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Sura al-Baqarah (Verse 10-18)

Der Prophet Gottes hat einmal gesagt: "Jeder, der sich den Koran zum Führer nimmt, den wird er zum Paradies leiten ... und für jeden, der ihn kennt, ist er ein Wegführer zum Guten." 

Bei der Überprüfung der Sura al-Baqareh erfuhren wir, dass einige Menschen eine Doppelrolle spielen. Während sie innerlich gar keine religiöse Überzeugung besitzen, mimen sie nach außen hin gläubig zu sein. Solche Heuchler sind für eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten eine größere Gefahr als ihre Gegner. Daher hat Gott zu Anfang der Sura al-Baqareh über ihr Vorgehen gesprochen und auch in anderen Suren ihre hässliche Moral und ihre Heimtücken aufgezeigt.

Wenn uns jemand offen anfeindet, so können wir ihn leicht an seinem Vorgehen erkennen und uns gegen ihn wappnen. Schwierig wird es, wenn uns jemand innerlich feindselig gegenübersteht, uns jedoch als Freund begegnet. Solche scheinbaren Freunde können den Menschen harte Schläge versetzen. Der Prophet Gottes hat daher gesagt: "Ich habe wegen den Gläubigen und den Götzenanbetern keine Angst um meine Gemeinde, denn der Glaube des Gläubigen hält ihn davon ab, absichtlich Schaden zu verursachen und Gott lässt den Schaden der Götzenanbeter Dank der Bemühungen von gläubigen Menschen zunichte werden. Ich fürchte mich jedoch wegen der Heuchler, die in eure Richtung reden, aber im Gegensatz zu dem, was sie sagen, handeln."

Die Offenbarungszeichen 10 bis 12 der Sure 2 lauten:

"In den Herzen jener Heuchler steckt eine Krankheit und Gott lässt sie noch kränker werden. Sie erwartet eine schmerzhafte Strafe wegen ihrer Lügenhaftigkeit. Immer wenn den Munafiqun, den Heuchlern, gesagt wird: Richtet kein Unheil auf der Erde an, sagen sie: Wir sind doch nur für Ordnung und Wohl! Ihr solltet wissen: Sie sind Unheilstifter , aber sie merken es nicht."

Der menschliche Geist kann, wie es im Koran steht, ebenso wie der Körper erkranken. Diese Erkrankung wird immer schlimmer, falls keine Heilung begonnen wird. Sie kann so schlimm werden, dass sie das Humane im Menschen vernichtet. Die genannten Koranverse drücken aus, dass die Heuchelei eine der gefährlichsten geistig-seelischen Krankheiten ist und die Gesundheit des Menschen ernsthaft bedroht. Der Widerspruch zwischen Wort und Handeln, zwischen Äußerem und Innerem, lässt nicht zu, dass Geist und Seele sich entfalten, gesund bleiben und ihr innerer Friede bewahrt wird. Dieser Widerspruch ruft im Gegenteil Bedingungen hervor, die seelische Erkrankungen wie Gier und Eifersucht nach sich ziehen. Ein an der Seele Erkrankter kann Wahrheit und Wissen nicht erkennen und richtig verarbeiten. Es bereitet ihm keine Freude, richtig zu denken, sich Gott zuzuwenden und seinem Nächsten einen Dienst zu erweisen. Er besitzt keine feste Ansicht, auf die er sich stützen könnte. In Wirklichkeit ist seine Persönlichkeit im Denken und Entscheiden schwach. Daher passt er sich an jede Umgebung und jede Gruppe an, hat viele Gesichter und macht den anderen etwas vor. Sein Leben voller Widersprüche will er durch alle möglichen Lügen und Vorwände rechtfertigen. Gott sagt diesen seelisch Gestörten, nämlich den Munafiqun am Ende der obigen Koranstelle ein schlimmes Ende voraus. Es sind die Konsequenzen für ihre Lügen.

Die genannte Koranstelle enthält auch einen deutlichen Hinweis auf die Arroganz und den Dünkel der Munafiqun. Und zwar sind sie verdorben und Unheilstifter, behaupten aber von sich, nur das Beste zu wollen, und Reformer zu sein.

Im Offenbarungswort 14 der Sura 2 heißt es:

„Immer wenn die Heuchler den Gläubigen begegnen, sagen sie: Wir glauben (wie ihr). Aber wenn sie mit ihren teuflischen Gesinnungsgenossen alleine sind, sagen sie: Wir sind mit euch. Wir machen uns ja nur lustig (über die Gläubigen).“

Ein weiteres Merkmal eines Heuchlers ist, dass er keine eigenständige feste Persönlichkeit hat. Je nach Umgebung "wechselt er die Farbe". Wenn er unter gläubigen Menschen ist, spricht er vom Glauben und passt sich ihnen an. Aber wenn er sich unter die Ungläubigen mischt, redet er ihnen nach dem Mund und gegen die Gläubigen. Er versucht sich bei ihnen beliebt zu machen, indem er sich über die gläubigen Menschen lustig macht. Dieser Koranvers nun mahnt: Lasst euch nicht von diesen Leuten täuschen. Haltet nicht jeden, der behauptet zu glauben, für einen aufrichtigen Gläubigen. Es kann nicht sein, dass jemand aufrichtig glaubt und gleichzeitig mit den Ungläubigen gut auskommt und mit ihnen befreundet ist.

