Übersichtsverzeichnis:
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Was ist ein Hadith?
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Hadith: Eine verbindliche
Autorität
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Die Ruwat
(Überlieferer)
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Die
Kategorien der Überlieferungen entsprechend der
Überlieferer
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"Mutawatir"
und "Wahid"
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Die
Niederschrift der Überlieferungen
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Die Arten der
Bücher
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Die vier
Bücher
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Die drei
darauffolgenden Bücher
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Erfundene Überlieferungen
„Hadith" (حديث) bedeutet
wortwörtlich „Erzählung" oder „Bericht". In der schiitischen
Fachsprache/Terminologie ist ein „Hadith" eine Erzählung eines Ma'sum
und ebenfalls eine Erzählung, die ein Gespräch, eine Handlung, oder
„Taqrir" (dazu gleich mehr) eines Ma'sum beschreibt.
Wenn sich ein Ma'sum von einer Handlung oder einer Sache fernhält, dann
gilt dieses Fernhalten auch als „Handlung".
Taqrir eines Ma'sum: Wenn ein Anhänger eines
Ma'sum eine Handlung in der Gegenwart des Ma'sum vollzieht, und der
besagte Ma'sum verbot ihm nicht, diese Handlung zu vollziehen, so nennt
man dies „Taqrir" des Ma'sum und es ist eine verbindliche Autorität (mit
einigen Bedingungen natürlich).
Wenn ein Hadith nicht auf einen Ma'sum zurückreicht, dann gilt er nicht
als „Hadith" nach der schiitischen Sichtweise. Nach der sunnitischen
Sichtweise gilt eine Erzählung des Propheten (ص) und seiner Gefährten
und Schüler dieser Gefährten als „Hadith".
Ahadith (احاديث) ist der Plural von Hadith.
1.1 Einige Definitionen
Ein Hadith (حديث) wird auch als „Khabar" (خبر), also Neuigkeit, und als
„Athar" (اثر), also Spur oder Fährte, bezeichnet. Viele Begriffe werden
im Folgenden verwendet, sodass es wichtig ist, diese erst einmal zu
klären.
Zunächst eine volle Überlieferung mit dessen Übersetzung:
حماد بن سلمة عن محمد بن اسحاق عن
عمروبن شعيب عن ابيه عن جده قال قلت يا رسول الله اكتب كل ما اسمع منك قال
نعم قلت في الرضا و الغضب قال نعم فاني لا اقول في ذلك الا الحق
Hammad bin Salmah überliefert von Muhammad bin Ishaq, der von Amr bin
Shuaib, der von seinem Vater, der wiederum von seinem Vater überliefert,
dass er sagte:
„Ich sagte: 'O Gesandter
Allah's, soll ich alles aufschreiben, was ich von dir höre?'
Der Prophet (ص) sagte:
'Ja'. Ich sagte:
'In deiner Freude und deinem Unmut? (d.h.: Soll ich alles aufschreiben,
egal in welchem Zustand du es sagtest?).'
Der Prophet sagte: 'Ja!
Denn ich sage, egal in welchem Zustand, immer die Wahrheit.'"
Der erste Teil des Hadith enthält die Namen der Überlieferer, die die
Überlieferung jeweilig voneinander hörten. Diese Überlieferungskette
wird als „Sanad" (سند) bezeichnet, der Plural davon ist „Asnad" (اسناد).
Der zweite Teil ist der eigentliche Anfang der Überlieferung, beginnend
von „Ich sagte: 'O
Gesandter Allah's!" bis zum Ende
des Hadith. Dies wird als „Matn" (متن), d.h. als Text, bezeichnet.
Der Überlieferer wird als „Rawi" (راوئ) bezeichnet, der Plural ist „Ruwat"
(رواة).
Die Qualität eines Hadith hängt sehr von der Redlichkeit und
Vertrauenswürdigkeit seiner „Ruwat" ab, wie später näher erklärt wird.
„Sanad" und „Matn"
werden zusammen als „Hadith" bezeichnet.
Der „Hadith" eines Ma'sum ist eine verbindliche Autorität (حجّة) der
Religion, und wenn jemand am Tage des Gerichts erfolgreich sein
will, muss er den Hadithen folgen.
So sagt Allah zum Beispiel im Qur'an:
يا ايها الذين
امنوا اطيعوالله و اطيعوالرسول و اولي الامرمنكم
"O
ihr, die ihr glaubt, gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten und
denen, die unter euch Befehlsgewalt besitzen."
