Religiöse Erziehung der Kinder

Einleitung

Den Eltern wurde die edle Pflicht auferlegt, die zukünftige Generation zu führen. Es ist ihre Aufgabe sicherzustellen, dass ihre Kinder eine gute Erziehung genießen. Damit führen sie die Arbeit der Propheten weiter, die die Menschen führen. Der Heilige Qur’an spricht:

[66:6] „Oh ihr diejenigen, die überzeugt sind, rettet Eure Seelen und die eurer Angehörigen vor einem Feuer, dessen Brennstoff die Menschen und die Steine sind.“

In der heutigen Gesellschaft wird sehr viel Wert auf weltliche Bildung gelegt. Ein Kind wird dazu angetrieben, nach hervorragenden akademischen Leistungen zu streben. Ein Hochschulabschluss ist ein Muss, für Jungs und Mädchen gleichermaßen. Bildung ist in der Tat sehr wichtig, doch die Bedeutung der religiösen Bildung für eine ausgeglichene Persönlichkeit darf nicht übersehen werden. Die Welt bringt eine Generation hervor, die viel weiß, aber höchst arm an moralischen und spirituellen Werten ist. Der Heilige Prophet (ص) sprach einst mit seinen Gefährten über die Wichtigkeit der religiösen Erziehung. Er sagte ihnen, dass er fern von den Eltern der letzten Zeit war. Sie fragten ihn nach dem Grund und er erklärte, dass diese Eltern sehr viel Wert auf eine weltliche Erziehung legten, während sie die religiöse Erziehung vernachlässigten. Möge der Allmächtige uns davor bewahren, unter diesen Leuten zu sein.

Was genau ist mit der religiösen Erziehung gemeint? Folgendes sind einige wichtige Punkte einer religiösen Erziehung.

Die Überzeugungen

In Gott

Ein fester Glaube an den Schöpfer ist die Quelle alles Guten. Wenn ein Kind damit aufwächst, an Gott zu glauben, wird es lernen, gewissenhaft zu sein. Das Leben wird Bedeutung und Verantwortung besitzen. Den Kindern muss die Existenz Gottes gelehrt werden, genauso wie die Fülle des Segens, die Er uns geschenkt hat. Natur, Wissenschaft etc. können allesamt dazu genutzt werden, die Größe des Schöpfers aufzuzeigen. Zeigt den Kindern Bücher und Filme mit Menschen, die einen starken Glauben an Gott haben und erläutert ihnen, wie der Glaube ihnen dabei hilft, Hürden und Schwierigkeiten zu überwinden.

Kindern sollte nicht der Eindruck vermittelt werden, dass Allah die Menschen für jede falsche Tat, die sie begehen, bestraft. Einige Eltern und Erzieher warnen die Kinder vor der Strafe Allah’s (swt), um sie zu ängstigen und dazu zu bringen, gut zu sein. Obwohl es manchmal notwendig ist, über Strafen zu reden, ist es von größerem Vorteil, sich auf die positive Seite zu konzentrieren. Allah (swt) ist in höchstem Maße barmherzig, liebt uns und will uns helfen und führen. Lehrt den Kindern, Allah (swt) zu lieben, Ihm zu vertrauen und von Ihm all ihre Bedürfnisse zu erbitten. Diese positive Einstellung wird dem Kind helfen, eine dauerhafte Bindung zu Allah (swt) zu haben.

In das Jenseits

Kinder sollten schrittweise in die Vorstellung über den Tod und das Leben danach eingeführt werden. Obwohl es für jüngere Kinder verwirrend sein kann, ist es ratsam, dass die Eltern von Zeit zu Zeit darüber reden, insbesondere wenn die Kinder älter werden. Ein Todesfall in der Familie oder der Gesellschaft kann als Beispiel dazu genutzt werden, dass alle Menschen sterblich sind und jeder von uns wird denselben Weg gehen. (Es ist das Beste, ehrlich zu den Kindern zu sein.)

In die Propheten und Imame

Es ist notwendig für die Kinder, dass sie die Rolle der Propheten verstehen, und Liebe zum Heiligen Propheten (ص) und den Imamen (ع) entwickeln. Dies kann ihnen gelehrt werden, indem ihnen Geschichten über deren Leben vorgelesen werden. Es ist ebenfalls notwendig, die Wichtigkeit darzulegen, indem wir ihrer Geburts- und Todestage gedenken. Zu diesen Ereignissen in die Moschee zu gehen hilft sehr viel. Sie gedenken der besagten Persönlichkeit und lernen darüber hinaus einiges über ihn oder sie. Dies ist ein sehr guter Weg, ihren Glauben aufrecht zu erhalten.

