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Mufaddal bin ‘Umar al-Jau`fi schrieb einen Brief an Imam Jaafar as-Sadiq (ع) und beschwerte sich darin über einige Leute, die dem Atheismus angehörten und untereinander sinnlose Argumente austauschten. Er verlangte vom Imam, dass er die Pseudoargumente der Atheisten widerlegt, wie er es bereits bei früheren Diskussionen getan hatte. Der Imam antwortete: Im Namen des barmherzigen und gnädigen Allahs. Möge Allah uns rechtleiten, so dass wir stets Seinen Willen ausführen. Dein Brief bezüglich jener Menschen die üble Gedanken unter uns verbreiten, ist bei mir angekommen. Du erwähnst, dass diese "atheistischen Debatten" und Kontroversen eine Drohung für unsere Religion darstellen und möchtest nun, dass ich darüber ein Buch veröffentliche, um all ihre falschen Gedanken zu widerlegen, wie ich es bereits früher zu tun pflegte. Lass uns zuerst Allah danken für Seine Segnungen und für Seinen unvergleichbaren Beweis (Hujjat) und für Seine gerechte Prüfung, mit der er sowohl Seine Lieblinge als auch Seine gewöhnlichen Sklaven prüft. Eines der größten und wichtigsten Segnungen Allahs ist die von Ihm in unser Herz gelegte Überzeugung, dass „Er“ existiert. Der Allmächtige schickte uns Sein heiliges Buch, damit unsere Zweifel beseitigt werden. Allah hat all diese Dinge für uns Menschen getan. Diese ignoranten Menschen sind die wahren Verlierer, wenn sie Allahs Existenz ablehnen angesichts all dieser Beweise und Zeichen, die sie umgeben. Der Himmel, die Erde und all die anderen Dinge, bestätigen das Bestehen eines Schöpfers. Die Menschen haben sich selber das Tor zu Verbrechen geöffnet. Ihr genusssüchtiger Wunsch hat die Reinheit ihrer Herzen verdorben. Für ihre Unterdrückung und Tyrannei hat Allah sie verlassen. Der Satan hat die Herrschaft über sie genommen. Allah versiegelt die Herzen der Arroganten und Stolzen. Es ist sehr verwunderlich, wie jemand, der sich selbst vollkommen perfekt erschaffen sieht, trotzdem die Theorie vom perfekten Schöpfer ablehnt. Seine Körperform, die Perfektion seiner Bauweise und die Verbindung des Körpers mit der Seele, beweist doch die Existenz seines Schöpfers. Ich schwöre bei meinem Leben, das sich diese Männer über all diese Fragen noch keine Gedanken gemacht haben. Es gibt nicht eine einzige Sache, die nicht Allahs Zeichen zeigt. Ich schreibe dir hier einige Argumente auf, worüber ich bereits mit einem atheistischen Arzt aus Indien diskutiert hatte. Er besuchte mich häufig und wir sprachen öfters über seine atheistischen Ansichten miteinander. Eines Tages schlug er auf eine Halila (Myrobalanfrucht) ein und plötzlich kam ihm ein Gedanke. „Dieses Universum existierte bereits vor der Ewigkeit und wird weiterhin bis zur Ewigkeit existieren. Ein Baum wächst und ein anderes verschwindet allmählich. Eines wird geboren, während ein anderes stirbt und die Verbindung, die sie beide miteinander verbindet, bestand in der Vergangenheit und wird auch zukünftig bestehen. Der Glaube wird weitervererbt durch die Vorväter und die Überlieferungen.“ Fortfahrend mit der gleichen Kraft, fuhr er fort zu sagen: „Die Existenz von unterschiedlichen Dingen in diesem Universum kann nur mithilfe der fünf Sinne wahrgenommen werden. Aber Allah habe ich niemals durch eines der fünf Sinne wahrgenommen und deshalb kann ich nicht an Ihn glauben.“ Als er an diesen Punkt angelangt war, sprach ich (Imam Jaafar as-Sadiq) zu ihm: „Ich werde dir Seine Existenz durch den in dir innewohnenden Instinkt, den jeder Mensch in sich hat, beweisen.“ „Wie kannst du so was sagen?“, erwiderte der Inder. Er sagte: „Der Verstand hat nur Kenntnis von den Dingen, die es mit den fünf Sinnen wahrnehmen kann. Hast du Allah gesehen, Seine Stimme gehört, Seinen Geruch gerochen, Ihn mit deiner Zunge geschmeckt oder Seine Hände oder Füße jemals angefasst? Wie kann man nur an Ihn glauben? Ich (Imam Jaafar as-Sadiq) fasste seine Argumente zusammen: „Du glaubst also nicht an Allah, weil du Ihn nie durch deine Sinne wahrgenommen hast. Auch ich habe Ihn niemals durch irgendeines der fünf Sinne wahrgenommen. Jedoch ist mein Glaube an Allah genauso stark, wie dein Unglaube an Ihn. Wir können nicht beide Recht haben, stimmst du dem zu?" Inder: „Zweifellos. Entweder hast du Recht oder ich.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Gut. Wenn du Recht hast, dann gibt es für mich keinen Grund dir weiterhin mit dem Unmut Allahs für deine Ungläubigkeit zu drohen. Aber falls ich recht habe, glaubst du dann nicht, dass du für deinen Unglauben bestraft wirst und ich im Gegenzug belohnt werde?“ Inder: „Gut möglich.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Sag mir, wer von uns beiden ist klüger.” Inder: „Oh. Dein Glauben ist eine Einbildung/Vermutung/Annahme, eine grundlose Behauptung. Meine Sicht ist richtig und ist allgemein bekannt. Ich nehme Allah nicht durch meine Sinne war und deshalb existiert Er nicht.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Da deine Sinne Ihn nicht wahrnehmen können, lehnst du Ihn ab. Im Gegensatz dazu glaube ich an Ihn, gerade weil meine Sinne Ihn nicht wahrnehmen können. Deine Ansichten haben dich zum Unglauben geführt und mich zum Glauben.“ Inder: „Wie ist das möglich?” Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Die Dinge sind ‚murakkab’ (Zusammensetzung aus verschiedenen Teilen). Jedes Teil besitzt eine Form und Farbe, die unsere Sinne anzieht. Anders gesagt; alles was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, hat eine bestimmte Form und Farbe. Allah besitzt aber keine Form und Farbe! Dein Argument für deinen Unglauben ist dumm, weil Allah überhaupt nicht so sein kann, wie die Dinge, die wir durch unsere Sinne wahrnehmen. Der Allmächtige ist nicht ‚murakkab’. Wenn Er für das Auge oder den anderen Sinnen wahrnehmbar wäre, würde Er den anderen geschaffenen und ‘murakkab’ Dingen gleichen und in diesem Fall wäre Er nicht mehr unser Schöpfer.” Inder: „So ein Unsinn. Worüber redest du? Ich kann nicht glauben, solange ich Allah nicht durch eines meine Sinne wahrnehme.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Für deine Behauptung hast du keine Beweise. Deine Argumente sind somit auf derselben Linie, wie meine." Inder: „Wieso sollen unsere Argumente vergleichbar sein?” Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Du hast mir am Anfang unserer Diskussion vorgeworfen, dass mein Glaube auf Tradition beruhen würde. Das was du über mich gesagt hast, ist nun auf deinen eigenen Gedanken anwendbar. Du bestehst auf der Annahme, dass eine Sache nicht existiert, wenn man sie nicht mit den Sinnen wahrnehmen kann. Du ignorierst dabei all die Botschaften Allahs, die Er durch seine Propheten und Lieblinge uns übermittelt hat. Sag mir: Hast du jede Ecke dieser Welt besucht?“ Inder: „Nein. Natürlich nicht.” Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Hast du jemals den Himmel betreten, den du jeden Tag mit deinen Augen siehst? Warst du in den tieferen Schichten der Erde? Hast du die Welt durchquert? Bist du in jedem Meer gewesen oder durch die Atmosphäre geflogen? Um das Bestehen eines Schöpfers zu widerlegen, müsstest du an all diesen Orten gewesen sein.“ Inder: „Nein. Du weißt, dass ich so was nie gemacht habe.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Gut. Wie kannst du dann behaupten, es gäbe keinen Schöpfer, obwohl weder du noch irgendeines deiner Sinne an all diesen Orten waren. Vielleicht lebt Er da.“ Inder: „Ich weiß nicht, aber vielleicht gibt es jemanden, der mit einer außergewöhnlichen Intelligenz gezeichnet ist und an diesen Orten sich aufhält.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): “Wie? Du erwähnst also die Möglichkeit eines Schöpfers. Anfangs hast du diesen Gedanken eine kategorische Absage erteilt und nun zweifelst du bereits. Vielleicht wirst du doch noch gläubig." Inder: „Meine Zweifel beruhen auf deine Frage über die verschiedenen Orte, die meine Sinne nicht wahrnehmen können. Aber ich kann immer noch nicht richtig begreifen, wie etwas existieren kann, wenn ich es nicht fühlen kann.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Gut. Ich werde es dir mithilfe dieser Halila (Myrobalanfrucht) erklären.” Inder: „Oh ja. Versuch es mir zu erklären. Die Halila gehört zu den Früchten, die für medizinische Forschungen gebraucht wird und ich kenne mich damit gut aus.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Ich nehme die Halila, weil sie genau vor uns wächst. Ich hätte auch etwas anderes nehmen können, um die Existenz Allahs zu beweisen. Alles was aus verschiedenen Teilen besteht ist geschaffen. Die Schöpfung führt uns zum Schöpfer. Das was war, ist nicht mehr und das was ist, wird von Allah wieder vernichtet. Allah schafft etwas und vernichtet es wieder. Sag mir: Siehst du diese Halila?“ Inder: „Ja, ich sehe sie.