[4:59]
In diesem Vers macht Allah (swt) es verpflichtend für die Gläubigen,
dem heiligen Propheten (ص) und jenen, die die Befehlsgewalt
beherrschen, d.h. die 12 Imame (ع), zu gehorchen. Es ist nicht
notwendig zu betonen, dass niemand dem heiligen Propheten (ص) und
seinen Imamen (ع) folgen kann, wenn er nicht weiß, was der heilige
Prophet (ع) und seine Imame (ع) gesagt oder getan haben. Daher
sollte man sich mit ihren Reden und Handlungen befassen und ihnen
gedenken, um ihnen zu folgen. Und dies bringt uns zu den Ahadith.
2.1. Die Bedeutung des Gehorsams und des Folgens
Einem Ma'sum zu folgen bedeutet, dieselben Handlungen zu verrichten,
wie er sie verrichtet hat, und zwar mit derselben Absicht.
Dabei sollte daran erinnert werden, dass die Ahadith der 12 Imame
(ع) und Fatima az-Zahraa' die Ahadith des heiligen Propheten (ص)
selbst sind.
Die Imame (ع) selbst haben dies viele Male sehr deutlich gemacht.
Zum Beispiel sagte Imam Baqir (ع):
„Wenn ich dir einige
Ahadith ohne „Sanad" (Überlieferungskette, سند) erzähle, dann ist
mein „Sanad" (سند) von meinem Vater, der sie von seinen Vorvätern
(Imam Hussein (ع) und Amir al-Mu'minin (ع)) überliefert, die es vom
heiligen Propheten (ص) überliefern, der sie wiederum von Gabriel (ع)
hörte, und der von Allah (swt) informiert/benachrichtigt wurde."
Für eine Person, die keinen Ma'sum gesehen hat, oder nicht direkt
etwas von ihm gehört hat, führt der einzige Weg, die Religion zu
kennen, durch die Ahadith des heiligen Propheten (ص), der 12 Imame
(ع) und Fatima az-Zahraa' (ع).
Doch es ist notwendig, dass der Hadith allen entsprechenden
Prüfungen unterzogen werden muss, um als authentisch betrachtet
werden zu können. Im Folgenden werden einige Details über die Arten
von Ahadith genannt und erläutert.
Die Stärke eines Hadith hängt sehr stark von seinen Ruwat ab. Einige
wichtige Fähigkeiten des Rawi's sind im folgenden benannt:
Der Rawi eines Hadith muss „Baligh" (islamisch reif) sein,
vernünftig, „Aadil" (gerecht) und mit gutem Erinnerungsvermögen. Er
sollte ebenfalls nach den Regeln der Shia Ithna Ashari ein Shia
Ithna Ashari sein, obwohl die Ahadith, die von Nicht-Ithna-Ashari-Muslimen
überliefert wurden, in einigen Fällen akzeptiert werden.
Als „Aadil" wird eine Person bezeichnet, die keine große Sünde
begeht, auch wenn ungewollt, und wenn er kleine Sünden begeht (nicht
absichtlich), bereut er sie umgehend. Nur auf einen Mensch, der
Aadil ist, kann man sich verlassen. Wenn er nicht Aadil ist, könnte
er Ahadith erfinden und die Menschen irreführen.
Ein gutes Erinnerungsvermögen ist für einen Rawi notwendig, damit er
vertrauenswürdig ist, sonst könnte er etwas vergessen und so
einzelne Formulierungen verändern, hinzufügen oder weglassen etc.
Es ist nicht notwendig, dass ein Rawi ein gelehrter Alim sein muss.
Allama Hilli (r.) und jene Ulama, die
nach ihm kamen, teilten die Ahadith in 4 Kategorien entsprechend der
Qualifikationen und Fähigkeiten der Ruwat ein:
-
Sahih
صحيح (wahr, authentisch): ist ein Hadith, wenn all
seine Ruwat der Shia Ithna Ashari angehören, und
gelobt wurden für ihre „Vertrauenswürdigkeit". Zum
Beispiel werden folgende Formulierungen für sie
verwendet: انه ثقة (Er ist vertrauenswürdig); انه
صحيح الحديث (Seine Ahadith sind wahr) und weitere
Formulierungen, die ihre Vertrauenswürdigkeit
aufzeigen.