Rituale

Auch wenn die Überzeugungen am wichtigsten sind, müssen die Eltern den praktischen Teil der Befolgung der Religion lehren. Glaube und Handlung gehören zusammen. Schon in jungen Jahren sollte ein Kind dazu angeregt werden zu beten, Qur’an zu rezitieren, Wudhu‘ zu vollziehen usw. Einige Eltern denken, dass es eine Last ist, dass kleine Kinder diese Dinge tun und warten, bis sie fast „baligh“ (religiös reif) sind. Die Liebe für diese Handlungen entwickelt sich nicht und viele Kinder müssen dann dazu gebracht werden, sie zu verrichten. Es ist um einiges besser, in einem Alter zu beginnen, wenn die Kinder bereit sind, die Eltern nachzuahmen und Interesse am Gebet und am Vollziehen des Wudhu‘ zeigen.

Das tägliche Gebet ist die wichtigste Handlung im Islam, und es ist die Pflicht jeder Eltern sicherzustellen, dass das Kind richtig und regelmäßig betet. Eine Überlieferung des Heiligen Propheten (ص) besagt: „Lehrt euern Kindern das Gebet, wenn sie sieben Jahre alt werden.“ Es sollte erwähnt werden, dass Kinder beobachtet werden müssen, wenn sie mit dem alleinigen Verrichten des Gebets beginnen. Viele Kinder beten sehr schnell und die Bewegungen sind sehr schnell. Wenn es möglich ist, sollten Eltern versuchen, mit ihren Kindern zu beten, zumindest manchmal. Regt das Kind an, den Eltern zum Gebet zu folgen, denn dies wird bewirken, dass das Kind langsamer und aufmerksamer betet.

Eine Überlieferung von Imam Ja’far as-Sadiq (ع) über die Gewöhnung der Kinder an das Fasten besagt: „Wir gebieten unseren Kindern zu fasten, wenn sie sieben Jahre alt sind, welchen Teil des Fastens sie auch halten können. Wenn es sodann Mittag oder etwas später [am Tag] ist und der Durst sie überkommt, brechen sie das Fasten, sodass sie sich an das Fasten gewöhnen und es aushalten können.“

Ein weiterer wichtiger Teil der religiösen Erziehung liegt darin, dem Kind die Rezitation des Qur’ans zu lehren. Dies ist ein Recht des Kindes, wie in einer Überlieferung des Propheten (ص) aufgeführt. Viele Eltern sind sich dieser Verantwortung bereits bewusst und bemühen sich, dass ihre Kinder zu guten Qur’an-Rezitatoren werden. Allerdings muss man vorsichtig sein, nicht mit anderen zu konkurrieren oder in der Gemeinschaft anzugeben. Einige Kinder werden zu sehr guten Qur’an-Rezitatoren, beten aber nicht regelmäßig und nehmen im Allgemeinen ihre Pflichten gegenüber Allah (swt) auf die leichte Schulter. Die flüssige Beherrschung der Qur’an-Rezitation ist kein Kriterium. Es ist zweifellos ein Vorteil. Aber das Kind muss gleichermaßen dazu angeregt werden, den Qur’an zu verstehen. Dies kann durch gelegentliches Lesen der Übersetzung geschehen, oder durch das Erlernen der arabischen Sprache.

Moral

Dies ist ein äußerst wichtiger Aspekt des Islams und sollte nicht ausgeklammert werden. Gute Moral ist der Schlüssel zu einem tugendhaften Leben. Dem Kind sollten edle Charaktereigenschaften gelehrt werden, wie Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Gerechtigkeit, Zufriedenheit etc. Ihm sollte gelehrt werden, Neid, üble Nachrede, Gier, Verschwendung etc. zu vermeiden. Viele Gelegenheiten bieten sich den Eltern im Alltag, solche Dinge anzusprechen. Es ist nicht notwendig, ihnen einen Vortrag darüber zu halten. Eine kleine Erinnerung, oder eine einfache Diskussion können oft bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Großeltern können hier eine einflussreiche Rolle spielen. Sie können darum gebeten werden, die Kinder zu beraten und ihnen Geschichten zu erzählen. Viele Kinder merken sich den Rat der Eltern oder Großeltern bis in das Erwachsenenalter hinaus. Eltern sollten nie die Wirkung ihrer Worte und Taten auf die Herzen ihrer Kinder unterschätzen.