Heuchler dienen den Feinden als "langer Arm", der unter der Bevölkerung Einfluss nimmt und sich so verhält, wie es dem Feinde zu Gunsten ist. In den beiden folgenden Koranversen dieser Sure, 15 und 16, spricht Gott über das Resultat des abtrünnigen und gefährlichen Handelns der Munafiqun. Gott wird sich über sie lustig machen. Er gewährt ihnen eine Frist für ihre Widersetzlichkeit, so dass sie sich verirren. Sie haben Niedertracht und Irrweg erstanden und dafür mit dem Verlust der Rechtleitung bezahlt. Aber bei diesem Handel haben sie nichts gewonnen. Sie sind keine Rechtgeleiteten.

Es ist Gottes Gesetz und Regel, den Sündern und Unrecht Tuenden eine Frist einzuräumen, damit sie sich vielleicht ihres falschen Verhaltens bewusst werden und reuevoll umkehren. Wenn der Mensch jedoch diese Frist und Gelegenheit nicht nutzt, wird er noch mehr vom Strudel der Sünden erfasst und schließlich von diesem herabgezogen und vernichtet. In diesem Moment erfahren die Heuchler was der „Spott’’ Gottes bedeutet: Er überlässt sie sich selber, was Verirrung und Unheil zur Folge hat.

Imam Reza, edler Nachkomme des Propheten sagt: „Gott liebt Tücke und Spott nicht. Den Feinden vergilt er ihre Tücke und ihren Spott.“ Die nächste Vers verweist darauf, dass die Munafiqun ein schädliches Tauschgeschäft machen, welches zu ihrem eigenen Abirren führt. Gott hat für gute und schlechte Handlungen den Vergleich zu einem Handel gezogen. Der Glauben und das Mühen auf dem Wege Gottes sind beides ein fruchtbarer Handel. In der Sure Saf, der Sure 61, heißt es im Offenbarungszeichen 10:

„Ihr Gläubigen! Soll ich euch zu einem Handel weisen, der euch vor der schmerzhaften Strafe rettet? Glaubt an Gott und seinen Propheten und setzt euch auf seinem Wege mit eurem Leben und dem, was ihr besitzt, ein.“

Aber im Gegensatz zu den Gläubigen haben die Heuchler ihre Rechtleitung gegen die Abirrung eingetauscht. Korankommentatoren verweisen darauf, dass die Munafiqun die von Gott gegebene Veranlagung in ihrem Innern, welche zur Rechtleitung führt, verloren haben, und zwar indem sie sich Sünden und Heuchelei angewöhnt haben. Das Lehrreiche jedoch ist, dass sie bei diesem Handel nicht nur nichts gewonnen haben, sondern auch ihre niederen Ziele nicht erreichten und trotz ihrer schlechten Absichten, der Islam sich weiter verbreitete und erstarkt ist und viele Menschen auf der Welt erreicht hat.

Diese Verse der Sure 2 lehren uns, dass wir im Leben nicht darauf achten sollen, was wir anhäufen, sondern darauf achten sollen, an was wir unsere Seele verkaufen und was wir gewinnen. Wir sollten dabei nicht vergessen, dass der richtige Weg oder der Irrweg aus unserem Handeln resultieren, und Gott uns zu nichts gezwungen hat. Außerdem sollten wir uns vor Augen halten, dass die Wahl des Glaubens Wohl und Glück bringt.

In den Offenbarungszeichen 17-18 der Sura al-Baqarah entlarvt Gott die Heuchler, in dem er einen Vergleich zieht:

„Die Heuchler sind wie die, die ein Feuer anzünden. Wenn das Feuer ihre Umgebung erhellt, nimmt Gott ihnen ihr Licht und lässt sie inmitten der Finsternis, in der sie nichts sehen, zurück. Sie sind taub (weil sie die Wahrheit nicht hören), stumm (weil sie nicht Recht und Wahrheit sagen) und blind (weil sie nicht die Wahrheit sehen). Daher lassen sie nicht vom Unglauben ab und kehren nicht (zur Wahrheit) zurück.“

In diesem Vergleich heißt es: Die Heuchler sind wie Menschen, die sich in absoluter Dunkelheit befinden, weil sie nicht unterscheiden können, was gut oder schlecht, nützlich oder schädlich ist. Um gegen das Dunkel anzukommen, zünden sie ein Feuer an, damit sie etwas von ihrer Umgebung sehen. Aber kaum haben sie das Feuer angezündet, lässt Gott es durch Wind oder Regen erlöschen und wieder sind sie in Dunkelheit eingehüllt. Mit anderen Worten: Dieses schwache unbeständige Licht wird schnell vernichtet und die Heuchler versinken in der Dunkelheit, die sie durch ihr eigenes Verhalten und Handeln geschaffen haben. Als sie sich für ihr Heuchlertum entschieden, dachten sie, dass sie sowohl von der Welt der Ungläubigen als auch von dem Paradies der Gläubigen etwas bekommen. Aber das Leben ist wie eine lichtlose Wüste, und um diese heil zu durchqueren, brauchen wir ein helles, beständiges Licht. Jedes schwache Licht kann im Sturm der Probleme und Ereignisse ausgelöscht werden und den Menschen der Dunkelheit überlassen.

Die Munafiqun wollen nicht die Wahrheit annehmen und einsehen. Sie hören nicht auf das gerechte Gotteswort und sind nicht bereit, die Wahrheit zuzugeben, daher vergleicht der Koran sie im 18. Verszeichen der Sure 2 mit Menschen, die nicht die physischen Werkzeuge für Hören, Sehen und Sprechen und die Erkenntnis der Wahrheit besitzen. Die Heuchler hat das Dunkel des Unglaubens auf eine Weise erfasst, dass sie nicht mehr zwischen Recht und Unrecht unterscheiden können. Wenn sie weiter am Rande des dunklen Abgrunds entlanggehen, werden sie unweigerlich abstürzen und vernichtet werden.


Quelle: www.irib.ir/worldservice/germanRADIO


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