-
Hasan
حسن (schön, gut): ist ein Hadith, der sowohl
inhaltlich als auch mit Hinblick auf seine
Überlieferer allgemeine Akzeptanz haben und somit
normativen Charakter in der Anwendung, allerdings
entweder keine Bestätigung findet oder einen anderen
Schwachpunkt aufweist. Die Überlieferer gehören der
Shia Ithna Ashari an, werden aber nicht alle für
ihre Vertrauenswürdigkeit gelobt, sondern werden mit
folgenden Formulierungen beschrieben: انه مستحسن (Er
wird geschätzt, ist tugendhaft); انه حافظ (Er hat
ein gutes Erinnerungsvermögen).
-
Muwaththaq
مُوَثَّق (sicher): ist ein Hadith, dessen
Überlieferer nicht alle der Shia Ithna Ashari
angehören, wobei sie jedoch alle für ihre
Vertrauenswürdigkeit gelobt werden.
-
Dha'if
ضعيف (schwach): ist ein Hadith, der weder Sahih,
Hasan, noch Muwaththaq ist. Überlieferungen der
ersten drei Kategorien werden als authentisch
betrachtet. „Dha'if" hat überhaupt keinen Wert,
außer wenn er von allen Ulama' der früheren Zeit
akzeptiert wird; in diesem Fall gehört er zur
Kategorie „Maqbul"
مقبول (annehmbar, akzeptabel), d.h. sie wurden von
früheren Gelehrten angenommen.
Wie bereits ausgeführt, besteht ein Hadith aus dem „Sanad" (der
Überlieferungskette) und dem „Matn" (dem Text).
Wenn ein Hadith als „Dha'if" (schwach) betrachtet wird, bedeutet
dies, dass der entsprechende „Sanad" schwach ist. Derselbe Inhalt
kann aber woanders mit einer Überlieferungskette überliefert worden
sein, die „Sahih", „Hasan", oder „Muwaththaq" ist.
In Bezug auf die Anzahl der Asnad werden die Ahadith in zwei
Kategorien eingeteilt:
1. Mutawatir
(متواتر): bedeutet, dass
ein Hadith von so vielen Menschen überliefert wurde, dass die Anzahl
der Überlieferer genügt, um von der Wahrheit der besagten
Überlieferung überzeugt zu sein.
Vier
Bedingungen sind dabei notwendig, damit
ein Hadith Mutawatir ist:
a)
Es müssen in allen Stufen der Überlieferungen so
viele Menschen sein, dass man nicht davon ausgehen
kann, dass sie sich zusammenschlossen, um eine Lüge
zu fabrizieren. Wenn die Anzahl beispielsweise am
Anfang und Ende groß ist, aber in der Mitte klein,
so wird solch ein Hadith nicht als Mutawatir
betrachtet.
b)
Die
vermittelten Informationen sollten über Dinge sein,
die man mit den fünf Sinnen (Sehen, Hören,
Schmecken, Fühlen und Riechen) aufnehmen kann.
c)
Die Hörer/Zuhörer sollten kein vorausgehendes Wissen
über diese Angelegenheit haben.
d)
Die Hörer/Zuhörer sollten weder vorausgehenden
Zweifel über die Information haben, noch eine
vorgefasste Meinung, die entgegen dieser Information
ist.
Wenn ein Hadith Mutawatir ist, ist es nicht notwendig, auf seine
Ruwat und Asnad zu schauen.
„Mutawatir" besteht aus
zwei Arten:
a)
Mutawatir in Worten:
ist ein Hadith, der von allen Überlieferern im
selben Wortlaut überliefert wurde. Zum Beispiel der
folgende Hadith:
من كنت
مولاه فعلي مولاه
(Wessen Führer ich bin, dessen Führer ist auch Ali),
und ebenfalls der Hadith:
من كذب
عليّ متعمدا فليتبوّء مقعده من النار
(Wer eine Lüge über mich
erzählt, sollte sich darauf vorbereiten, dass sein
Wohnsitz das Feuer der Hölle ist).
b)
Mutawatir im Sinngehalt:
Wenn die Überlieferer verschiedene Formulierungen
benutzen, es jedoch einen gemeinsamen Umstand/Faktor
gibt in allen Überlieferungen, dann wird dieser
gemeinsame Umstand/Faktor als „Mutawatir im
Sinngehalt" bezeichnet. Zum Beispiel angenommen,
dass jemand sagt, dass Ali ibn Abi Talib (ع) 35
Feinde in der Schlacht von Badr getötet hat. Ein
anderer sagt, dass er die Festung von Khaibar
erobert hat. Ein Dritter sagt, dass er standhaft
blieb in der Schlacht von Uhud, während andere davon
flohen, und so weiter. Nun haben all diese
Überlieferungen einen gemeinsamen Faktor – nämlich
dass Ali ibn Abi Talib (ع) außergewöhnlich mutig
war. Jede dieser Begebenheiten könnte nicht
Mutawatir sein, doch der Mut von Ali (ع) ist „Mutawatir".