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Kannst du mir auch sagen, was sich in dieser Frucht befindet?“ Inder: „Nein, kann ich nicht.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Da du mit deinen Augen nicht sehen kannst, was in dieser Frucht ist, dürfte darin auch kein Kern sein.” Inder: „Aber wie kann ich das sagen? Aber vielleicht ist da wirklich kein Kern. Ich weiß es nicht.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Gut. Glaubst du, dass diese Frucht auch an anderen Orten auf dieser Erde wächst? Existieren noch andere Halilas, die wir mit unseren Augen nicht sehen können?“ Der Inder überlegte etwas und antwortete: „Nein. Das ist die einzige Halila Frucht auf dieser Erde.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع) bemerkte seine Ignoranz und fragte weiter: „Sag mir: Ist diese Halila das Produkt eines Baumes oder kam es durch sich selber auf diese Welt?“ Der Inder: „Ich bin nicht dumm zu sagen, die Frucht hätte sich selber geschaffen oder dergleichen. Die Halila ist natürlich das Produkt eines Baums." Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Dann glaubst du an einen Baum, den du überhaupt nicht gesehen hast.“ Der Inder: „Ja.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Hast du die Halila gesehen, bevor sie noch nicht existierte?“ Der Inder: „Nein. Wie könnte ich das anstellen?“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Dann könnte es sein, dass die Frucht plötzlich von sich aus entstanden ist. Als du den Baum anfangs angeschaut hast, besaß er noch keine Halilas. Später jedoch waren plötzlich Halilas da. Glaubst du, dass diese Früchte aus der Nicht-Existenz auf diese Welt kamen?“ Der Inder dachte wieder nach und sagte: „Ja. Wieso eigentlich nicht? Ich sage, dass das was die Halila zur Halila gemacht hat, bereits im Baum war, sich später vereinigt hat und zu dieser Frucht geworden ist.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Hast du den Samen gesehen, aus der die Halila entstanden ist?“ Der Inder: „Ja, das habe ich.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Sag mir: Wie können so viele Sachen in so einen kleinen Samen gelangen?“ Der Inder: „Ich kann mir das nicht erklären.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Kann es sein, dass die Eigenschaften nicht im Samen enthalten waren, sondern erst hinterher aus dem Nichts dazu kamen?“ Der Inder: „Ja. Ich glaube nicht, das sie jemand geschaffen hat und du kannst es mir nicht beweisen.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Wieso nicht? Wenn ich dir ein Bild zeige, wirst du auch sofort glauben, dass es jemand gemalt hat.“ Der Inder: „Ja.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Wundert es dich nicht, dass diese Halila eine spezifische Farbe, eine spezifische Größe, eine spezifischen Samen und einen spezifischen Geschmack besitzt? Der weiche Teil der Frucht verschmilzt mit dem harten Teil. Die Farben überdecken sich gegenseitig. Eine Schicht überdeckt die andere. Seine Struktur besteht aus zusammen gesetzten Teilchen. Es besitzt eine Haut, die es vor äußere Einflüssen schützt und Wurzeln, die es mit Wasser versorgen." Der Inder: „Wäre es aber nicht besser, wenn der Samen mit Blättern umgeben wäre?“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Allah ist der beste Beurteiler. Wenn es mit Blättern umgeben wäre, wie du es vorgeschlagen hast, würde es nicht genügend Luft abbekommen, um Stärke und Vitalität zu erhalten. Es könnte nicht mehr durch die Kälte beeinflusst werden, die es robust machen. Die Sonne könnte es nicht zum reifen bringen. Es würde verfaulen. Die unterschiedlichen Einflüsse wurden von Allah, dem Allmächtigen, geschaffen um die Frucht zu perfektionieren.“ Der Inder: „Der Samen in seinem rudimentären Zustand, war weder Kern noch eine Schale. Es besaß weder eine Farbe, noch einen Geschmack. Es war nur eine Flüssigkeit“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Ja, das ist mir bekannt. Wenn Allah nicht die Teilchen in dieser Flüssigkeit gleichmäßig geteilt hätte, wie könnte dann dieses winzige Tröpfchen Wasser ihre jetzige Entwicklungsstufe erreichen? Wie konnte es seine jetzige Form annehmen? Du musst von einer Entwicklung ausgehen.“ Der Inder: „Du hast mich überzeugt. Es muss etwas geben, das diese Dinge geschaffen hat. Deine Argumente über das Wachstum der Bäume, ihre Entwicklung und die Beschreibung ihrer Früchte haben mich überzeugt. Aber wieso soll ein Schöpfer das alles erschaffen haben? Wieso können wir nicht sagen, dass diese Dinge aufgrund ihres eigenen Antriebs zur Welt kamen?“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Ihr Design deutet auf eine perfekte Intelligenz hin. Tut es das nicht?“ Der Inder: „Ja, das tut es. Es ist offensichtlich.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Glaubst du, dass es nun vernünftig wäre zu behaupten, dass diese perfekte Intelligenz und Weisheit aus der Nicht-Existenz entstanden sind. Der Inder: „Nein.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Weißt du nicht, dass diese Halila geschaffen worden ist, vorher nicht existierte und später wieder verschwinden wird?“ Der Inder: „Doch, das ist mir klar. Diese Halila könnte geschaffen sein, aber ihr Schöpfer muss dann ‚Wajib-ul-wujud’ (ewig dauernde Existenz) sein." Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Sag mir: Wieso kann diese Halila, die nach deiner Meinung sich selber geschaffen hat, sich nicht davor schützen gepflückt zu werden?“ Der Inder: „Weil es nur die Kraft besitzt, sich selber zu schaffen.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Wenn du auf deine Sturheit bestehen willst, dann mach das, aber sag mir: Hat sich diese Halila vor ihrer Existenz geschaffen oder danach? Wenn du danach sagst, ist deine Behauptung absurd. Es ist unmöglich für eine Sache sich selber zu schaffen, obwohl es bereits existiert. Die Halila müsste sich dann zweimal geschaffen haben. Wenn du behauptest, die Halila hätte sich vor ihrer Existenz geschaffen, dann ist das ebenfalls absurd. Vor seiner Existenz war es absolut nichts. Wie kann eine nicht existierende Sache etwas Existierendes hervorbringen? Während ich sage, dass eine existierende Sache (Allah) nicht existierende Dinge (Halila) schöpft, behauptest du, dass eine nicht existierende Sache existierende Dinge schafft. Wessen Theorie ist logischer?" Der Inder: „Deine Ansichten sind richtig.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Wieso akzeptierst du sie dann nicht?“ Der Inder: „Ich akzeptiere das, aber ich habe noch einen Zweifel. Könnte der Baum nicht die Halila erschaffen haben, da die Frucht schließlich das Produkt des Baumes ist?“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Gut. Wer hat den Baum dann erschaffen?” Der Inder: „Eine andere Halila.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Du behauptest wieder dasselbe wie vorhin. Wir sind dabei uns im Kreis zu drehen, ohne jemals an ein Endpunkt zu gelangen. Wenn wir alles zusammenfassen, kommen wir zu der Überzeugung, dass Allah der Schöpfer von allen Dingen ist. Wenn du aber auf deine Ansichten beharren willst, dann wäre ich bereit, dich erneut aufzuklären.“ Der Inder: „Ja mach das.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Kann der Baum von der Halila entspringen, wenn die Halila erst nachher entsteht?“ Der Inder: „Ja.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Der Baum lebt auch hundert Jahre nach dem Tod der Halila weiter. Wer hat dann den Baum erschaffen? Wer schützt den Baum und macht ihn dick und stark? Wer versorgt es mit dem Nötigen? Sicherlich musst du sagen, dass Allah es war, der diesen Baum erschaffen hat. Die Halila kann nicht der Schöpfer sein, da es selber vorher schon verschwindet. Eine tote Sache, kann keine existierende Sache versorgen. Außerdem beginnt der Baum erst richtig an zu wachsen, wenn die Halilas sich bereits auflösen. Wenn der Baum voll ausgewachsen ist, ist der Halila Samen bereits Tod. Sag mir: Wer versorgt, schützt und formt nun den Baum? Der Inder: „Das kann ich nicht sagen.“ Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Wieso kannst du nicht glauben, dass Allah der Schöpfer ist? Du kannst keine Zweifel mehr haben.“
„Doch, ich habe noch Zweifel, du hast mir nicht genügend Beweise für
Seine Existenz gegeben“, sagte er (der Inder). „Wenn du immer noch auf deine absurde Theorie beharrst, dass existierende Dinge mithilfe der fünf Sinne erkannt werden müssen, so sage ich dir, dass die Sinne nichts ohne die Hilfe des Verstands erkennen können. Der Verstand ist der wahre Leiter. Nur der Verstand bringt alle Dinge in eine enge Beziehung zueinander. Und du behauptest genau das Gegenteil, indem du sagst, dass der Verstand nicht in der Lage ist irgendetwas zu erkennen, ohne auf die Sinne zurückzugreifen. Das ist doch eine falsche Behauptung“, sagte ich (Imam Jaafar as-Sadiq).