Methoden der religiösen Erziehung

Seid ein Vorbild für euer Kind

Taten sind effektiver als bloße Worte. Man kann die Kinder noch so oft ermahnen, Lästerei zu unterlassen und es wird nichts nützen, wenn das Kind oft hört, wie selbst die Eltern lästern. Wenn das Kind zu Hause der Heuchelei, Lügen, Egoismus etc. ausgesetzt ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass er das gleiche tun wird. Ein gutes Beispiel kann man selbst ohne Worte sein. Ein Kind, das in einem Haus aufwächst, in dem die Gebetszeiten eingehalten werden, wo Heuchelei in Beziehungen unterlassen wird und wo Zufriedenheit herrscht, wird damit aufwachsen, dasselbe zu tun. Auch wenn es eine gewaltige Aufgabe zu sein scheint, und gutes Vorbild für das Kind sein zu können, sollten Eltern wissen, dass es der einzige Weg ist, ihre Kinder wirklich zu lehren. Kein anderer Weg ist so effektiv.

Erzählt Geschichten

Geschichten sind eine sehr ansprechende Art und Weise, etwas zu lehren. Der Heilige Qur’an sagt, nachdem die Geschichte von Prophet Yusuf (ع) erzählt wurde:

[12:111] „Wahrlich, in ihren Geschichten ist eine Lehre für die Verständigen.“

Kinder sind besonders fasziniert von Geschichten. Die Geschichte kann sie fesseln, ohne dass sie merken, dass sie einige Lektionen lernen. Viele Eltern lesen ihren Kindern jeden Tag etwas vor, insbesondere wenn die Kinder noch jung sind. Hierbei wäre es eine gute Idee, ihnen gelegentlich islamische Geschichten vorzulesen.

Fragen und Antworten

Kinder stellen viele Fragen. Manchmal kennen die Eltern nicht die richtigen Antworten und müssen zugeben, dass sie sie nachschlagen müssen. Doch es ist unfair, die Fragen zu ignorieren oder sie als unwichtig abzutun. Je mehr sie fragen, desto mehr werden sie lernen.

Das Interesse an Fragen und Unklarheiten wird dem Kind helfen, seine geistigen und intellektuellen Fähigkeiten zu entwickeln. Ermutigt das Kind, mehr zu lernen, indem es mehr fragt, auch wenn all die Antworten nicht sofort gegeben werden können.

Was man unterlassen sollte in der religiösen Erziehung

Verfahrt nicht zu hart. Böse mit dem Kind zu sein führt zu Unmut. Es ist besser, dem Kind alles zu erklären und zu besprechen.

Übertreibt es nicht. Lehrt den Glauben in einer gemäßigten Art und Weise. Es zu übertreiben kann schädlich und eine Last für das Kind sein. Ein kleines Kind beispielsweise sollte nicht dazu gebracht werden, viele Bittgebete und Mustahab-Gebete zu verrichten, wenn es nicht möchte.

Lehrt den Islam nicht, um anzugeben. Kinder sollten nicht religiös erzogen werden, damit die Eltern in der Gemeinschaft damit angeben.

Macht den Islam nicht zu einer Last. Einige Eltern denken, dass der Islam zu schwierig ist. Obwohl sie ihn praktizieren, haben sie das Gefühl, dass der Hijab, das Fasten und andere dieser Pflichten eine wirklich große Last sind. Dies wird das Kind demotivieren.

Einige Weisheiten

Der Heilige Prophet (ص) sagte: „Ein rechtschaffenes Kind ist eine duftende Blume von den Blumen des Himmels.“

Imam Ali (ع) sprach: „Keine Eltern haben ihrem Kind ein besseres Geschenk gemacht als die guten Umgangsformen.“

Imam Zain-ul-Abidin (ع) sagte (in Risalat-ul-Huquq): „Es ist das Recht deines Kindes zu wissen, dass es von dir ist, und mit all seiner Tugend und seinen Laster mit dir verbunden ist in dieser Welt. Du bist verantwortlich, ihm gute Umgangsformen zu lehren, ihn zu seinem Herrn zu führen, ihm dabei zu helfen, Seinen Befehlen Folge zu leisten, seien sie dich betreffend oder ihn, und du wirst belohnt oder bestraft werden (gemäß dessen, wie du mit dieser Verantwortung verfahren bist). Daher solltest du in seiner Erziehung bestrebt sein wie der Mensch, der durch seinen guten Einfluss (auf das Kind) in dieser Welt geschmückt wird, und sich rechtfertigen möchte in der Gegenwart seines Herrn in Bezug auf die Verantwortung gegenüber dem Kind.“

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übersetzt von Mariam A.
Quelle: http://www.al-islam.org/raising_children/title.htm
(Übersetzung weicht leicht vom Original ab)

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