2. „Wahid"
(خبر واحد): Jeder Hadith, dessen Überlieferer nicht so viele an der
Zahl sind, um ihn zum Mutawatir zu machen, wird als „Wahid"
bezeichnet.
Ein „Wahid-Hadith" ist verbunden mit einem Kontext oder einem
Anhaltspunkt (قرينة), welches sicheres Wissen über die Wahrheit
vermittelt, sodass es dann verpflichtend ist, ihn anzunehmen und ihm
zu folgen wie dem „Mutawatir-Hadith". Einige Beispiele in Bezug auf
den Kontext:
a)
Wenn der Hadith im Einklang mit logischen Argumenten
ist
b)
Wenn er mit dem klaren Inhalt des Qur'ans
übereinstimmt
c)
Wenn er im Einklang mit dem einstimmigen Glauben der
Muslime ist
d)
Wenn er im Einklang mit dem einstimmigen Glauben der
Shia ist
Wenn ein Hadith, der „Wahid" ist, mit einem der genannten Kontexte
verbunden ist, muss er akzeptiert und befolgt werden.
Wenn er nicht mit solch einer Qarina (قرينة), d.h. mit solch einem
Kontext verbunden ist, dann ist es gemäß vieler Gelehrten erlaubt,
ihn zu befolgen, sofern er nicht gegen die Grundsätze der Religion
verstößt.
Der heilige Prophet (ص) selbst forderte die Muslime auf, alles
niederzuschreiben, was sie auch immer von ihm hörten. Amir al-Mu'minin
Ali ibn Abi Talib (ع) und seine Nachfolger haben immer die
Wichtigkeit und Wesentlichkeit der Niederschrift der Ahadith betont.
Viele Gefährten des Propheten (ص), wie
Abdullah bin Abbas,
Salman Farsi,
Abu Dhar,
Bilal und
Abu Rafe
schrieben die Aussprüche des Propheten (ص) nieder. Gleichermaßen
schrieben viele ihrer Schüler, wie
Mitham Tammar,
Ali bin Abu Rafe,
Rabia bin Sumay,
Asbagh bin Nubata,
Ubaidullah bin Al-Hur
und
Sulaim bin Qais Hilali
die Überlieferungen nieder, die sie von Amir al-Mu'minin (ع) oder
anderen vertrauenswürdigen Gefährten hörten.
Leider sind fast alle dieser Bücher verloren gegangen mit Ausnahme
des Buches von Sulaim bin Qais Hilali.
Aus der Zeit der Imame (ع) nach Ali ibn Ali Talib (ع) finden wir
Tausende von bekannten Gefährten der Imame (ع), die die Ahadith, die
sie von ihnen gehört haben, gesammelt haben.
Einige dieser Gefährten werden so hoch angesehen, dass die
schiitischen Gelehrten darin übereinstimmen, dass wenn ein Hadith
von einem von ihnen überliefert wurde, dieser als authentisch zu
betrachten ist.
Sie werden in drei
Gruppen eingeteilt:
1. Gruppe:
Sechs Gefährten von Imam Muhammad Baqir (ع) und Imam Ja'far as-Sadiq
(ع). Diese sind:
Hinweis: Einige Leute zählen
Abu Basir Muradi
an Stelle von
Abu Basir Asadi
dazu.
2. Gruppe:
Sechs Gefährten von Imam Ja'far as-Sadiq (ع). Diese sind:
-
Jamil bin
Darraj
-
Abdullah bin
Maskan
-
Andullah bin
Bakir
-
Hammad bin
Uthman
-
Hammad bin
Isa
-
Aban bin
Uthman Ahmar
3. Gruppe:
Sechs Gefährten von Imam Musa al-Kadhim (ع) und Imam Ali al-Ridha
(ع). Diese sind:
-
Yunus bin
Abdur Rahman Yaqteeni
-
Safwan bin
Yahya
-
Abdullah bin
Mughira
-
Muhammad bin
Abi Umair Azdi
-
Hasan bin
Mahbub
-
Ahmad bin
Muhammad bin Abu Nasr
Hinweis: Einige Leute zählen
Hasan ibn Ali
bin Fadhal an Stelle von
Hasan bin Mahbub
dazu. Andere fügen den Namen von
Fadhala bin Ayyub
oder Uthman bin Isa
in diese Liste ein.