„Deine Argumentation ist mir neu“, sagte er, „ich muss erst mehr Details
erfahren, bevor ich etwas gestehe“.
„Dann gebe ich dir einige“, sagte ich. „Du musst wissen, dass im Falle
des Versagens eines Sinnes oder gar aller Sinne - wie taube Ohren,
blinde Augen, verschwundener Geruchsinn – der Verstand allein die
entsprechenden Funktionen der Sinne reguliert. Nur der Verstand hat noch
die Kontrolle darüber, ob eine bestimmte Handlung ausgeführt wird oder
nicht. Und Handlungen, die auf Anraten des Verstands erfolgen, bringen
umfassende Ergebnisse“.
Er sagte: „Deine Argumentation scheint überzeugend zu sein, aber du
musst es mir noch präziser und genauer erklären“.
„Gut“, ich fragte, „weißt du, dass der Verstand das Versagen der Sinne
überlebt?“
„Ja“, antwortete er. „Jedoch schwinden seine Wahrnehmungen und sein
Wissen mit den Sinnen dahin. Z. B können Ohren hören, aber nicht der
Verstand, also wird es taub mit den Ohren“.
Ich fragte: „Weißt du, dass wenn eine Mutter ein Kind gebärt, die Sinne
dieses Kindes noch nicht in der Lage sind zu funktionieren. Die Sinne
sind noch nicht so ausgeprägt, dass sie irgendeine Funktion in dieser
Lebensphase übernehmen können“.
„Ja, das weiß ich sehr wohl“, antwortete er.
„Dann sag mir doch“, erwiderte ich, „welches dieser Sinne das Kind zum
Schreien nach Milch veranlasst, und fröhlich und heiter zu sein, wenn es
seine Milch bekommen hat? Welches der Sinne animiert die Vögel auf
Beutezug zu gehen, und was bringt die Vögel, die sich von Getreide
ernähren, dazu ihre Kücken mit Körnern zu füttern, und die Fleisch
fressenden Vögel ihre Küken mit Fleisch zu füttern? Warum ernährt sich
die eine Vogelart von Fleisch und die andere kleinere Art von Körnern?
Und betrachten wir mal die Wasservögel, warum können sie auf der
Wasseroberfläche schwimmen, und jene, die das Land besiedeln, ertrinken
und sterben, wenn sie ins Wasser geworfen werden? Wenn alle Geschöpfe
die gleichen Sinne haben, wie wird es den Wasservögeln ermöglicht,
größere Nutzen als die Landvögel zu ziehen? Warum sterben Landvögel,
wenn sie für kurze Zeit in Wasser gehalten werden, und warum sterben die
Fische, die die Meere bewohnen, wenn sie für kurze Zeit aus dem Wasser
raus genommen werden? Widerlegen diese verschiedenen Eigenschaften der
Sinne nicht deine Theorie von der Allmächtigkeit der Sinne und weisen
auf ein größeres Intellekt hin, ein Intellekt, das diese Vögel- und
Fischarten erschaffen und sie mit Absicht so angeordnet hat, dass die
eine Art für das Landleben und die andere für das Leben im Wasser
bestimmt ist, und das die Gegebenheiten erschaffen hat, die ihren
Bedürfnissen entsprechen? Wenn die Sinne durchwegs allmächtig wären,
hätten sie Ähnlichkeiten in den Handlungen bei allen Arten aufgewiesen.
Hast du auch schon die Ameise beobachtet, die nie Wasser gesehen hat und
trotzdem anfängt zu schwimmen, wenn sie ins Wasser geworfen wird, und
der starke und kluge Mensch, der nicht schwimmen gelernt hat, der sinkt
bis zum Meeresgrund und kommt anschließend als toter Mann auf die
Wasseroberfläche? Nun, wenn die Theorie, dass alle Dinge durch die Sinne
in Erfahrung gebracht werden, stimmen sollte, warum benutzt der weise,
erfahrene und starke Mensch denn nicht seine Sinne, um sich zu retten so
wie die Ameise? Weißt du denn auch nicht, dass der Verstand – die
Schatzkammer der Weisheit – genauso in einem Tierjungen als auch in
einem Menschenjungen gleichermaßen gegenwärtig ist? Und dass es der
Verstand ist, der das Kind zum Schreien nach Milch anregt, und die
Körnervögel sich von Körnern zu ernähren und die Fleisch fressenden
Vögel nach Fleisch zu jagen“.
„Ich weiß nur dies“, sagte er, „dass der Verstand nur durch die Sinne
Dinge in Erfahrung bringen kann“.
„Du hältst immer noch an dein Argument fest und sprichst zugunsten der
Sinne, allerdings hast du einmal zugegeben, dass der Verstand die Sinne
leitet. Sehr gut, jetzt werde ich dir bezüglich der Sinne beweisen, dass
sie nichts außer äußere Dinge wahrnehmen bzw. erkennen können. Sie
können auf keine Weise die Existenz von unsichtbaren Dingen wie z. B.
den Allmächtigen Allah oder die Seele erkennen. Deshalb hat uns der
Schöpfer mit einem Verstand ausgestattet, mit dessen Hilfe die „Hujja“
(Beweise für Seine Existenz) begründet werden kann. Er hat die Sinne
erschaffen, damit sie äußere Zustände beobachten und für Ihn sprechen
können. Wenn das Auge die Schöpfung in all ihren Teilen beobachtet, dann
lenkt es die Aufmerksamkeit des Verstands darauf hin. Das Auge sieht den
Himmel, der ohne Stütze in seiner Position bleibt, es sieht seine
regelmäßige Bewegung, Rotation und Umlauf, weder werden sie langsamer,
so dass sie sich uns nähern, noch schreiten sie voran, dass sie in
irgendeiner Weise beeinträchtigt werden könnten. Ihre Distanz von uns
bleibt unverändert und genauso ihr Zustand. Sie werden nicht alt oder
verfallen, obwohl Millionen von Tagen und Nächten vergangen sind. Ihre
Ecken oder Enden fallen nicht herunter. Die Bewegung der sieben
Planteten hängt ebenfalls von der Rotation des Himmels ab. Sie ändern
ihre Stellen jeden Tag, jeden Monat und jedes Jahr. Manche sind sehr
schnell und manche sind sehr langsam in ihrer Bewegung, aber keines ist
zu schnell und keines ist zu langsam. Sie alle kehren an ihre Stelle
zurück, nachdem sie ihre festgelegten Aufgaben erfüllt haben, darunter
einige unerschütterliche, die ihren Kurs gen Norden einnehmen und
manchmal gen Süden. Sie bleiben verborgen während des Tages und werden
sichtbar bei Nacht.
