat brauchen.

Antwort: Der Islam hat für alles eine Lösung. Er legt die Maßnahmen zur Heilung der Melancholie und ähnliches dar und betont ausdrücklich ihre Vorbeugung. Im Folgenden fasse ich die Antwort in fünf Punkten zusammen:

Erstens: Die Überlieferungen des Propheten (ص) und der unfehlbaren Imame (ع) haben auf „Melancholie“ Bezug genommen und sie als ein „Kummer“ und „Leiden“ bezeichnet. Und sie haben die Muslime gewarnt und ihnen mitgeteilt, dass „wenn der Kummer zunimmt, der Körper krank wird“ und „Kummer ist die Hälfte der Greisenhaftigkeit“ und „Kummer ist die Krankheit der Geisteshaltung“.

Langeweile, üble Laune, Appetitlosigkeit, körperliche oder psychologische Schwäche, Schlafstörungen, Labilität, Geistesabwesenheit, Pessimismus, Erschöpfung, Schuldgefühle, Trägheit, keine Freude zu empfinden angesichts schöner Naturszenen oder anderer schöner materieller Dinge, Vernachlässigung der eigenen Gesundheit und dem Leben keine Bedeutung beimessen, das alles sind Eigenschaften von melancholischen Menschen und wurden in Überlieferungen in bestimmten Zusammenhängen erwähnt.

Zweitens: Es gibt da einen engen Zusammenhang zwischen Melancholie und der Kultur des Individuum und der Gesellschaft. Manche religiöse und soziale Kulturen führen durch ihre tragischen literarischen Werke, ihre traurige Musik und das Weinen zu Melancholie, so wie es in den östlichen Ländern verbreitet ist. Was die westlichen Länder betrifft, so treibt die Loslösung von Familienbeziehungen die Menschen in die Melancholie, als sie sich alleine dastehen sehen mit niemandem, mit dem sie ihre Freuden und Sorgen teilen können. Darauf ist auch die zunehmende Suizidrate in den westlichen Ländern, in denen Familienbeziehungen vernachlässigt werden, zurückzuführen, während in Japan, wo der Familienzusammenhalt aufrechterhalten und die Beziehungen gepflegt werden, die Suizidrate sehr niedrig ist, zugleich verzeichnen die religiösen und ländlichen Gesellschaften die niedrigste Suizidrate und sind am wenigsten betroffen von Melancholie, weil in solchen Gesellschaften die Religion den Suizid als ein Mord ansieht, der mit dem ewigen Aufenthalt in der Hölle vergolten wird. Ferner leistet die Religion den sentimentalen und spirituellen Bedürfnissen des Menschen Genüge und gibt ihm Kraft, sich an Veränderungen anzupassen und kurbelt in ihm positive Antriebskräfte an, die der Melancholie standhalten.

Drittens: Die auslösende Ursache für Melancholie muss definiert werden, denn es sind nicht die gleichen Ursachen für alle Menschen, sondern sie unterscheiden sich von Fall zu Fall. Als Ursache kann z.B. für jemanden der Mangel an Liebe und Zuneigung sein und für einen anderen die Anstauung von seelischem Leiden, oder Gewissensbisse nach dem Begehen einer Sünde bzw. Gräueltat, Enttäuschung, der Tod einer geliebten Person, Auswanderung und fern der Familie und Verwandten sein, großer finanzieller Ruin oder Armut und Bedürftigkeit.

Viertens: Wie kann man diese Krankheit erfolgreich behandeln?

Moderne psychologische Anstalten greifen bei der Behandlung dieser Krankheit auf Beruhigungstabletten zurück, wie Valium oder andere glücksstimulierende Mittel, und wieder andere Kliniken bevorzugen Elektroschocks. All diese Behandlungen werden von der Islamischen Medizin abgelehnt, die die zunächst auf Vorsorge beruht und dann auf Heilung.[7]

Zur Heilung dieser Krankheit beschreibt der Islam folgendes:

  1. Eine kalte Dusche nehmen, und insbesondere das kalte Wasser über den Kopf brausen lassen; Imam Ali (ع) sagte: „Wenn jemand Kummer hat, den er nicht bestimmen kann, dann soll er sich sein Kopf waschen“.[8]
  2. Kleidung waschen und schlechte Gerüche entfernen, was bedeutet sich im Allgemeinen sauber zu halten; Imam Ali (ع) sagte: „Seine Kleidung zu waschen, nimmt den Kummer und die Sorgen“.[9]
  3. Gott viel erwähnen, insbesondere indem man folgendes sagt: „Es gibt keine Macht außer in/mit Allah“; der Prophet (ص) sagte: „Das Sagen von ‚Es gibt keine Macht außer in/mit Allah‘ hat eine Heilung vor 99 Krankheiten, die kleinste davon ist Kummer“[10]. Imam Sadeq (ع) sagte: „Wenn der Kummer zunimmt, erwähne „Es gibt keine Macht außer in Allah“[11].
  4. Trauben essen hilft, wie es in den Überlieferungen des Propheten (ص) und der unfehlbaren Imame (ع) berichtet wird.[12]

Fünftens: Schutz ist die effektivste Art und Weise vor Melancholie und Introvertiertheit. Der Islam hat konstruktive Lehrmethoden entwickelt, um jeden negativen Zustand, der die Behaglichkeit und das Glück eines Menschen zerstören kann, zu verhindern. Zunächst baut der Islam den Glauben in einem Menschen auf und dann festigt er diesen Glauben bis der Mensch das Niveau erreicht, in dem er von der Weisheit Allahs überzeugt ist und sich zufrieden gibt mit dem Schicksal, das Allah für ihn bestimmt hat.

Der Prophet (ص) sagte: „Allah ließ durch seine Weisheit und Gunst Behaglichkeit und Freude mit Sicherheit und Zufriedenheit einhergehen und Kummer und Sorgen mit Zweifel und Unzufriedenheit.“[13]

Ein wahrer Gläubiger sieht die Gründe für Melancholie als belanglos an, insbesondere wenn er folgenden Koranvers rezitiert: „Es kann sein, dass ihr etwas hasst, und Gott veranlasst darin viel Gutes.“[14]

Ein wahrer Gläubiger beneidet andere nicht, weil er weiß, dass „Neid die guten Taten frisst, wie das Feuer das Feuerholz frisst.“ Imam Ali (ع) sagte: ‚Ich habe niemand ungerechteren gesehen als denjenigen der beneidet: ständiges Keuchen, aufgewühltes Herz und endlose Sorgen‘[15]. Ein wahrer Gläubiger trachtet nicht nach den materiellen Freuden dieses Lebens, weil er das islamische Konzept kennt über das irdische Leben, „es enttäuscht, zerstört und scheidet dahin.“[16]

Ein wahrer Gläubiger unterwirft sich der Überlieferung vom Imam as-Sadeq (ع), die besagt: ‚Das irdische Leben zu lieben verursacht Kummer und Sorge, und sich davon loszulösen bereitet dem Herzen und dem Körper Behaglichkeit‘[17].

Ein wahrer Gläubiger hechelt nicht nach seiner Lust und Laune, die in seinem Inneren schlummern und denkt auch nicht darüber nach, denn er hat die Ermahnung des Propheten gehört (ص): ‚Die Lust eines Moments kann lang andauernde Sorge bringen‘[18].

Daher schützt sich ein Gläubiger bevor er in Melancholie verfällt. Das ist das Schutzschild des Glaubens, das den Menschen vor Melancholie und dergleichen bewahrt.

Lieber Bruder, lies diese Antwort deinem Vater vor und sage ihm:

  1. Glaube an Allah und gehe mit der Hoffnung vor, das Glück des Paradieses zu erlangen, weil diese Haltung den Menschen für die Erschwernisse des Lebens Geduld und Ausdauer verleiht.
  2. Sei aktiv und nicht träge.
  3. Keine Fehler zu machen, ist kein Grund stolz zu sein. Stolz gebührt eher jenem, der seine Fehler meistert und sie behebt.
  4. Lieber Vater, erhebe dich und bringe Licht auf deinen Weg und auf den Weg anderer, weil eine umgedrehte Kerze kein Licht gibt.
  5. Hast du über Blumen nachgedacht und ihre Düfte gerochen? Wenn es keine Blumen im Leben gäbe, wären die Szenen der Schönheit unvollständig.
  6. Glück ist eine Gabe von Allah. Warum erhebst du nicht deine Hände Richtung Himmel, um diese Gabe zu erhalten?