Einige andere
bekannte Namen sind:
Abu
Hamza Thumali, Aban bin Taghlib, Jabir bin Yazid Jofi, Muhammad bin
Qais, Hesham bin Hakam, Hesham bin Salim, Abdullah bin Yahya Kahili,
Ali bin Riab Kufi, Mansur bin Hazim, Ali bin Yaqteen bin Musa,
Abdullah bin Mughaira Bijilli, Muawiya bin Hukaim, Zakaria bin Adam,
Ismail bin Mehran, Abdur Rahman bin Abi Najran, Husain bin Said bin
Hammad, Ali bin Mahzyar Ahwazi, Fadhl bin Shadhan, Abu Jaffar Ahmad
bin Muhammad bin Isa, Ayyub bin Nuh bin Darraj, Ali bin Imam Jafar
Sadiq (ع) und Ahmad bin Ishaq Qummi.
Dies waren einige der hoch angesehenen Gefährten der Imame (ع), die
Überlieferungen gesammelt haben und sie in viele andere Bücher, die
in ihren biographischen Notizen erwähnt werden, niedergeschrieben
haben.
Kurz gesagt: Von der Zeit Amir al-Mu'minins (ع) bis zu der Zeit von
Imam Hassan al-Askari (ع) haben die Gefährten der Imame (ع) mehr als
6600 Bücher geschrieben, die meisten von ihnen beinhalten die
Ahadith des heiligen Propheten (ص) und der Imame (ع).
Die Niederschrift von Büchern in jenen Tagen war nicht so, wie es
heute der Fall ist. Die Hadith-Bücher wurden in einer der folgenden
Arten niedergeschrieben:
-
Manchmal schrieben einige Leute
lange Überlieferungen über ein Thema nieder. Früher
wurden meistens Bücher (eher: Hefte) geschrieben.
-
Andere sammelten die Ahadith über
ein Thema in einem Buch. Zu Zeiten der Imame (ع)
wurden tausende solcher Bücher geschrieben. Die
Sammlungen sind in der Regel bekannt als Kitab-us-Salat
(Buch über das Gebet), Kitab-ul-Hajj (Buch über die
Pilgerfahrt), etc.
-
Einige Leute sammelten Ahadith
über verschiedene Themen in einem Band. Solche
Sammlungen werden als „Nawadir" (نوادر) bezeichnet.
-
Viele Gefährten schrieben
Überlieferungen nieder über das, was auch immer sie
von den Imamen (ع) hörten, ohne Unterschied zwischen
den Themen und ohne die Einteilung in Kapitel.
Solche Sammlungen werden als „Asl" (اصل) bezeichnet
(Plural: Usul = Grundlagen). 400 solcher „Usul"
waren unter den Schiiten zum Zeitpunkt des Todes von
Imam Hassan al-Askari (ع) verbreitet.
-
Spätere Gelehrten sammelten und
ordneten die Ahadith themenweise und in Kapitel etc.
Die 400 Bücher, die als „Usul" bezeichnet werden, sind die weit
verbreitetsten. Sie waren die Grundlage aller Grundsätze,
Überzeugungen und Gesetze des Glaubens der Shia Ithna 'Ashari.
Da es damals keine Druckerpresse gab, war es nicht einfach, diese
400 Usul überall zu finden. Auch die Verfolgung der Schiiten machte
die Eigentümer außerordentlich vorsichtig. Sie gaben ihre Kopien
nicht weiter, außer denen, die völlig vertrauenswürdig waren.
Darüber hinaus enthält keines dieser 400 Bücher alle Ahadith in
Bezug auf alle Aspekte der Religion. Sie waren nicht eingeteilt in
Themen etc. Deshalb war es sehr schwierig für jemanden, der sich auf
ein Thema beziehen wollte, einen entsprechenden Hadith zu finden.
Aufgrund der Verfolgung bestand zudem die Gefahr, dass diese Schätze
der Religion für immer verloren gehen könnten, auch deshalb, weil es
zu dieser Zeit nicht einfach war, 400 Bücher zu erhalten und zu
bewahren.