Das Scheinen von Sonne und Mond an bestimmten Stellen zu bestimmten
Zeiten, wird unter den Wissenschaftlern der Astronomie, die mit einem
guten Denkvermögen gesegnet sind, sicherlich nicht als das Ergebnis
irgendwelcher menschlichen Erfahrungen oder Willen betrachtet. Noch
glauben sie, dass Untersuchungen, Recherchen und Forschungen der
Menschen solch ein derartiges Phänomen erzeugen können. Wenn man nun
alles einem Test und einer strengen Prüfung unterwirft, so kommt der
Verstand zur Vernunft und zum Schluss, dass es Jemanden geben muss, Der
dieses wunderbare Universum erschaffen hat, Der die Himmel in ihrer
natürlichen Position erhalten hat und sie vor dem Sturz auf die Erde
bewahrt. Neben den Himmel, erschuf Er auch die Planeten und die Sterne.
Ferner erkennt das Auge die Erde als ein Gewölbe und teilt dem Verstand
ihre Beobachtung mit. Der Verstand fühlt, dass der Aufrechterhalter
dieser Erde auch Der sein muss, Der sie an ihrer fixierten Stelle
bewahrt und daran hindert aus ihrem Kurs zu geraten, und dass es Der
Gleiche sein muss, der die Himmel über uns an ihrer festen Stelle
bewahrt. Der Verstand folgert, wenn es keinen Aufrechterhalter dieser
Dinge gäbe, die Erde mit allem, was auf sie ruht wie Berge, Bäume, Seen,
Sand, etc. leicht zusammenklappen würde. Der Verstand hat mithilfe der
Augen entschieden, dass der Schöpfer der Erde Der sein muss, Der die
Himmel erschuf….
Darüber hinaus hören die Ohren die Laute sowohl von heftigen
Wirbelstürmen als auch von sanften angenehmen Brisen. Das Auge sieht,
dass Wirbelstürme mächtige Bäume entwurzeln, solide Gebäude zerstören
und Sandhügel von einem Ort an einen anderen transportieren. Und obwohl
das Auge all diese Bewegungen beobachten kann, kann es niemanden sehen,
der diese ausführt. Das Ohr kann niemanden hören. Noch kann irgendeines
der Sinne Seine Anwesenheit aufspüren. Das Auge kann die Luft nicht
sehen aufgrund ihrer Ausdehnung, Hände können sie nicht festhalten, weil
sie keine feste Masse ist. Das Auge, das Ohr und die Sinne können nichts
erkennen ohne die Unterstützung des Verstands. Der Verstand sagt, da
gibt es jemanden, Der all diese Dinge kontrolliert. Wenn die Sinne ihre
Eindrücke dem Verstand weiterleiten, denkt der Verstand
vernünftigerweise, dass der Wind nicht aus eigenem Antrieb bläht, wenn
das so wäre, dann würde er ständig blähen ohne aufzuhören, denn gemäß
der Philosophie der Naturwissenschaften gilt es als erwiesen, dass eine
natürliche Kraft nicht aufhört, es sei denn ihr wird durch eine größere
Kraft Widerstand geleistet. Dennoch, diese Kraft hätte nicht eine Sache
zerstört und die andere unversehrt belassen, und den einen Baum
herausgerissen und nicht den anderen und diese bestimmte Landschaft
getroffen und nicht eine andere. All dies wird vom Verstand in Betracht
gezogen und erwägt, und es kommt zu dem Schluss, dass jemand den Wind
kontrolliert, ihn bewegt oder stoppt so wie es Ihm gefällt, sendet oder
entzieht dessen Ströme wem Er will. Auch in Anbetracht der Beziehung
zwischen Himmel und Wind und deren Wunder, kommt der Verstand ohne zu
zögern zu dem Entschluss, dass der Schöpfer des Windes auch der
derjenige ist, der die Himmel, die Erde und all ihre Wunder
aufrechterhält. Genauso verhält es sich, wenn die Augen, die Ohren und
die Sinne übereinstimmende Informationen über ein Erdbeben an den
Verstand weiterleiten. Der Verstand reflektiert über das Zittern einer
mächtigen Erde mit ihren Bergen und Seen und allem was dazu gehört. Und
angesichts der Tatsache, dass die Erde ein einheitliches festes Gebilde
ohne Risse oder gespaltene Teile ist, und dennoch bebt ein Teil und der
andere bleibt unbeeinträchtigt, und Gebäude werden zerstört auf der
einen Seite, aber nicht auf der anderen, folgert es daraus, dass
Derjenige der einen Teil der Erde erschüttert und den anderen verschont
auch Derjenige ist, Der den Wind bewegt und die Luft kontrolliert, sie
zurückhält oder nicht, ganz nach Seinem Willen. Er ist der Designer und
Organisierer der Himmel und Erde und alle Dinge die mit ihnen in
Verbindung stehen. Der Verstand errät mit Bestimmtheit, dass die Erde
unmöglich von alleine beben kann, weil sie naturgemäß solide ist, dürfte
sie niemals zittern.
Und wenn sie naturgemäß nicht solide wäre, hätte sie nie aufgehört zu
zittern, weil der natürliche Zustand einer Sache unveränderbar ist. Und
somit wurde dem Verstand bewiesen, dass Der, Der die Erde entworfen und
erschaffen hat, irgendein beliebiges Teil von ihr erschüttern kann oder
nicht. Das Auge hat auch ein anderes wunderbares Zeichen für Allahs
Existenz im Gewölk beobachtet, das durch Sein Gebot wie Rauch oben
zwischen Erde und Himmel schwebt. Dieses Gewölk hat keinen Körper, das
mit Bergen kollidieren kann. Es geht durch Bäume ohne sie zu rütteln
oder an ihnen haften zu bleiben. Es geht oft durch Karawanen und wenn es
dunkel und dick ist, vernebelt es ihnen den Weg. Trotz seiner leichten
Erscheinung trägt es Mengen von Wasser mit sich in unbeschreibbarer
Beschaffenheit. Es trägt immense Blitze und Donner, Schnee, Hagel und
Tau in einer Größenordnung, die über die Vorstellungskraft des Menschen
hinausgeht. In bergigen Regionen steigt es sehr hoch hinauf. Manchmal
sieht man es in einem zerstreuten Zustand und manchmal als eine
einheitliche Masse. Seine Bewegung hängt vom Wind ab, der durch den
Willen von Allah reguliert wird. Durch die Beeinflussung des Windes
steigt es manchmal auf und dann wider ab, natürlich ohne dabei das
Wasser, das es trägt, auf die Erde fallen zu lassen, und ein anderes Mal
regnet es in Strömen. Sehr oft sehen wir es über Städte und viele Orte
hinwegschweben, ohne dabei auch nur ein Tropfen Wasser zu verlieren. Und
wenn es sich über hunderte von Meilen über Land ausgestreckt hat, fängt
es an einen Tropfen nach dem anderen zu regnen, und manchmal in Strömen
mit der gleichen Menge an Wasser. Manchmal regnet es unaufhörlich, dass
Reservoirs, Tanks, Bahnen und Flüsse überlaufen und Straßen überflutet
werden und man sieht ein Meer von Wasser so weit das Auge reicht.
