Interview mit Bruder Abdullah

Al-Shia: Salam alaikum. Sehr geehrter Bruder im Islam. Erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für unsere Fragen nimmst. Was hat dich bewegt zum Islam überzutreten? Vielleicht könntest du dich kurz vorstellen.

Also ich bin 44 Jahre alt, zum zweiten mal verheiratet. Zweimal konvertiert.

Die erste Konversion zum Islam, „die richtige Richtung“, nahm ich aufgrund meiner ersten Frau an. Diskussionen über die wahre Religion ergab, dass ich alle Religionen ablehnte, weil eigentlich jeder Krieg religiös begründet wurde.
Nachdem die Diskussionen nicht fruchteten, gab sie mir einige Bücher über den Islam und Ali Ibn Abi Talib (ع) überzeugte mich, dass der wahre Islam die wahre Gerechtigkeit bedeutet. Denn er (ع) richtete zwei Christen (vermutlich in Basra) nicht nach dem Quran sondern nach deren Indschil. Er ließ extra IHR Buch bringen, um die Gesetzmäßigkeit genau herauszulesen.

Als ich dann in Syrien das zweite Mal heiratete, da wechselte ich zur Ahl Bait (ع). Nach der Scheidung meiner ersten und ca. 2 Jahre ohne Frau heiratete ich eine irakische Schwester. Sie zog zunächst von Irak nach Syrien als Zwischenstation und wir heirateten. Nach einem weiteren Jahr war es soweit und es hieß seitens der Behörden, dass das Visum nur noch eine Frage der Zeit sei.
Ich flog also nach Syrien, um nach ca. 3 Wochen mit ihr nach Deutschland zu fliegen. Doch es wurde ganz anders. Zunächst kam das Visum nicht. Anschließend entschlossen wir uns statt nach Deutschland in den Irak auszuwandern. So blieben wir zunächst vier Monate in Syrien. Ich hatte dort Gelegenheit mit einem meiner neuen Freunde aus der Hauza bei Zaida Zainab tiefgreifendere Unterhaltungen zu führen.
Was er mir sagte, mutete für mich zunächst als Erfindungen, war die Geschichte um die ersten drei Kalifen doch so schrecklich.
Zunächst konnte ich nicht glauben, dass Umar die meisten Neuigkeiten im Islam eingeführt hat und dass Uthmann nur deshalb Kalif wurde, weil Ali (ع) NUR nach der Sunna des Propheten (ص) verfahren wollte und die Sunna der ersten zwei Kalifen nicht akzeptierte.
Nach etwas weniger als vier Monaten musste ich dann doch wieder nach Deutschland zurück. Zunächst leider ohne meine Frau. Es waren dann noch Kleinigkeiten in Deutschland zu regeln. Dies ging jedoch relativ schnell und nach ca. einem weiteren Monat waren wir dann zusammen in unserer neuen Wohnung.

In dieser Zeit konnte ich, entgegen den Rat meiner Frau, meinen Mund nicht halten und sagte dann doch sehr vielen, dass ich wechselte.
Dies stieß zum Teil auf Unverständnis und zum anderen auf Feindschaft.
Mein Wissensstand war noch nicht so geprägt, so dass ich zunächst auf interessante Aussagen reinfiel:

a) der schiitische Quran hat 40 Juz‘ und ein Juz‘ ist allein Ali (ع).
b) das Mushaf Fatima, ein eigener Quran.
c) Die Aussage eines Gelehrten, der sagte: „Die Schiiten wollen aus dem Donnerstagsunglück die Nachfolgerschaft für Ali (ع) sehen“

Weiterhin wollte ich noch nicht bestimmte Kenntnisse preisgeben, denn ich wusste noch nicht die genauen Stellen.

Dies führte bei mir zu einem Zwiespalt, denn einerseits waren doch auch viele sunnitische Ahadith, die dagegen sprechen und andererseits auch glaubwürdige Richtung der schiitischen Seite, von denen ich bereits in sunnitischen Ahadith die Richtung erkannte.

Ich machte mich also, nachdem ich wieder Internet hatte auf die Suche nach Diskussionen zwischen Sunni und Schia.
Fündig wurde ich zunächst in den Foren von Al-Shia (das alte) und Muslim-Markt. Dort stehen heiße Diskussionen zwischen Sunni und Schia. Ich sah, dass die Diskussionen meist nach einem bestimmten Muster liefen.