Schließlich kannst du ihm sagen, dass Sorge, Unmut, Angst und Melancholie den Menschen von Allah fortnehmen und deshalb sollte er Allah gedenken und Ihm nahe sein, um frei von all diesen psychischen Krankheiten zu sein. Sage ihm: „Komm schon, vergiss die Vergangenheit und ändere deinen und unseren Zustand zum Besseren durch die Hilfe Allahs.“

Frage 59: Kann der Glaube heutzutage trotz der Fülle von Versuchungen verbreitet werden?

Frage: Schwacher Glaube und mangelnde Überzeugung sind heutzutage weit verbreitet. Unsere bejahrten Eltern sagen uns, dass früher der Glaube viel stärker war. Glauben Sie, dass es heute möglich ist, parallel zur großen Verdorbenheit und der Mittel zur Abweichung, die sich überall Zugang verschafft haben und sogar über TV, Video und Internet in unsere Häuser eingedrungen sind, Glauben zu verbreiten.

Antwort: Wenn man weiß, dass der Glaube an Gott Ruhe und Leichtigkeit im Herzen erzeugt, was wiederum Glück und Erfolg mit sich bringt, so führt das zu einem angenehmen und glücklichen Leben.

Wenn man aufrichtigen Herzens glaubt, dass Gott (Allah) einen beschützt und unterstützt, und wenn man weiß, dass der Glaube an Gott einen dazu auffordert, Gott zu gedenken, und dass dieses Gedenken Ruhe im Herzen erzeugt, was die Basis für ein erfolgreiches Leben ist, dann wird man den Wert der Religion kennen und sich vom Verderben fernhalten. Man wird sich fragen: Wenn das Leben im Schatten des Glaubens mir, meiner Familie und meiner Gesellschaft Glück beschert und Liebe und Zusammenarbeit unter uns verbreitet, warum sollte ich dann ein Leben unter einem anderen Schatten führen?

Durchaus, es ist schwer in einem nicht religiösen Umfeld, der tatsächlich vorwiegt, religiös zu sein. Religiöse Personen werden oft zur Zielscheibe von Missachtung und Beschimpfung und leiden sehr stark bei ihrem Bemühen, dem Widerstand zu leisten und auf ihren Pfad der Tugend weiter zu beharren. Sie fühlen Schmerz und Sorge für die irregeleiteten und höhnischen Menschen. Doch werden solche Menschen immer standhafter, wann immer sie in einem Kampf siegen und dies verleiht ihnen wieder Freude und Mut, um auf den geraden Pfad fortzusetzen, insbesondere, wenn sie sich an die hierfür stehenden Freuden, Segen und Belohnungen im Paradies erinnern.

Sät man ein Saatkorn, so wächst und gedeiht es erst dann, wenn man viel Zeit und Aufwand dafür aufbringt, wie die Saat, so die Ernte. Das gleiche gilt für das Sperma. Nistet sich das Sperma des Vaters in der Gebärmutter ein, entsteht nur dann ein gesundes Kind, wenn alle Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

Ein Samen braucht viel Fürsorge und Geduld genauso wie ein Sperma. Braucht dann ein Gläubiger nicht auch Geduld, bis sein Glaube Früchte trägt? Auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, erntet er die Früchte seines Glaubens auf die ein oder andere Weise tagtäglich. Und das Gleiche gilt bezüglich unserer Kinder, deren Herzen nur nach viel Mühe, Geduld und Fürsorge für den Glauben empfänglich sind.

Die Eltern sind dafür verantwortlich, den Glauben in den Herzen ihrer Kinder zu erwecken, indem sie sich mit ihnen anfreunden, ihnen Liebe und Zuneigung zeigen, sie küssen, umarmen, mit ihnen spielen, sie anhören, und ihnen erklären, was richtig und was falsch ist. Die Eltern werden den Erfolg für all diese Mühe ernten. Wenn es Fehler oder Missstände gibt, dann haben die Eltern dies sich selbst zuzurechnen.

Wenn diese Fakten und ihre Nutzen klar sind, können Hindernisse vom gläubigen Menschen selbst leicht aus dem Weg geräumt werden, und er wird alles verachten, was ihn von seinem Weg zur Tugend ableitet. Ein echter Gläubiger lässt es nicht zu, dass Fernsehen, Video oder Internet seine Zukunft oder die seiner Kinder zerstören – sofern diese als Mittel zur Verdorbenheit und Laster verwendet würden, die den Glauben schwächen und auf den Pfad des Elends und der Verzweiflung führen würden.