Manchmal regnet es so heftig, dass das Ohr fast taub durch das Brausen
und Donnern wird. Mit diesem Regen belebt Allah trockenes Land wieder,
ändert seine Farbe und Kleid in eine grüne Pracht. Das Grass, das Futter
der Tiere, fängt an zu wachsen. Nachdem es aufhört zu regnen, lösen sich
die Wolken auf und werden allmählich unsichtbar, keiner kann sagen,
wohin sie verschwunden sind. Sobald diese Beobachtungen durch das Auge
an den Verstand weitergegeben werden, fängt der Verstand an darüber
nachzudenken. Der Verstand überlegt, dass wenn diese Bewegungen und
Funktionen der Wolken sich von selbst erschaffen haben und nicht durch
eine perfekte Weisheit reguliert würden, wäre es den Wolken nicht einmal
möglich die Hälfte des Wassers zu tragen. Und wenn die Wolken den Regen
von selbst schütten würden, könnten sie sich nicht weiter von ihrer
Stelle entfernen, und es hätte nicht tropfenweise geregnet, sondern im
Gegenteil, sie würden das ganze Wasser auf einmal und auf der Stelle
ausschütten, weil es ihnen an Intelligenz mangelt und sie nicht die
Folgen vorausahnen können, wenn das Wasser plötzlich an einer Stelle
ausgeschüttet wird. In diesem Falle würden Gebäude einstürzen, der
Gemüseanbau ruiniert werden, ein Teil des Landes würde überbewässert
sein und ein anderes trocken und unfruchtbar bleiben. Diese Überlegungen
bringen den Verstand zu der Erkenntnis, dass der Schöpfer all dieser
Dinge der Ein und Derselbe sein muss. Denn gäbe es einen oder zwei oder
drei, wären seit der Entstehung des Ganzen Differenzen und Uneinigkeiten
zwischen ihnen entstanden hinsichtlich der Regulierung all dieser
Abläufe. Manche wären dann langsamer als die anderen. Manche hochragende
Dinge würden tiefer gelegt werden, und manch tief liegende Dinge würden
höher gelegt werden. Manch Planeten würden entgegen der vorherrschenden
Regelen aufbrechen anstatt unterzugehen und manche würden untergehen
anstatt aufzubrechen. Kurz gesagt, überzeugt die Einheit des Designs,
die sich deutlich in der Schöpfung manifestiert, den Verstand von der
Tatsache, dass der Schöpfer von allen sichtbaren und unklaren Dingen und
Wundern des Universum Er ist, Dessen Existenz unendlich ist und schon
vor dem Entstehen all dieser Dinge existiert hat. Er ist der Schöpfer
und Aufrechterhalter des Himmels, der Schöpfer und Designer der Erde und
der Schöpfer all dieser Dinge, die ich gerade erwähnt habe und anderen
Dingen, die zuviel sind um sie aufzuzählen.
Ferner beobachtet das Auge die Folge von Tag und Nacht, die aufeinander
folgen ohne eine etwaige Veränderung in ihrer Regularität und ihres
Zustands. Es sieht sie ineinander übergehen in regelmäßigen Stunden,
ihre typischen Merkmale von hell und dunkel, ihre unterschiedlichen
Kürzen und Längen. Es sieht, dass die Sterne und die Planeten durch
diese Folgen von Tag und Nacht unberührt bleiben, das Herannahen und
Aufbrechen von verschiedenen Jahreszeiten mit dem stets gleichen Anfang
und Ende. Und der Verstand erkennt mit dem instinktiven Sinn, den ihm
Allah der Allmächtige gegeben hat, über alle Zweifel erhaben, dass der
Erschaffer all dieser perfekten Weisheit der Einzige, Allmächtige,
Allwissende, Ewige Allah ist. Es denkt, gäbe es mehr als einen
Erschaffer, hätte jeder einzelne von ihnen der Schöpfung des anderen
Erschaffers keine Bedeutung beigemessen, und würde versuchen, den
anderen im Design zu übertreffen. Infolgedessen würden anstatt
Regularität und Harmonie nur noch Unordnung und Wirrwarr herrschen…
Darüber hinaus hat das Ohr die Botschaft von Allah durch seine Gesandte
vernommen, die die Schlussfolgerung des Verstands bestätigt. Das Ohr
hört Zeugnisse, dass Allah weder eine Frau noch einen Sohn noch einen
Partner hat, und diese Botschaft wurde vom Verstand aufgenommen, um die
Wahrheit zu erkennen“.
„Was du da beschrieben hast“, sagte er, „sind wunderbare Dinge – Dinge,
die ich nie zuvor gehört habe. Dennoch bin ich nicht ganz überzeugt von
dem, was du gesagt hast, es sei denn du lieferst mir mehr überzeugende
Beweise“.
„Gut“, sagte ich, „wenn du dich nicht imstande dazu fühlst, meine
Beschreibungen zu widerlegen oder einen Fehler darin zu finden und du
dich selbst mit deinen Argumenten auseinandersetzt, bin ich überzeugt
davon, dass dein Verstand in Kürze inshallah (so Allah will) dir
versichern wird, dass die Sinne nicht imstande sind das Geringste zu
erkennen ohne die Hilfe des Verstands. Nun erzähle mir doch, hast du mal
einen Traum erfahren, in dem du etwas gegessen hast und dessen
angenehmen Geschmack du genossen hast“.
„Ja“, sagte er.
„Hast du jemals geträumt“, fragte ich ihn, „dass du gelacht hast oder
bitterlich geweint hast, in bekannte und unbekannte Länder gereist bist,
und du diese Länder wahrgenommen hast, die du zuvor gesehen oder gekannt
hast“.
„Ja“, antwortete er, „ich hatte viele solche Träume“.
Ich frage ihn: „Hast du jemals in deinen Träumen Verwandte, Eltern oder
Geschwister gesehen, die schon lange verstorben sind und erkanntest sie
so wie du sie in deinem Leben gekannt hast?“.
„Warum nicht“, sagte er, „ich habe viele solche Träume erlebt“.
„Na dann, sage mir doch, welches der Sinne fühlte den toten Menschen und
gab es dem Verstand zu erkennen, damit der Verstand ihn wahrnehmen kann
und mit ihm sprechen kann, welches der Sinne genoss das Essen, und
welches hat die bekannten und die unbekannten Länder wahrgenommen, durch
die er gereist ist? Welcher Sinn lachte und weinte?“ fragte ich ihn.
„Ich bin verwirrt“, sagte er, „ich kann nicht beantworten, welches
meiner Sinne in diesem schlafenden Zustand die oben erwähnten Dinge
gemacht hat. Fakt ist, dass wenn man schläft, man wie tot ist, und in
diesem Zustand ist es schier unmöglich für die Sinne zu fühlen, zu
erkennen, zu sehen oder etwas zu hören“.
Ich fragte ihn: „Erzähl mir, wann bist du von deinem Schlaf
aufgeschreckt, hast du nicht deine Träume in dem Maße ins Bewusstsein
zurückgerufen, um sie deinen Verwandten und Freunden erzählen zu können
und dabei nichts zu vergessen?“.
„Ja“, sagte er, „manchmal habe ich etwas im Traum gesehen und das
gleiche noch mal im wachen Zustand“.
„Also gut, dann sage mir, welches der Sinne dich mit den Erinnerungen
dessen, was du gesehen hast inspiriert hat, wenn diese Sinne geschlafen
haben?“.
„Keines der Sinne scheint mit dem irgendetwas zu tun zu haben“, sagte
er.
„Leuchtet es dir jetzt nicht ein, dass es der Verstand ist, der all dies
sieht, sich an sie erinnert (im schlafenden Zustand), während alle Sinne
aufgehört haben zu arbeiten? Weißt du nicht, dass der Verstand mit
Vernunft ausgestattet wurde, durch Mittel, durch die Allah sein Beweis (Hujja)
einwandfrei feststellt?“.
„Was ich in einem Traum sehe, ist so gehaltlos wie eine Fata Morgana,
die aus der Ferne wie echtes Wasser aussieht, und von der Nähe
betrachtet stellt sich heraus, dass es nur Sand ist“, sagte er.
„Wie kannst du Vergleiche anstellen, wenn du in deinem Traum
verschiedene Geschmacksrichtungen genießen kannst?“, befragte ich ihn.
Er sagte: „Aufgrund der Tatsache, dass wenn ich mich einer Fata Morgana
nähere, ich nur Sand vorfinde, und wenn ich aufwache, ich nichts von dem
vorfinde, was ich im Traum gesehen habe“.
„Nun, wenn ich dir über das, was dich im Traum erfreut oder beunruhigt
hat, einen Beispiel gebe, wirst du dann an die Realität der Träume
glauben?“, fragte ich.
„Ja, warum nicht?“, antwortete er
„Berichte mir“, sagte ich, „hast du jemals in einem Traum mit einer dir
bekannten oder unbekannten Frau gelebt?“
„Viele Male“, erwiderte er.
„Hast du dann nicht das gleiche Gefühl empfunden, das durch die
Befriedigung der sexuellen Begierde im wachen Zustand hervorgerufen
wird, und werden nicht genau die gleichen Spuren hinterlassen?“, fragte
ich.
„Dies widerlegt das Argument mit der Fata Morgana, denn sie stellt sich
als unecht heraus, sobald man sich ihr nähert, sie verschwindet einfach.