1) Das Schimpfen auf die Beleidigung der Sahabah
2) Die Darstellung der Ahadith aus den sunnitischen Büchern, die die „Beleidigungen“ belegen.
3) Direkte Beleidigungen
4) Entlassung aus dem Forum

Ich sah, dass die Schia ganz gewaltige Argumente hat und dachte zunächst, dass die Kaliber der Gesprächspartner unterschiedlich ist. Der aus der Schia-Seite ein Gelehrter und der auf der Sunni-Seite sozusagen Otto-Normalverbraucher.
Was zunächst ebenfalls unglaubwürdig schien, war dass Ali (ع) das Kalifat der ersten drei anprangerte. Dies hat ein Freund erwähnt, dass es in der Schiq-Schiqiyya-Predigt zu finden sei.
Dies brachte mich dazu, die Schiq-Schiqiyya-Predigt auf Deutsch zu suchen.
Ich fand sie zunächst nicht, aber in einem Buch wird sie erwähnt. und das war nicht sehr angenehm. Nämlich in der Online-Version des Buches von Tijani.
Dieses las ich zunächst vollständig online. Später kaufte ich mir es zweimal und einmal verschenkte ich es.
Dieses Buch überzeugte mich letztendlich vollends, da Tijani als Hauptquelle den „zweiten Quran“ angibt. Nämlich Sahih Bukhary.
Von da an war die Richtung für mich vorgegeben. Ein Zurück kam für mich nicht mehr in Frage.
Auch Verschleierungen in Ahadith habe ich miterlebt. Z.B. ist in „Auszüge aus Sahih Bukhary“ an zwei Stellen nicht korrekt übersetzt.
Nämlich einmal im Kapitel „Die beiden Feste“, wo ein Hadith nur zur Hälfte übersetzt wird. In der ersten Hälfte spricht Khudryy über die Sunna zur Zeit des Propheten (ص) zum Vergleich nachher. Aber der zweite Teil fehlt.
Dies entdeckte ich nämlich ebenfalls durch das Buch von Tijani, weil dort das Hadith vollständig angegeben ist und ich mich an den ersten Teil der deutschen Übersetzung des Bukhary erinnern konnte (habe es zwei mal gelesen).
Als ich es (den Bukhary) dann wieder in Händen hielt, da suchte ich im Kapitel nach diesem Hadith. Ich fand es zunächst nicht. Daraufhin suchte ich nach dem Anfang und fand es. Im Buch steht zum Schluss „…“. Aber die Dreistigkeit ist, dass im arabischen Originalteil das vollständige Hadith steht.
An einer anderen Stelle verwendet er eine deutsche Umschrift für ein arabisches Wort im Hadith. Dies erklärt er in der Fußnote. Aber im arabischen ist das in der Fußnote erklärte Wort nicht vorhanden.

Als ich im Iran war, da habe ich meine „Bibliothek“ etwas aufgestockt. Ich kaufte mir Al-Ghadier von allama Alimi. Ich hoffe, dass ich bald dazu komme, es zu lesen.

Al-Shia: In den letzen Jahren sind immer mehr Menschen zum Islam übergetreten. Man könnte fast behaupten, je  mehr Propaganda gegen den Islam gemacht wurde, desto mehr Menschen konvertieren. Wie siehst du das?

Die Propaganda, die gegen den Islam gemacht wird führt zum Interesse. Man will wissen, was das überhaupt ist. Islam? Wenn man dann die richtigen Informationen oder auch nur teilweise bekommt, dann ist der Schritt dem Islam beizutreten ziemlich nahe. Und dies auch ohne den rechten Glauben an Allah und den Gesandten zu haben. Ich meine damit, dass alles zunächst verschwommen ist und mit der Zeit durch Erfahrung von Wissen geklärt wird.

Al-Shia: Würdest du uns vielleicht einen Einblick in deinen Alltag geben. Welche Rolle spielt der Islam in eurer Familie?

Ich bin verheiratet ohne Kinder. Meine Frau stammt aus dem Iraq und der Islam bildet bei uns die erste Stelle im Leben.

Al-Shia: Der Islam wird ja nicht immer sehr freundlich von den Medien dargestellt. Gerade was das Thema KT betrifft, so werden die Frauen als unterdrückt und rückständig angesehen. Wie wichtig ist der das KT und was unternimmst du selber gegen dieses Feindbild?

Ich versuche das rüberzubringen, was wirklich wahr ist an den Urteilen/Vorurteilen und hoffe dabei, dass ich dabei keinen Fehler in der übermittele. Erst kürzlich musste ich (aufgrund eines Threads im Muslim-Markt-Forum) feststellen, dass ich selbst nicht davor gefeit bin. Doch dies habe ich sofort in mein Gedankengut aufgenommen.

Al-Shia: Möchtest du noch etwas hinzufügen?

Aufgrund meiner islamischen Geschichte bin ich in den Zwist zwischen Sunni und Schia geraten. Ich muss mir selbst dabei eingestehen, dass ich anfangs ungestüm und teilweise selbst mit Unverständnis reagiert habe. Teilweise tue ich dies immer noch, denn wenn jemand die Ahl Bait (ع) (inklusive dem Propheten (ص), der ja das Oberhaupt der Ahl Bait (ع) bildet) beleidigt oder herabwürdigt, kommt mir zumindest innerlich eine Wut und Zorn auf.

Manchmal kommt sie dann auch nach außen.

Wa salam

Al-Shia: Vielen Dank für das Interview. Wa salam alaikum

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