Ist es für eine vernünftige Person angemessen, ihre Kinder, die sie über alles liebt, inmitten von Seuchen und Krankheiten irren zu lassen, die ihre Seele und ihre Körper beeinträchtigen und sie in das Feuer der Hölle führen? Um diesem Strom entgegenzuwirken, müssen Eltern ihren Kindern schon in frühen Jahren ihre Religion auf eine weise und erfolgreiche Methode beibringen, damit sie später nicht irregeleitet werden.

Wenn Eltern ihre Verantwortung vom ersten Tag an wahrnehmen, dann wird die angeborene reine Natur der Kinder rein bleiben. Der natürliche Instinkt des Menschen war und ist immer noch der Gegenstand, auf den Propheten, Reformer und alle guten Menschen sich bei ihrer Aufgabe als Wegweiser verließen. Ohne die von Geburt an reine Natur (natürliche Instinkt) des Menschen, die Gott in ihn eingebettet hat, wäre niemand in der Lage, Menschen aus der Dunkelheit des Irrglaubens in das Licht des Glaubens zu führen. Es ist ein großer Fehler, anzunehmen, es sei hoffnungslos, Menschen in die richtige Richtung weisen zu können. Hätten die Heiligen und Propheten auch von vorn herein diese Einstellung, hätte keiner der Menschen ihrer Zeit zum Glauben finden können. Was auch immer Verdorbenheit vorherrschen lässt, es verschwindet aus dem einfachen Grund, dass Lüge und Unwahrheit dahinschwinden, wenn die Wahrheit kommt. Also machen wir es uns zur Aufgabe, uns für die Wahrheit einzusetzen und vertrauen dabei auf die Hilfe Allahs. Das ist die Prüfung, mit der Gläubige auf die Probe gestellt werden.

Die Ungerechtigkeit und Verdorbenheit, die wir heute in unserer Zeit sehen, beschränkt sich nicht nur auf unser Zeitalter. Die ehemaligen Zeitalter erreichten noch schlimmere Ausmaße, wie wir im Koran und in Geschichtsbüchern lesen, doch Allah hat immer Seinen getreuen Menschen geholfen. Tatsächlich ist unser Zeitalter besser als viele andere Zeitalter der Vergangenheit in vielerlei Hinsicht: die weltweite Verbreitung des Glaubens und der getreuen Menschen, die Errichtung von Moscheen, islamischen Zentren, Bibliotheken und Pressen und auch die Zunahme der religiösen Menschen und Geistlichen. Daher hat Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung kein Platz in den Seelen der gewissenhaften und getreuen Menschen, die ihre rechtmäßigen Pflichten ausführen, und die jedes Mal, wenn sie auf Allah vertrauen, Er ihnen Mut und Stärke verleiht, mit denen sie die Mittel der Verdorbenheit und Irreleitung besiegen und diese Stärke und Mut für beim Rechtleiten der Menschen und der Behebung von Fehlern einsetzen.

Auch wenn wir eingestehen, dass Verdorbenheit sich aufgrund von verdorbenen Maßnahmen und Wege auf Land und See verbreitet haben, durch verdorbene Menschen und Feinde der Religion, bedeutet dies nicht, dass wir es als unmöglich erachten oder gar es aufgeben, nach Verbesserung und Aufklärung zu streben. Der Mensch sollte aufrichtig agieren und dann wird Allah ihm dabei helfen, erfolgreich zu sein. Wenn wir Allah ergebenst sein wollen, dann sollten wir unseren Kindern die richtige Richtung weisen und in ihren Herzen den Glauben erwecken, und somit hätten wir dann unsere obliegende Pflicht erfüllt, für die Allah uns belohnen wird. Allah sagt: „Und uns obliegt nur die klare Bekanntmachung (der Botschaft)“[19].

Frage 60: Einige Verhaltensweisen meiner Mutter führen zu Streit in ihrem Eheleben, was sich auf die ganze Familie auswirkt. Was können wir machen?

Frage: Meine Mutter handelt immer gegen den Willen meines Vaters. Sie mag es, ständig die Dekoration, die Möbel und dergleichen zu wechseln. Sie würde sogar die ganze Wohnung wechseln, das Auto usw. Dieses Thema wurde zum Nährboden der täglichen Streitereien zwischen meinem Vater und meiner Mutter und wir wurden zu ihren Opfern. Wir sind diesem Zustand überdrüssig. Würden Sie uns bitte eine Lösung für dieses Problem vorschlagen? Wir wären Ihnen sehr dankbar!