Aber hier ist genau der Gegensatz der Fall, die Handlung im Traum
hinterlässt Spuren um die Wirklichkeit der Gefühle zu beweisen“.
„Der Träumer sieht die gleichen Dinge, die seine Sinne im Wachzustand
miterlebt haben“, sagte er.
Ich sagte: „Sehr gut, du bestärkst mein Argument, wenn du die Fähigkeit
des Verstands anerkennst, Dinge zu begreifen und zu identifizieren,
derer sich die Sinne (die nicht länger arbeiten) nicht entsinnen. Warum
hast du zuerst behauptet, dass der Verstand auch nicht einmal mithilfe
der Sinne und im Wachzustand diese Kraft besitzt, und dass es nur die
Sinne sind, die all diese Dinge begreifen? Kannst du mir sagen, wer
(wenn die Sinne ausgeschaltet waren) dem Verstand, der weder Ohren noch
Augen hat, diese Kraft gegeben hat? Denn du hast zugegeben, dass es der
Verstand war, der die Frau gesehen und die Freude ihrer Gesellschaft
genossen hat, obwohl die Sinne nicht an der Arbeit waren?
Es ist töricht, das Wissen des Verstands anzuerkennen, wenn die Sinne am
Schlafen sind, und es abzulehnen, wenn die Sinne wach sind. Ein
vernünftiger Mensch muss daran glauben, dass der Verstand der König und
der Hauptverwalter der Sinne ist. Und egal wie töricht er sein mag, kann
er sich doch nicht der Tatsache entziehen, dass die Hand weder das Auge
herausziehen kann noch die Zunge abschneiden kann, noch kann irgendeines
der Sinne über irgendein Körperteil verfügen ohne die Erlaubnis, die
Anregung und den Behelf des Verstandes. Allah hat dem Verstand die
Erhabenheit über den Körper gegeben, und der Körper kann nur mit dessen
Kraft fühlen, sehen oder hören. Wenn der Verstand den Rückzug befiehlt,
kann der Körper nicht voranschreiten und vice versa. Nur durch seine
Intervention arbeiten die Sinne. Sie gehorchen seinen Befehlen. Wenn er
es ihnen verbietet zu handeln, dann gehorchen sie sofort seinem Befehl.
Es ist der Verstand, an dem Sorgen nagen und den Freuden aufheitern.
Trotz des Verlustes oder der Störung eines der Sinne, bleibt der
Verstand intakt. Wenn der Verstand jedoch nicht mehr funktioniert,
erleiden die Sinne das gleiche Schicksal, die Augen sehen dann nicht
mehr richtig und die Ohren verstehen nicht“
„Ich glaube kaum, dass du imstande bist, mit diesen schwierigen Fragen
umzugehen, ohne dabei verwirrt zu werden. Deine Argumente sind so
elegant und scheinen unanfechtbar zu sein“, sagte er.
„Hör zu“, sagte ich, „ich werde dir noch überzeugendere Argumente
liefern über den Wahrheitsgehalt dessen, was ich dir erzählt habe und
über die Dinge, die du in deinen Träumen gesehen hast“.
„Nur zu, ich bin kein bisschen erstaunt über deine Redegewandtheit“,
begegnete er.
Ich fragte ihn: „Wenn du über eine Aufgabe nachdenkst, oder einen Plan
entwirfst um etwas zu bauen oder zu errichten, erteilst nicht einen
Auftrag um diese auszuführen?“
Er antwortete: „Ja“.
„Während du solche Pläne ausarbeitest und Entwürfe gestaltest über
Dinge, die noch nicht existieren, lässt du deine Sinne Partner deines
Verstands werden, der diese kreiert?“, fragte ich.
„Nein“, sagte er.
Ich sagte: „Ist es denn nicht ersichtlich, dass Dinge, die in
Übereinstimmung mit dem wohlüberlegten Urteil des Verstands ausgeführt
werden, von höherem Rang sind? Ist dann damit nicht erwiesen, dass der
Verstand über alle Dinge bescheid weiß und nicht die Sinne?“
„Ich denke schon“, sagte er. „Aber fahre bitte fort mit deiner
Argumentation, denn nun bin ich erpicht darauf, alle Zweifel abzulegen
und die Wahrheit zu akzeptieren“.
„Umso besser“, sagte ich, „sage mir, ob es in deinem Herkunftsland auch
Astronomen gibt?“
„Du scheinst nicht in dem Maße mit dem astronomischen Wissen vertraut zu
sein wie meine Landsleute“, erwiderte er, „ich glaube, es gibt keine
Nation, die uns in diesem speziellen Wissensbereich übertreffen kann.“
„Schön, dann sage mir, wie haben sie dieses Wissen über Astronomie
erworben, denn dieses Wissen kann nicht mithilfe der Sinne erworben
werden, sondern nur durch tiefgründige Gedanken und Reflexionen?“,
fragte ich.
Er antwortete: „Ja, das ist wahr. Manche Gelehrten fertigten
Gesetzestafeln von großer Bedeutung an, die von den folgenden
Generationen befolgt wurden. Wenn eine Anfrage erfolgt, werden die
Bewegungen und die Positionen von Sonne, Mond und Sterne in Betracht
gezogen. Sie ermitteln die Lage der Sterne, welche der sichtbaren Sterne
Unheil verheißend und welche der unsichtbaren Sterne Glück verheißend
sind. Sie kennen sich in dieser Wissenschaft so gut aus, dass sie sich
in ihren Berechnungen kaum irren. Die Menschen nehmen ihre Kinder zu
diesen Astrologen, und sie kalkulieren und prophezeien anhand der
Bewegungen der Planeten Ereignisse und Vorfälle, die im Leben des Kindes
eingetreten sind oder eintreten werden“.
„Was hat die Bewegung der Planeten mit dem Leben der Kinder zu tun, dass
die Eltern sie zu diesen Astrologen hinbringen“, fragte ich.
„Weil die Geburt jedes Kindes mit der Bewegung eines Planeten
übereinstimmt, wenn das nicht so wäre, würden die Astrologen Fehler
machen. Sie berechnen den Bewegungs-Tag, Monat und Jahr, in denen das
Kind geboren wurde, und sind korrekt in ihren Schlussfolgerungen“,
antwortete er.
„Wenn das wirklich wahr ist, hast du soeben eine so wunderbare
Wissenschaft beschrieben, die mit keiner anderen verglichen werden kann
noch verdient eine andere mehr Respekt als sie, denn die Vorfälle und
Ereignisse im Leben eines Menschen von der Geburt an bis zum Tode können
durch sie in Erfahrung gebracht werden. Glaubst du, dass die Kenntnisse
in dieser Wissenschaft beim Menschen angeboren sind?“
„Nein, das glaube ich nicht“, sagte er.
„Dann lass uns darüber nachdenken“, sagte ich, „wie diese Kenntnisse
erworben wurden. Und ist es richtig, wenn wir behaupten, dass nicht alle
Menschen diese Kenntnisse erwerben können, obwohl jeder unter dem
Einfluss der Bewegungen von Planeten und Sternen geboren wird. Ich
erkläre mich bereit zuzugestehen, dass nur wenige Menschen diese
Wissenschaft lernen und beherrschen. Aber die Frage ist, wie lernen oder
beherrschen sie diese Wissenschaft – insbesondere die Kenntnisse, mit
denen sie die Sterne als Unheil verheißend oder Glück verheißend
bestimmen können? Wie haben sie die Zeit festgelegt, die Stunden und
Grade, die langsamen oder schnellen Bewegungen der Planeten und Sterne,
ihre exakte Position über oder unterhalb der Erde, und ihre
Prophezeiungen, die du erwähnt hast? Wie haben sie diese erfasst? Ich
glaube, kein Geschöpf auf diesem Globus ist so weit fortgeschritten,
dass es die sichtbaren und unsichtbaren Geheimnisse dieses Universums
durchschauen kann“.
„Du magst nicht daran glauben“, sagte er, „aber sie haben es gemacht,
davon bin ich überzeugt“.
Ich sagte: „Wenn du behauptest, dass alle Erdenbewohner in Verbindung
mit einer bestimmten Sternen- und Planetenkonstellation geboren werden,
müsste der weise Gelehrte, der als erster die Wissenschaft der
Astronomie entdeckt hat, auch so geboren worden sein.“
„Natürlich, er muss zu der Kategorie der menschlichen Rasse gezählt
werden“, erklärte er.