Die schiitischen Gelehrten waren nach dem Tod von Imam Hassan
al-Askari (ع) der Meinung, dass wenn alle Ahadith in diesen 400 „Usul"
in einem Buch gesammelt und themenweise in Teile, Kapitel und
Unterkapitel eingeteilt werden würden, dies einen großen Bedarf in
dieser Zeit decken und die Sicherheit dieses ungeheuren Schatz des
Wissens gewährleisten würde, da es viel leichter wäre, ein Buch
statt 400 Bücher zu transportieren usw.
Es war keine leichte Aufgabe. Das Sammeln aller Usul von nah und
fern war an sich ein harter Kampf. Dann die Bearbeitung und Ordnung
war ebenfalls eine mühsame Arbeit. Alle Augen waren auf
Thiqat-ul-Islam Abu Ja'far Muhammad bin Yaqub
al-Kulaini Ar-Razi
gerichtet. Als der Druck wuchs, nahm er die
Verantwortung auf sich.
Nach 20 Jahren kontinuierlicher Anstrengung entstand das
„Kafi".
Dieses Buch alleine beinhaltet mehr Ahadith als die sechs
authentischen Bücher (Sihah as-Sitta) der Sunniten zusammen.
Einige andere Gelehrte sammelten ebenfalls die Ahadith von anderen
Büchern und Usul. Bekannte unter ihnen sind:
Abu Jafar Muhammad bin Ali (bin Husain bin Musa bin Babwayh Qummi),
bekannt als
Shaikh Saduq
(gestorben 381 n.H.), der
„Man La Yahdhuruhul Faqih"
geschrieben hat.
Abu Jafar Muhammad bin Hasan bin Ali at-Tusi, bekannt als
Shaikhut-Taifa
und
Shaikh Tusi
(geboren 385 n.H.; gestorben 466 n.H.), der
„Tahzib-ul-Ahkaam" und „Al-Istibsar"
geschrieben hat.
Diese zwei Bücher eröffneten den Weg der kritischen Untersuchung der
Ahadith, und damit den Grundstein des „Ijtihad".
Alle drei Autoren dieser vier Bücher heißen Muhammad und hatten als
Kunya den Namen Abu Ja'far.
Im Jahre 448 n.H. griffen die Sunniten von Baghdad die Schiiten an
und ließen die Bibliothek und das Haus von Shaikh Tusi
niederbrennen. Er ging mit seinen Schülern nach Najaf und gründete
die religiöse Universität. Sein Grab liegt in Najaf.
Viele andere Ahadih-Sammlungen wurden in dieser Zeit geschrieben,
doch nur diese vier Bücher wurden bekannt und waren beliebt.
Wenn ein Hadith in einem dieser oben genannten Bücher erwähnt wird,
heißt das nicht, dass dieser automatisch authentisch ist. Wenn
gleichermaßen ein Hadith in anderen Sammlungen gefunden wird, die
von vertrauenswürdigen Gelehrten erstellt wurden, und dieser Hadith
alle Bedingungen der Authenzität erfüllt, wird er als „authentisch"
angenommen, auch wenn er nicht in den oben genannten Büchern
gefunden wurde.
In späterer Zeit wurden die folgenden Ahadith-Sammlungen sehr
bekannt:
-
Allama Majlisi
(Muhammad Baqir bin Muhammad Taqi) schrieb
Bihar-ul-Anwar,
welches 26 volle Bände umfasst (starb 1101 n.H).
-
Mulla Mohsin Faiz
(Muhammad bin Murtaza bin Mahmud) schrieb
„Wafi"
(starb 1091 n.H).
-
Allama Muhammad bin Hasan al-Hur
schrieb „Wasael-ush-Shia"
(starb 1104 n.H)
-
Allama Husain Nuri schrieb
„Mustadrak-ul
Wasael" im
Jahre 1319 n.H (starb 1320 n.H).
„Maudhu'"
(موضوع) bedeutet wörtlich „gefälscht". In der Islamischen
Fachsprache/Terminologie wird dieser Begriff für die sogenannten
„Ahadith" verwendet, die von keinem Ma'sum stammen, jedoch von
jemandem gefälscht worden sind und einem Ma'sum zugeschrieben
wurden.
Es ist Haram und strengstens verboten, einen Maudhu'-Hadith zu
überliefern, außer wenn er zunächst nur als „gefälscht" angegeben
wurde.