Antwort: Bevor ich eine Lösung vorschlage, ist es unabdingbar zu betonen, das die Lösung einiger Probleme nur dann erreicht wird, wenn man sich an sie anpasst, bis diese Probleme behoben sind. Es ist wichtig für die betroffene Person, sich vor den Schäden dieser Probleme zu schützen, bis sie aus der Welt geschaffen sind. Das ist die Geduld, die vom Islam empfohlen wird und für die Allah eine Belohnung versprochen hat.

Was die Lösungen betrifft, so gibt es zunächst mal zwei Lösungsansätze: der erste fokussiert den Grund des Problems (in diesem Fall deine Mutter und dein Vater) und der andere fokussiert die Menschen, die durch dieses Problem beeinträchtigt werden (das bist du und deine Geschwister).

Bei unserem ersten Lösungsansatz möchten wir den Eltern mitteilen, dass ein gemeinsames Leben das Berücksichtigen der Wünsche des Partners erfordert, sofern sie nicht schädlich sind. Selbst dann, wenn es ein Wunsch ist, der Nachteile mit sich bringt, sollte man es abwägen und mit den Nachteilen der Selbstsucht und des Beharrens auf die eigene Meinung vergleichen und anschließend sich für das „kleinere Übel“ entscheiden. Andererseits sollte derjenige, der Änderungen in der Wohnung vornehmen bzw. nicht vornehmen möchte seine/ihre Motive darlegen und den anderen Partner davon überzeugen, solange die Angelegenheiten sie beide betreffen. Er sollte die Vorteile seiner Idee darstellen und die Nachteile, wenn sie nicht ausgeführt wird, während er aber im Auge behalten muss, dass die Vor- und Nachteile der ganzen Familie zugute kommen bzw. sie beeinträchtigen.

Diese Art der Rücksichtnahme der Ansichten anderer erzeugt gegenseitigen Respekt zwischen den Ehepartnern, und stärkt die Familienbeziehungen und die Nähe zueinander und steigert die Liebe unter den Familienmitgliedern, was sich wiederum positiv auf den Erfolg im Studium und in der Arbeit auswirkt und so eine glückliche Familie entsteht.

Hinsichtlich des zweiten Lösungsansatzes empfehle ich dir, mit deiner Mutter über die Angelegenheit zu diskutieren, anstatt ihr Widerstand zu leisten und ihre Wünsche zu ignorieren. Versuche mit ihr die Nachteile von ständigem Wechsel (der Dekoration und Möbel), das einen mit der Zeit ermüden und krank machen kann, zu besprechen.

Ferner solltest du versuchen, ihr Interesse für was anderes zu wecken, damit sie nicht etwas macht, was die Familienmitglieder stören könnte. Auch deinen Vater solltest du davon überzeugen, dass er von Zeit zu Zeit einige erforderliche Änderungen in der Wohnung zulassen sollte, solange sie nicht übertrieben und nicht zu verschwenderisch sind.

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[1] Bihar al-Anwar, Bd. 104, S. 38
[2] Mustadrak al-Wassa’il, Bd. 2 S.506
[3] Jami’ al-Akhbar, S.245
[4] The secret of Success in your Personality, S. 234
[5] Heiliger Koran, 17:36
[6] Heiliger Koran, 16:125
[7] Zitiert aus “Islam and psychological health” von Ahmad al-Qabbantchi.
[8] Bihar al-Anwar („Meere der Lichter“), Bd.76 S.84
[9] Bihar al-Anwar, Bd.76 S.84
[10] Bihar al-Anwar, Bd.74 S.88
[11] Bihar al-Anwar, Bd.76 S.323
[12] Bihar al-Anwar, Bd. 67 S.323
[13] Bihar al-Anwar, Bd. 77 S.61
[14] Heiliger Koran, 4:19
[15] Bihar al-Anwar, Bd.73 S.256
[16] Aus einem kurzen Brief von Imama Ali (ع) an Mu’awiya
[17] Bihar al-Anwar, Bd. 78 S.240
[18] Bihar al-Anwar, Bd.77 S.82
[19] Heiliger Koran, 36:17

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übersetzt von Hanan Al-Maschat
Quelle: http://al-islam.org/better_future/

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