„Bringt dich deine Argumentation dann nicht zu der Erkenntnis, dass
diese Planeten und Sterne schon vor der Geburt dieses weisen Gelehrten
existiert haben müssen, der die Wissenschaft der Astronomie entdeckt
hat, und in Verbindung mit einer Planeten- und Sternenkonstellation
geboren wurde?“
„Absolut, die Planeten und Sterne müssen vor seiner Geburt schon
vorhanden gewesen sein“.
„Dann erkläre mir, wie kann der weise Erfinder der Wissenschaft die
Methode der Berechnung der Sterne erlernen ohne einen Lehrmeister, der
ihm das beibringt? Wenn du sagst, er hatte einen Lehrmeister, dann
müsste der Lehrmeister vor der Entstehung der Sterne schon existiert
haben. Und gewiss muss es Er sein, Der die Regeln und Anordnung für
diese Bewegungen, auf denen, wie du sagst, die Ereignisse des Lebens
basieren, und anhand derer die Zukunft eines neugeborenen Kindes
vorhergesagt werden kann. Angesichts dieser Gegebenheit muss der weise
Entdecker der Wissenschaft der Jünger und Schüler dieses Lehrmeisters
gewesen sein, der vor den Steren existiert hat und sie und den Gelehrten
unter einer bestimmten Sternen- und Planetenkonstellation erschaffen
hat. Dann ist Derjenige, Der die Wissenschaft begründet hat, auch Der,
Der vor den Sternen da war, der Erschaffer von den Sternen und den
Menschen, die in Verbindung mit ihren Bewegungen geboren werden. Wenn
wir das Alter des weisen Gelehrten auf das zehnfache Alter der Erde
schätzen, muss er die gleichen Beobachtungen von den Sternen
festgestellt haben wie wir. Sie müssen bei Nacht auch am Himmel
gefunkelt haben, wenn sie erschienen sind. Wo liegt der Unterschied
zwischen ihm und uns? Woher weiß er die genaue Berechnung während wir
sie nicht wissen? Hatte er eine besondere Macht, um näher an das hohe
Firmament zu rücken, um die Geheimnisse der Sterne, ihre Position und
Bewegungen eingehender zu studieren, und zu lernen, welche von ihnen die
Sonne und den Mond bedecken, welche beständig bei der Geburt eines
Kindes sind, und welche Unheil verheißend und verdächtig sind, schnell
oder langsam, und viele andere Dinge, wie die Zeitdauer, die sie
verborgen im Schatten der Erde verbringen, und die exakte Stundenanzahl
ihres Erscheinens und Verschwindens? Wie hoch ist die
Wahrscheinlichkeit, dass ein menschliches Wesen so ein großes Wissen
über himmlische Dinge hat, denn die bloße tiefgründige Reflexion kann
ihm das nicht vermitteln noch können seine Sinne soweit reichen? Wie hat
er die Methode zur Berechnung der Bewegungen von Sonne und Mond
ermittelt, und das Wissen darüber, welches der sieben Planeten
verdächtig und Unheil verheißend ist und die exakte Position dieser
Gestirne, und die richtige Beurteilung, ob ein Gestirn aufgeht oder
untergeht? Wie kann er, von der Erdoberfläche aus, etwas studieren das
am Himmel ist? Wie kann er die Sterne sehen, die durch die blendenden
Sonnenstrahlen unsichtbar gemacht werden? Wenn du behaupten willst, dass
er in den Himmel geflogen ist, woran mein Verstand zweifelt, aber auch
dann könnte er dieses Wissen nicht ohne einen Lehrmeister bewältigen.
Wenn man nicht in der Lage ist, ein irdisches Wissen zu beherrschen, wie
kann er dann ein Wissen außerhalb der Erde bewältigen?“
„Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals von jemandem gehört zu
haben, der in den Himmel gestiegen ist“, sagte er.
„Vielleicht“, legte ich ihm nahe, „hat der weise Gelehrte es ja doch
gemacht, und dir ist es nur nicht bewusst“.
„Das würde ich nicht abnehmen, von keiner Quelle“.
„Darin stimme ich mir dir überein, aber lass uns trotzdem annehmen, dass
der weise Gelehrte in der Lage war in den Himmel emporzusteigen. In
diesem Fall müssten wir auch daran glauben, dass er unglaubliche Reisen
gemacht hat, jeden Stern und Planeten besucht hat, und bei ihnen
geblieben ist, bis er sein Wissen über ihr Aufgehen und Untergehen
vervollständigt hat. Und da manche Planeten 30 Jahre brauchen um ihre
Rotation zu beenden, hat er notwendigerweise diese erwähnte Phase bei
ihnen verbringen müssen, egal wie lange sie dauerte, um wirklich alle
Informationen zu sammeln. Lass uns auch all dies als erwiesen annehmen,
dass er nicht nur in den Himmel gestiegen ist, sondern sogar auch in
Begleitung mit jedem einzelnen Gestirn gereist ist, bis er all ihre
Gewohnheiten erkundet hat.
Und dennoch können seine Beobachtungen nicht als vervollständigt
betrachtet werden, bis er die Sterne unterhalb der Erde studiert hat.
Und dafür muss er noch mal den gleichen Zeitaufwand aufbringen, den er
für das Beobachten der Himmelskörper gebraucht hat, um die Wissenschaft
mit ihrer aktuellen Genauigkeit der Berechnung zu erfassen, ohne dabei
einen ihrer Aspekte zu vergessen, denn die Bewegungen der Sterne
unterhalb der Erde sind nicht die gleichen. Er muss die Zeitspanne
bestimmen, in der diese Sterne unsichtbar bleiben, ob bei Tag oder bei
Nacht, das ist ein wesentlicher Aspekt. Ferner muss ein für alle mal die
Frage geklärt werden, ob es nur einen weisen Gelehrten gab, der dies
machte. Wenn es mehrere Gelehrten gab, dann hätten sie Unterschiede in
ihren Kalkulationen gehabt. Fällt dir jetzt nicht auf, dass deine Idee
mit dem weisen Gelehrten, der in die Tiefen der Meere getaucht ist, und
sich durch die Dunkelheit der Erde durchgebohrt hat und sich in alle
Himmel begeben hat, an die Sterne und Planeten fest geklommen hat, um
das Wissen über ihre Bewegungen zu erwerben und das gleiche bezüglich
der Sterne unterhalb der Erde macht, nicht mithalten kann!“
„Ich halte nicht an der Theorie fest, dass irgendjemand die Himmel
emporsteigen kann oder in die Tiefen der Meere tauchen kann oder das
Innere der Erde durchbohren kann“.
„Wenn du nicht an dieser Theorie glaubst, dann sage mir doch, wie kann
der Gelehrte, den du für den Erfinder hältst, die Wissenschaft von der
Astronomie lernen? Wie kann er seine einschlägigen Forschungen
vervollständigen, wenn er erst lange nach der Erschaffung der Sterne,
über die er bescheid weiß, angefangen hat zu existieren?“
Der Inder sagte: „In Anbetracht deiner Argumente, scheint es nicht klug
oder weise zu sein, zu behaupten, dass dieses Wissen von einem Wesen
dieser Erde entdeckt wurde“.
„Dann gibst du also zu, dass dieses Wissen nur jemandem, der alle
inneren und äußeren Inhalte der Himmel und Erde kennt, bekannt sein
kann“.
„Wenn ich das tue, dann muss ich Allah anerkennen, von Dem du sagst, Er
ist der Schöpfer von Himmel und Erde“.
Ich fragte ihn: „Hast du mir nicht erzählt, dass die auf der Astronomie
basierten Berechnungen absolut korrekt sind, und dass die Geburt eines
Kindes mit einer bestimmten Sternenkonstellation einhergeht?“
Er antwortete: „Ja, das habe ich dir gesagt, und daran habe ich auch
keine Zweifel, aber ich habe Zweifel daran, ob es einen Schöpfer gibt“.
„Diese Zweifel werden beseitigt werden. Sagtest du nicht, dass kein
menschliches Wesen in die Himmel steigen kann oder zusammen mit den
Bewegungen der Sonne, Mond und Sterne, ob nach Osten oder Westen oder in
irgendeine Richtung reisen kann?“
„In die Himmel aufzusteigen ist unmöglich“, sagte der Inder.