Es ist eine sehr schmerzhafte Tragik, dass in der frühen islamischen
Periode eine gute Anzahl von Gefährten des Heiligen Propheten (ص)
und viele seiner Schüler Ahadith zwecks materieller Vorteile oder
aus Gründen sektiererischer Polemik erfunden haben. Es ist nicht
möglich, alle Einzelheiten dieser Tragik hier zu benennen. Ich werde
einige Gründe aufzählen, die jene skrupellosen Personen dazu
trieben, über den Heiligen Propheten (ص) und die Imame (ع) zu lügen:
-
Einige Menschen erfanden Ahadith, um das
Wohlgefallen der Könige und Herrscher zu erlangen.
-
Andere erfanden Ahadith ganz spontan, um sie in
ihre Reden einzubringen, sodass ihnen ihre
Beliebtheit weltlichen Nutzen bringt.
-
Viele scheinbar „fromme" Menschen erfanden
Ahadith, um die Zuhörerschaft zu ermahnen, gute
Taten zu verrichten. Solche Ahadith können zumeist
beim Thema der Enthaltung von weltlichen
Angelegenheiten und bei Reden gefunden werden.
-
Viele Menschen erfanden Ahadith, um ihre eigene
religiöse Ansicht zu stützen. Beispielsweise erfand
Zanadiqa (زنادقة) mindestens 12.000 Ahadith, die dem
Heiligen Propheten (ص) zugeschrieben wurden.
Ein Charidschite sagte folgendes, nachdem er sich
reuevoll von seinem vorherigen Glauben abwandte:
„Seid vorsichtig, wenn ihr
Ahadith hört, denn wir erfanden für gewöhnlich einen
Hadith, wann immer wir eine Ansicht bestätigen
wollten."
-
Mu'awiya und seine Nachfolger in der Bani Umayya
begannen, übermäßig viele Ahadith zu erfinden, um
die ersten 3 Kalifen zu loben und Ali und seine
Familie (ع) zu verurteilen.
Die islamische Geschichte lässt erkennen,
dass diese Menschen, die „Aussprüche des Propheten" gemäß den
Wünschen ihrer Herrscher erfanden, sehr zu Beginn der Bani Umayya
dazu angeregt wurden. Ihnen wurden ansehnliche Geschenke gemacht und
große monatliche Zuschüsse erstattet, und so waren sie ungemein
wohlhabend. Und jene, die es wagten, jedweden wahren „Ausspruch" des
Propheten (ص) zu erwähnen, welcher entgegen dem Bestreben und den
Wünschen der Herrscher war, wurden dieser (materiellen) Hilfe
beraubt, und ihre Namen wurden von den Listen des Bait-ul-Mal (die
islamische Gemeinwohlkasse, die allen Muslimen gemeinsam gehört;
mehr dazu:
http://eslam.de/begr...inwohlkasse.htm) gestrichen. Die Aussagen
jener Person wurden als „falsch" deklariert und abgelehnt. (Ihtijaj
von Tabarsi)
Ein Beispiel für diese sogenannten „Ahadith" könnten jene sein, die
den früheren Propheten (ع) und dem Heiligen Propheten des Islam (ص)
Sünden zugesprochen haben. Die meisten dieser Könige und Herrscher,
die nach sunnitischem Glauben als „Kalifen" betrachtet werden, waren
(insbesondere von den Umayyaden – und später von den Abbasiden) von
sehr niedrigem moralischen Niveau und sogar sozial benachteiligter
als das allgemeine Volk. Unter diesen Umständen war es ihnen ein
Leichtes, ihre Haut durch verschiedene Gebühren zu retten, indem sie
Geschichten und Ahadith erfanden, um zu zeigen, dass selbst der
Heilige Prophet nicht frei von Sünden war; und deshalb gab es keinen
Schaden, wenn diese Kalifen unterschiedlicher Sünden und Verbrechen
schuldig waren.
Solche Überlieferungen wurden von einigen „Gefährten" des Heiligen
Propheten (ص) wie Abu Huraira und seinesgleichen erfunden. Hierbei
ist interessant zu erwähnen, dass Abu Huraira den Islam am Ende des
7. Jahres der Hidschra annahm und sich beim Heiligen Propheten (ص)
nur ca. 3 Jahre aufhielt. Und er behauptete, in dieser kurzen Zeit
viele Dinge vom Heiligen Propheten (ص) gehört zu haben, welche bei
weitem die Anzahl der Ahadith übertrafen, die in den Sunni-Büchern
von den 4 Kalifen (Abu Bakr, 'Umar, 'Uthman, 'Ali), Fatima, allen
Frauen des Heiligen Propheten (ص) [einschließlich 'Aischa] und
Hassan und Hussein (ع) überliefert wurden.