„Also gut, was hast du für eine Alternative als zuzugestehen, dass es
ein göttlicher Lehrer war, der diese Wissenschaft lehrte?“
„Wenn ich sage, dass kein Lehrer diese Wissenschaft gelehrt hat, dann
mache ich mich lächerlich, und wenn ich sage, es war ein irdischer
Lehrer, dann ist das genauso eine irrationale Aussage, denn kein
menschliches Wesen hat selbst Wissen über den obigen Himmel erworben,
oder über die untere Hölle, denn kein Mensch ist imstande, in diese
Dinge, die außerhalb der Reichweite unserer Augen liegen, zu spähen.
Auch wenn wir eine Beobachtung aus der Nähe voraussetzen, können wir
nichts über das Innere erfahren, denn nach meiner Überzeugung ist nichts
real außer das, was mithilfe der Sinne erfasst werden kann, und es ist
offensichtlich, dass die Sinne hier nicht weiterhelfen können. Das Auge
kann nur Bewegungen wahrnehmen und darüber hinaus sonst nichts. Das
Wissen und die Berechnung der Bewegungen, die Unterschiede zwischen
schnell und langsam, die Phase des Verschwindens und Wiedererscheinens
der Sterne liegen außerhalb der Reichweite der Sinne“, sagte er.
„Wenn du die Wissenschaft der Himmel studieren möchtest, würdest du dir
ein irdisches oder ein himmlisches Wesen als Lehrer aussuchen?“
„Ich würde ein himmlisches Wesen aussuchen, weil die Sterne in seiner
Region liegen und nicht von irdischen Wesen erreicht werden können“.
„Schön. Ich hoffe, du gibst dir jetzt etwas Zeit zum gründlichen
Nachdenken, und beseitigst alle Zweifel aus deinem Kopf.
Wenn alle Menschen auf der Erde in Verbindung mit einer bestimmten
Sternenkonstellation geboren werden, ob düster oder günstig, dann steht
es doch außer Frage, dass die Sterne vor den Menschen auf der Erde
existiert haben, denkst du nicht?“
„Ja, das denke ich auch“, antwortete er.
„Also, dann hast du deine eigene Aussage, dass die Menschen schon auf
der Erde existiert haben selbst widerlegt. Du hast ohne den geringsten
Zweifel zugegeben, dass die menschliche Rasse nach den Sternen
entstanden ist, und wenn die Sterne vor der menschlichen Rasse
existierten, dann folgt zwangsläufig, dass die Erde auch vor der
menschlichen Rasse existierte“.
„Ich sagte nicht, dass die Erde vor ihnen existierte“.
Ich sagte: „Wenn die Erde, die Der Allmächtige Allah für den Menschen
als Teppich erschaffen hat, auf dem er gehen kann, nicht vor den
Menschen existierte, hätten diese Geschöpfe zusammen mit allen niederen
Lebewesen nichts, worauf sie sich ausruhen könnten. Es ist unvernünftig
zu behaupten, dass sie im Raum schwebten, weil sie gar keine Flügel
besitzen“.
„Was würden ihnen schon Flügel nützen, wenn sie gar keine Existenzmittel
hätten“, erwiderte er.
„Bravo“, sagte ich, „hast du jetzt immer noch Zweifel bezüglich der
Präexistenz der Erde und der Sterne?“
„Nein, ich bin jetzt völlig überzeugt von der Präexistenz der beiden“.
„Ich werde jetzt die Diskussion auf weitere Themen ausweiten, die deine
Neugier erwecken und deinen Wissensschatz bereichern können“.
Er sagte: „Deine vorherigen Argumente waren ausreichend, um meine
Zweifel zu beheben“.
„Du weißt, dass ich der Ansicht bin, dass Sonne, Mond und Sterne ihre
Aufgaben im Himmel erfüllen“.
„Ja, das weiß ich“.
„Würdest du es nicht als die Basis und das Fundament für diese
Himmelskörper betrachten?“
„Doch, schon“, antwortete er.
„Demzufolge wurden meiner Ansicht nach die Sterne, die laut deiner
Aussage mit der Geburt der menschlichen Rasse in Verbindung stehen, nach
dem Himmel erschaffen, weil sie ihre Rotation im Himmel ausführen,
manchmal bewegen sie sich nach oben und manchmal nach unten“.
„Alles ist so klar ersichtlich, dass nur ein Irrsinniger dies leugnen
könnte. Der Himmel ist das Fundament für die Himmelskörper und
existierte zweifellos vor ihnen, weil diese Himmelskörper sich darin
bewegen und ihre Aufgaben erfüllen“.
„Jetzt hast du zugegeben, dass der Schöpfer der Sterne, gemäß deren
Bewegungen die Menschen geboren werden, der Gleiche ist, Der den Himmel
und die Erde erschuf, denn ohne die Erde könnte es keine Schöpfung
geben“.
„Ja, du hast recht, ich habe keine Alternative als dies als die Wahrheit
zu akzeptieren“.
„Weist dich deine Vernunft nicht noch weiter darauf hin, dass Derjenige,
Der Erde, Himmel, Sonne, Mond und andere Planeten erschuf, Allmächtig
und Weise sein muss, denn ohne den Himmel müssten die Geschöpfe der Erde
zugrunde gehen, weil die Himmelskörper in unmittelbarem Zusammenhang mit
dem Leben auf der Erde stehen und dafür notwendig sind? Würde z. B. nur
die Sonne fehlen, würde nichts reifen können, und die giftigen
Bestandteile der Luft könnten nicht aufgehoben werden und alles würde
sterben“.
„Jetzt möchte ich die Weisheit Allahs bezeugen, Der all diese Dinge
machte, durch die du all meine Zweifel beseitigt hast. Ich muss deine
Theorie akzeptieren, dass der Lehrer der Wissenschaft der Astronomie,
und der Erfinder der dazugehörigen Berechnungen kein Erdenbewohner sein
kann, weil das, was er erforscht im Himmel ist, und jene Person, die
imstande ist, die Geheimnisse des Himmels aufzudecken, mächtig genug
sein kann, um unter die Erde durchzudringen. Dennoch kann ich nicht
verstehen, wie ein menschliches Wesen die Wissenschaft beherrschen und
sie bis zu ihrer jetzigen Einheitlichkeit und Logik weiterentwickeln
konnte, die kein Mensch abstreiten kann. Wenn ich die Prinzipien der
Wissenschaft nicht kannte, hätte ich von Anfang an rundweg das gleiche
geleugnet und das Thema für nichtig erklärt“.
„Ich werde es dir anhand der Myrobalane (Halila), die du in deinen
Händen hältst und anhand der Wissenschaft der Medizin, die schon der
Beruf deiner Vorväter war und nun deins ist, verdeutlichen. Diese
Myrobalane und die Medizinwissenschaft werde ich mit den Himmelskörpern
und ihrer Wissenschaft vergleichen. Aber versprichst du mir, nicht nur
die Wahrheit anzuerkennen sondern ihr auch gerecht zu werden?
„Ja, das verspreche ich“, sagte er, „bitte fahre fort“.
„Gab es denn eine Zeit, in der die menschliche Rasse in Unkenntnis des
Wissens und seines Nutzens war, genauso bewusstlos wie diese
Myrobalane?“
„Warum nicht?“, antwortete er, es muss eine Zeit gegeben haben, in der
sich niemand in der medizinischen Wissenschaft und ihren Nutzen
auskannte. Das Wissen wurde erworben“.
„Wie? Wenn sie sich des Wissens vollständig unbewusst waren, wie haben
sie es erworben?“
„Durch Erfahrung und Experimente und nach einer beträchtlichen Zeit“,
sagte er.
„Woher kam der Gedanke zum Experimentieren“, fragte ich. „Was ließ sie
denken, dass so eine Sache, die zu Medizin umgewandelt wurde für den
menschlichen Körper nützlich ist, wenn die äußere Form dieser Dinge
schädlich aussieht, und manche so schmerzhaft bitter und unangenehm
schmecken, sobald sie auf die Zunge gesetzt werden. Und wie sind sie zu
der Erforschung solcher medizinischen Pflanzen gekommen, die völlig
unbekannt waren, und nicht durch ihre Sinne wahrgenommen werden konnten,
denn nach etwas zu verlangen, das unbekannt ist, ist völlig unmöglich
und absurd?“
„Die Erfahrung führte zur Erforschung und der Einführung der
medizinischen Wissenschaft“. [zweite Hälfte folgt] Quelle: http://www.al-islam.org/short/halila/ |
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