Die Überlieferer haben festgestellt, dass es 5.374 Ahadith gibt, die
von Abu Huraira überliefert wurden. Zum Vergleich: In den
sunnitischen Büchern finden wir 142 Ahadith, die von Abu Bakr
überliefert wurden, 573 von 'Umar, 146 von 'Uthman und 586 Ahadith
von 'Ali (ع) [ergibt eine Anzahl von 1.411 Ahadith].
Und dabei ist anzumerken, dass diese 4 Kalifen insgesamt 86 Jahre
beim Heiligen Propheten (ص) verbrachten.
Umso tragischer, dass Abu Huraira nicht alleine ist. Es gibt
unzählige seinesgleichen; deren „Ahadith" haben Platz in allen Sunni-Büchern
gefunden, weil sie Gefährten des Heiligen Propheten (ص) waren.
Es sind solche Ahadith, die den Feinden des Islam als Waffen dienen;
die sie benutzen, um Zweifel am Charakter, an der Aufrichtigkeit und
Wahrhaftigkeit des Heiligen Propheten (ص) zu schüren.
10.1 Die Prüfung der Überlieferungen
Ahadith wurden von
Sunniten und Schiiten gleichermaßen in verschiedenen Büchern gesammelt.
Doch all diese Bücher sind eine Sammlung jeder Art von Überlieferung. Es
muss klar sein, dass es im Islam niemals ein System der Kanonisation
(Heiligsprechung) dieser Bücher gab. Die Verfälschung der Ahadith wurde
bald zu einer allgemeinen „Krankheit". Doch es konnten dann Hilfsmittel
entwickelt werden, um die Authentizität der Überlieferungen zu prüfen.
Den ersten Prüfschritt lieferte uns der Heilige
Prophet (ص) selbst. Er ordnete die Muslime an, jede
Überlieferung auf Grundlage des Qur'an zu prüfen. Jedes Wort des
Propheten (ص) beruhte auf der Offenbarung, auf den Qur'an. Und Wahrheit
von derselben Wissensquelle kann sich nicht unterschieden. Daher wurde
eine Überlieferung, die nicht gegen den Qur'an war, als authentisch
betrachtet; wenn sie andererseits gegen den Qur'an war, so wies uns der
Prophet (ص) an, sie sogleich als Fälschung abzulehnen.
Der zweite Prüfschritt liegt darin, den Charakter
und die Lebensumstände der jeweiligen Überlieferer zu überprüfen,
angefangen bei der Person, die den Ausspruch direkt vom
Propheten (ص) hörte bis hin zur letzten Person in der Überliefererkette.
Wenn die Kette unterbrochen ist oder ein bzw. mehrere Glieder der Kette
schwach oder unzuverlässig sind, hat die Überlieferung ihren Wert
verloren. Das Gebiet, das sich detailliert mit den Überlieferern
beschäftigt, wird als „'Ilm al-Rijal" bezeichnet (Wissen über die
Männer). Es ist eine sachliche Kritik an jeder Person im Bereich der
Überlieferung. Da es unmittelbar den Wert einer Überlieferung aufzeigt,
ist dieses Gebiet eines der wichtigsten in der islamischen
Glaubenslehre.
Der dritte Prüfschritt umfasst die „Diraya" (دراية):
Wörtlich bedeutet es „Wissen"/„Kenntnis". In der islamischen
Fachsprache/Terminologie versteht man darunter die Überprüfung eines
Hadith mit „bekannten" Faktoren. Wenn beispielsweise eine Überlieferung,
die dem Heiligen Propheten (ص) zugeschrieben wird, ein Wort beinhaltet,
welches nicht zu seinen Lebzeiten gebraucht wurde, dann ist dies ein
Beweis dafür, dass diese Überlieferung gefälscht wurde. Oder wenn ein
Rawi' (Überlieferer) ein Ereignis erwähnt, das er nicht selbst gesehen
hat und den Namen seiner „Quelle" nicht angibt, so ist dies ein Beweis
für dessen Fälschung.
Dies sind die drei wichtigsten Prüfschritte, wenn man die authentische
Überlieferung aus den massenhaften Sammlungen in den Hadith-Büchern
heraus sieben möchte.